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Für Sie gelesen:
Das Buch von Günther Hannich:
"Sprengstoff Geld"
Günther Hannich:
"Sprengstoff Geld - Wie das Zinssystem unsere Welt zerstört", 140 S., über 30
Grafiken und Karikaturen, Buchversand G. Hannich, Postfach 22, 87493
Lauben, ISBN 3-00-002937-0, früherer Preis: 19,80 DM + Versand
Das Titelbild ist provozierend: Es zeigt eine Atombombenexplosion,
dazu im Vordergrund eine exponentiell ansteigende Wachstumskurve. Der Autor erklärt auf
den ersten Seiten, was er damit gemeint hat: Die Vermehrung des Zinseszinses gleicht in
ihrem zerstörerischen exponentiellen Verlauf einer atomaren Kettenreaktion oder einer
Lawine, die sich aus einem einzigen Eiskristall entwickelt hat.
Die Folge in der Wirtschaft: Arbeitslosigkeit, Schulden, Armut
explodieren. Gleichzeitig sammelt sich immer mehr Kapital in immer weniger Händen an.
Mit zwei Kurven (siehe Druckausgabe "Das Weisse
Pferd") zeigt Hannich, weshalb die Anhäufung des Geldes
in wenigen Händen in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg noch nicht zu wirtschaftlichen
Schwierigkeiten führte (S. 46): Die vom Zins beanspruchte Geldmenge blieb zunächst
hinter der linear ansteigenden Produktion zurück. Erst nach drei bis vier Jahrzehnten,
also spätestens seit 1990, steigt der Teil des Volkseinkommens, der auf Zinseinnahmen
zurückgeht, schneller an als das Wachstum der Wirtschaft.
Ein immer größerer Teil des erwirtschafteten Einkommens fließt
als leistungsloser Zinsgewinn zu den ohnehin Reichen, für die Unternehmen und die
Arbeitnehmer bleibt immer weniger übrig. Der Kollaps rückt näher. Er kann auch durch
weiteres Wachstum des Bruttosozialprodukts nur verzögert, nicht verhindert werden.
Hannich bringt als Vergleich das Krebsgeschwür: "Es ist das gleiche, wie wenn ein
Krebskranker sein Körperwachstum immer mehr steigern würde, damit der Anteil des
wachsenden Tumors konstant bliebe. Sobald sein Wachstum auch nur etwas langsamer oder
aufhören würde, hätte das zur Folge, dass der Anteil der Tumorzellen letztlich die
Überhand gewinnen würde und das Ende nur noch eine Frage der Zeit wäre."
Krieg sichert
Rendite
Das Rendite suchende Kapital weicht in der Phase einer im Vergleich zum
Zins zurückbleibenden Produktion auf die Aktienmärkte aus. Die Zunahme der Aktienkurse
verläuft seit etwa 1980 immer steiler, das heißt exponentiell (S. 82). Kann
die geforderte Rendite auch dort nicht erreicht werden, drohe nicht nur ein Zusammenbruch
der Aktienmärkte und in der Folge eine Vernichtung des Kapitals der desorientierten
Kleinaktionäre, sondern auch eine Deflation, also ein Rückzug des Geldes aus der
Wirtschaft mit verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Laut Hannich zeigt ein
historischer Rückblick, "dass eine Deflation im heutigen System nur durch massive
Sachkapitalvernichtung beendet werden kann. Insbesondere in einem Krieg wird
genügend Realkapital zerstört, so dass danach beim Wiederaufbau eine ausreichende
Rendite des Kapitals gesichert ist" (S. 93).
Weshalb ging Rom unter?
Hannich bringt hier das Beispiel des Schweizer Professors Ruhland, der
1887 von Bismarck beauftragt wurde, herauszufinden, weshalb "alle Hochkulturen und
Weltreiche in der Geschichte untergegangen sind" (S. 99). Bismarck, der schon allein
aufgrund der großmannssüchtigen deutschen Außenpolitik den ersten Weltkrieg exakt
voraussagte (vgl. DAS WEISSE PFERD
Nr. 13/98),
scheint auch auf wirtschaftlichem Gebiet etwas geahnt zu haben. Als Ruhland seine
Forschungen abschloss, war Bismarck allerdings längst nicht mehr im Amt. Ruhland fand
heraus, dass zum Beispiel das römische Weltreich nicht zuletzt aufgrund einer durch den
Zins bedingten Anhäufung des Reichtums in den Händen weniger und der Verarmung breiter
Massen der Bevölkerung zugrunde ging. Im Jahre 1908 prophezeite Ruhland Europa eine
Krise, "wie sie kaum in der Geschichte der Völker schon erlebt wurde." Der
erste und zweite Weltkrieg bewiesen die Richtigkeit dieser Aussage.
Ein engagiertes Buch, das in knapper Form eine Einführung in die
Problematik von Geld und Zins gibt. Manche Gedankengänge sind allerdings etwas zu knapp
geraten. So zum Beispiel wird nicht erwähnt, dass die internationale Wirtschaft
gegenüber der Weltwirtschaftskrise von 1929 einiges dazugelernt hat - was die heutige
Situation nicht unbedingt weniger brisant macht, wie die Asienkrise beweist. Bei den
Vorschlägen zur Umlaufsicherung des Geldes streift der Autor den wichtigen Bereich des
Buchgeldes nur kurz. Und weshalb das in Deutschland praktizierte Umlagesystem der Rente
nur bei steigender Bevölkerungszahl funktionieren soll, bleibt unklar. Vermutlich nahm
der Autor Bezug auf die steigende Lebenserwartung, die (als ein Faktor) dieses
Umlagesystem in der Tat in Bedrängnis bringt. |
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Die wirtschaftlichen Lösungsvorschläge, die in diesem Buch dargestellt werden, gehen vom
"angeborenen Eigennutz" des Menschen aus und wollen ihm auf dieser nüchternen
Grundlage zumindest den gerechten Ertrag seiner Arbeit sichern. Diese Einschätzung ist
sicherlich realistischer als die des Kommunismus, der den Menschen idealisierte, ohne den
Weg zu einer Veränderung des Menschen in Freiheit aufzeigen zu können. Doch kann der
eigennützige Mensch, der sich nicht mit Hilfe einer höheren Ethik, z. B. der Bergpredigt,
hinterfragt, in der Lage sein, sich selbst und die Welt zum Guten zu ändern? Oder wird er
dann nicht immer wieder von denen getäuscht oder ausgebootet werden, die auch den
Eigennutz anstreben, dabei auf die Gerechtigkeit aber pfeifen?
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