Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 15/98

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Für Sie gelesen: Das Buch von Günther Hannich:

"Sprengstoff Geld"

Günther Hannich: "Sprengstoff Geld - Wie das Zinssystem unsere Welt zerstört", 140 S., über 30 Grafiken und Karikaturen, Buchversand G. Hannich, Postfach 22, 87493 Lauben, ISBN 3-00-002937-0, früherer Preis: 19,80 DM + Versand

Das Titelbild ist provozierend: Es zeigt eine Atombombenexplosion, dazu im Vordergrund eine exponentiell ansteigende Wachstumskurve. Der Autor erklärt auf den ersten Seiten, was er damit gemeint hat: Die Vermehrung des Zinseszinses gleicht in ihrem zerstörerischen exponentiellen Verlauf einer atomaren Kettenreaktion oder einer Lawine, die sich aus einem einzigen Eiskristall entwickelt hat.

Die Folge in der Wirtschaft: Arbeitslosigkeit, Schulden, Armut explodieren. Gleichzeitig sammelt sich immer mehr Kapital in immer weniger Händen an.

Mit zwei Kurven (siehe Druckausgabe "Das Weisse Pferd") zeigt Hannich, weshalb die Anhäufung des Geldes in wenigen Händen in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg noch nicht zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führte (S. 46): Die vom Zins beanspruchte Geldmenge blieb zunächst hinter der linear ansteigenden Produktion zurück. Erst nach drei bis vier Jahrzehnten, also spätestens seit 1990, steigt der Teil des Volkseinkommens, der auf Zinseinnahmen zurückgeht, schneller an als das Wachstum der Wirtschaft.

Ein immer größerer Teil des erwirtschafteten Einkommens fließt als leistungsloser Zinsgewinn zu den ohnehin Reichen, für die Unternehmen und die Arbeitnehmer bleibt immer weniger übrig. Der Kollaps rückt näher. Er kann auch durch weiteres Wachstum des Bruttosozialprodukts nur verzögert, nicht verhindert werden. Hannich bringt als Vergleich das Krebsgeschwür: "Es ist das gleiche, wie wenn ein Krebskranker sein Körperwachstum immer mehr steigern würde, damit der Anteil des wachsenden Tumors konstant bliebe. Sobald sein Wachstum auch nur etwas langsamer oder aufhören würde, hätte das zur Folge, dass der Anteil der Tumorzellen letztlich die Überhand gewinnen würde und das Ende nur noch eine Frage der Zeit wäre."

Krieg sichert Rendite

Das Rendite suchende Kapital weicht in der Phase einer im Vergleich zum Zins zurückbleibenden Produktion auf die Aktienmärkte aus. Die Zunahme der Aktienkurse verläuft seit etwa 1980 immer steiler, das heißt exponentiell (S. 82). Kann die geforderte Rendite auch dort nicht erreicht werden, drohe nicht nur ein Zusammenbruch der Aktienmärkte und in der Folge eine Vernichtung des Kapitals der desorientierten Kleinaktionäre, sondern auch eine Deflation, also ein Rückzug des Geldes aus der Wirtschaft mit verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Laut Hannich zeigt ein historischer Rückblick, "dass eine Deflation im heutigen System nur durch massive Sachkapitalvernichtung beendet werden kann. Insbesondere in einem Krieg wird genügend Realkapital zerstört, so dass danach beim Wiederaufbau eine ausreichende Rendite des Kapitals gesichert ist" (S. 93).

Weshalb ging Rom unter?

Hannich bringt hier das Beispiel des Schweizer Professors Ruhland, der 1887 von Bismarck beauftragt wurde, herauszufinden, weshalb "alle Hochkulturen und Weltreiche in der Geschichte untergegangen sind" (S. 99). Bismarck, der schon allein aufgrund der großmannssüchtigen deutschen Außenpolitik den ersten Weltkrieg exakt voraussagte (vgl. DAS WEISSE PFERD Nr. 13/98), scheint auch auf wirtschaftlichem Gebiet etwas geahnt zu haben. Als Ruhland seine Forschungen abschloss, war Bismarck allerdings längst nicht mehr im Amt. Ruhland fand heraus, dass zum Beispiel das römische Weltreich nicht zuletzt aufgrund einer durch den Zins bedingten Anhäufung des Reichtums in den Händen weniger und der Verarmung breiter Massen der Bevölkerung zugrunde ging. Im Jahre 1908 prophezeite Ruhland Europa eine Krise, "wie sie kaum in der Geschichte der Völker schon erlebt wurde." Der erste und zweite Weltkrieg bewiesen die Richtigkeit dieser Aussage.

Ein engagiertes Buch, das in knapper Form eine Einführung in die Problematik von Geld und Zins gibt. Manche Gedankengänge sind allerdings etwas zu knapp geraten. So zum Beispiel wird nicht erwähnt, dass die internationale Wirtschaft gegenüber der Weltwirtschaftskrise von 1929 einiges dazugelernt hat - was die heutige Situation nicht unbedingt weniger brisant macht, wie die Asienkrise beweist. Bei den Vorschlägen zur Umlaufsicherung des Geldes streift der Autor den wichtigen Bereich des Buchgeldes nur kurz. Und weshalb das in Deutschland praktizierte Umlagesystem der Rente nur bei steigender Bevölkerungszahl funktionieren soll, bleibt unklar. Vermutlich nahm der Autor Bezug auf die steigende Lebenserwartung, die (als ein Faktor) dieses Umlagesystem in der Tat in Bedrängnis bringt.

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Die wirtschaftlichen Lösungsvorschläge, die in diesem Buch dargestellt werden, gehen vom "angeborenen Eigennutz" des Menschen aus und wollen ihm auf dieser nüchternen Grundlage zumindest den gerechten Ertrag seiner Arbeit sichern. Diese Einschätzung ist sicherlich realistischer als die des Kommunismus, der den Menschen idealisierte, ohne den Weg zu einer Veränderung des Menschen in Freiheit aufzeigen zu können. Doch kann der eigennützige Mensch, der sich nicht mit Hilfe einer höheren Ethik, z. B. der Bergpredigt, hinterfragt, in der Lage sein, sich selbst und die Welt zum Guten zu ändern? Oder wird er dann nicht immer wieder von denen getäuscht oder ausgebootet werden, die auch den Eigennutz anstreben, dabei auf die Gerechtigkeit aber pfeifen?


 



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