Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 15/98

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Der Kino-Tipp zur Genmanipulation: Gattaca

Im Reich der genetisch "Perfekten"

"Sieh an die Werke Gottes - denn wer kann das gerade machen, was er krümmt?" Dieser Spruch aus dem Buch der Prediger (7, 13) ist dem Film Gattaca vorangestellt. Denn dieser Film handelt von einer Welt, in der das Krumme und der "Zufall" von vorne herein ausgeschlossen werden sollen: durch Genmanipulation.

Und diese Welt ist gar nicht so weit entfernt. Prof. Lee Silver von der Universität Princeton sagte im Heute-Journal: "Das Unglaubliche an diesem Film ist, dass der Stand der Forschung äußerst realistisch dargestellt wird. Es wird genau gezeigt, was man alles mit der Gentechnik bewirken kann. Die Gefahr ist, dass wir auf eine Zweiklassengesellschaft zusteuern: die Reichen haben das Geld, sich ihren Nachwuchs perfekt genetisch optimieren zu lassen. Das würde die Gesellschaft spalten, und das ist gefährlich."

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Valid oder Invalid? Irene (Uma Thurman) hat ein defektes Gen

Gattaca ist der Name eines Weltraum-Bahnhofs in der genetisch gleichgeschalteten Gesellschaft der Zukunft. Diese Gesellschaft ist geteilt in "Valide" und "Invalide". "Invalid" ist, wer auf natürliche Weise gezeugt wurde. Die "Validen" hingegen wurden im Reagenzglas gezeugt. Ihre Embryonen durchliefen eine genetische Analyse, bei der nur die besten Exemplare zur Menschwerdung zugelassen werden - nachdem ihre Gene vorher noch "optimiert" wurden.

In Sekundenschnelle kann in der Gattaca-Gesellschaft die genetische Ausstattung eines Menschen bestimmt und gleichzeitig seiner Person zugeordnet werden - der perfekte Überwachungsstaat. Wer sich verliebt, lässt nach dem ersten Kuss den Speichel des möglichen Partners auf die genetische Ausstattung hin analysieren - erst dann entscheidet er oder sie, ob aus der Beziehung etwas werden soll.

Vincent, der Held des Films, ist ein "Invalider". Gleich nach der Geburt wurde festgestellt, dass er nur eine Lebenserwartung von ca. 30 Jahren hat, außerdem schlechte Augen und wahrscheinlich ein schlechtes Herz. Keine Chance auf irgendeine Karriere.

Doch ausgerechnet Vincent will Astronaut werden - und er schafft es. Er nimmt die genetische Identität des "Validen" Jerome an, der bei einem Unfall eine Querschnittslähmung erlitt. Jerome versorgt ihn täglich mit Blut- und Urinproben, Haaren und Hautschuppen, mit denen Vincent alle genetischen Kontrollen unbehelligt passieren kann.

Vincent kann also die unerbittlichen Regeln der "schönen neuen Welt" unterlaufen - aber nur um den Preis der Aufgabe seiner eigenen Identität. Und er ordnet sich den asketischen Regeln der sterilen Erfolgsgesellschaft unter, die ihn am Aufstieg hindern will. Durch seine Willenskraft beweist er sich selbst und den wenigen, die von seinem Betrug etwas erfahren, dass ein Invalider besser sein kann als ein Valider mit wesentlich besseren Genen.

Doch warum kann das sein? Prof. Silver meint: "Gene sind nicht alles. Sie sind nur die Grundbausteine. Manche Menschen sind besonders athletisch veranlagt, andere besonders analytisch oder musikalisch. Doch was hilft die größte Begabung für Musik, wenn man nicht am Instrument übt?"

Jerome und Vincent haben eines gemeinsam: die Sehnsucht nach den Sternen. Dank der Hilfe von Jeromes Genen erfüllt sich Vincent den Traum vom Flug ins All. Und Jerome glaubt schließlich, durch Selbstmord den Sternen auch näher zu kommen. In seinem Abschiedsbrief, den Vincent mit auf die Reise ins All nimmt, schreibt er: "War nicht jedes Atom unseres Körpers einmal ein Teil eines Sterns? Wenn ich den Sternen näher komme, dann habe ich das Gefühl, ich komme nach Hause."

Die Sehnsucht nach den Sternen kann als ein Symbol für die Sehnsucht des Menschen angesehen werden, sein Schicksal zu ergründen, das in den Sternen gespeichert ist, den Sinn seines Lebens zu erfassen und dadurch Gott näher zu kommen, nach Hause zu kommen. Die genetisch gleichgeschaltete Gesellschaft verschließt jedoch genau dies dem Menschen, indem sie durch die Genmanipulation die individuelle "Handschrift" der Seele unterbindet, mit der diese einen Teil ihrer speziellen Belastungen aus früheren Einverleibungen in die Gene hineinprägt. Diese Lasten wären dann Aufgaben, die in diesem Leben zur Lösung anstehen und an deren Bewältigung die Seele reift.

Stattdessen wird der äußerlich perfekte Mensch angestrebt - und das bereits heute, in unserer Welt: durch pränatale (vorgeburtliche) Diagnostik, auch wenn die Bandbreite der Analyse noch weit von "Gattaca" entfernt ist. Heute schon werden Embryonen abgetrieben, weil ihre Gene auf mögliche Behinderungen hindeuten. Heute schon werden künstliche Befruchtungen durchgeführt, um zum Beispiel das Geschlecht eines Kindes festzulegen.

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Doch der äußerlich perfekte Mensch ist nur ein herunter transformiertes Gegenbild zum Streben nach innerer Vollkommenheit, das uns durch Jesus von Nazareth vor Augen gestellt wurde. Wer die genetische Zwangswelt aufhalten will, der braucht vor allem ein anderes, ein höheres Ziel als die äußeren "Menschen-Verbesserer". (Filmbesprechung von Dieter Potzel)

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Geist oder Gene? Auf dem Weg zur Menschenzüchtung" in Nr. 9/2000


 



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