| Wenn das Gift in den
Organismus eindringt Amalgam:
Die Zeitplombe tickt
50 Millionen Löcher
verschlossen die Zahnärzte allein in Deutschland 1992 mit Amalgamfüllungen. Doch die
Quecksilbermischung kommt immer mehr ins Gerede. Ein Patient, der an einer Hormonstörung
litt, machte z. B. einen Speicheltest - erhöhte Quecksilberwerte wurden festgestellt.
Trotz Unklarheit über mögliche Zusammenhänge möchte er seine Amalgamfüllungen so
schnell wie möglich loswerden. Doch so einfach ist das nicht.
Hat er z. B. genügend Geld für die Maßnahme? Die Kosten für
Amalgamfüllungen werden in Deutschland und Österreich von den gesetzlichen Krankenkassen
erstattet, nicht aber erheblich teurere Ersatzstoffe wie Gold, Keramik oder
keramikähnliche Füllstoffe (Composites, Compomere, Ormocere). Die deutsche
kassenzahnärztliche Bundesvereinigung rät ab, intakte Füllungen zu ersetzen. Doch wie
kann jemand wissen, ob seine Füllungen "intakt" sind?
Das Gift im Zahn
Vergiftungsgefahr geht vor allem von älteren Füllungen aus, wenn die
Metalle aus der Plombe in den Organismus eindringen. Bei neueren Amalgamfüllungen hat man
bereits Verfahren angewendet, die diese Gefahr reduzieren. Ein 100%iger Schutz vor den
giftigen Metallen ist aber nicht möglich. Dabei handelt es sich nicht nur um Quecksilber
(Anteil im Amalgam ca. 50 %), sondern auch um Silber, Zinn und Kupfer (die übrigen ca.
50 %). Diese Amalgam-Komponenten können Störungen des Hirn-, Eiweiß- und
Fettstoffwechsels sowie weiterer Stoffwechselprozesse bewirken. Dringt das Nervengift Zinn
z. B. in den Darm, wird es dort zum organischen Zinn umgewandelt, der giftigsten uns
bekannten Metallverbindung überhaupt. Und lagert sich das Quecksilber im Gehirn ab, dann
dauert es 20 Jahre, bis das Giftpotential dort halbiert ist. In der Fachsprache: Das
Quecksilber hat eine Halbwertszeit von 20 Jahren, im Kieferknochen sogar von 80 Jahren.
Gesundheit -
eine Kostenfrage?
Dabei versuchen offizielle Stellen ständig, die "Plomben-Bombe"
zu entschärfen: "Nach menschlichem Ermessen und derzeitigem Wissensstand kann
eine Gefährdung des menschlichen Organismus durch das in Amalgamfüllungen gebundene
Quecksilber ausgeschlossen werden" (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde) - wenn (!) es wirklich in der Füllung gebunden ist. Die Bemühungen, die
Patienten zu beruhigen, mögen wissenschaftlich vertretbar sein, es kann aber auch mit der
Finanzsituation der Krankenkassen zusammenhängen. Käme das Aus für Amalgam, würde die
Finanzierung der zahnärztlichen Grundversorgung zusammenbrechen. Die Kassen könnten
"Ersatz für alle" nicht finanzieren oder nur mit Hilfe weit erhöhter
Beiträge. Bislang werden in Deutschland die Mehrkosten für andere Materialien nur bei
nachgewiesener Quecksilberallergie bezahlt. Noch ungünstiger ist die Situation in
Österreich, wo die Kassen bei anderen Materialien nicht 100 %, sondern nur 80 % der Kosten
übernehmen, die eine Amalgamfüllung verursachen würde. In der Schweiz gibt es auf
diesem Gebiet ohnehin nur private Versicherungsmöglichkeiten.

Am wenigsten Probleme hat, wer die Vorbeugeregeln der
Zahnärzte ernst nimmt: Zuckerkonsum beschränken,
gründliche Zahnreinigung, regelmäßige
Zahnarztbesuche.
Die einseitige Finanzierung nur von Amalgamfüllungen in Deutschland steht
in Spannung zu den Einschränkungen, die für diese Behandlungsmethode gelten. Nach
Weisung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Berlin soll Amalgam
nicht angewendet werden bei Schwangeren und stillenden Müttern, auch nicht bei Patienten
mit eingeschränkten Nierenfunktionen, und bei Kindern unter 6 Jahren nur nach strenger
Kosten-Risiko-Abwägung, was im Klartext heißt: Nur Kinder aus armen Familien bekommen
Amalgam. Eltern, die es sich leisten können, muten es ihrem Kind nicht zu. Bei seiner
Beseitigung muss Amalgam als Sondermüll behandelt werden. Erst 1998 wurden die Kriterien
für seine Anwendung weiter verschärft: Amalgam nur im Seitenzahnbereich verwenden; so
wenig Zähne wie möglich mit Amalgam füllen; keine Amalgamfüllungen in der Nähe von
Brücken, Kronen oder Prothesen aus anderen Metallen einsetzen (wegen elektrischer
Reaktionen. Und der Hinweis "Hiermit ist kein gesundheitliches Risiko
verbunden" ist seit 1998 beim Amalgam gestrichen. Die Kassenzahnärztliche
Bundesvereinigung umschreibt die "Zeitplombe" diplomatisch: "Ein
angestrebter Verzicht auf Amalgam spiegelt die erhöhte Sensibilität zum vorbeugenden
Gesundheitsschutz und zu Umweltrisiken wider. Und er entspricht dem Zeitgeist, basiert
aber nicht auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen." Doch was ist, wenn auch
die Wissenschaftler unzweifelhaft fündig würden?
Erbschäden
durch Amalgam
Das Bundesinstitut für Arzneimittel wörtlich: "Da Quecksilber im
Körper kumuliert, können aufgrund erhöhter Belastung biologische Veränderungen
entstehen, die insbesondere in Sorge um die nachfolgenden Generationen zur Verhütung
gesundheitlicher Risiken vermieden werden müssen." Das heißt mit anderen
Worten: Amalgam kann auch zu Erbschäden führen. |
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