Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 16/98

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Wenn das Gift in den Organismus eindringt

Amalgam: Die Zeitplombe tickt

50 Millionen Löcher verschlossen die Zahnärzte allein in Deutschland 1992 mit Amalgamfüllungen. Doch die Quecksilbermischung kommt immer mehr ins Gerede. Ein Patient, der an einer Hormonstörung litt, machte z. B. einen Speicheltest - erhöhte Quecksilberwerte wurden festgestellt. Trotz Unklarheit über mögliche Zusammenhänge möchte er seine Amalgamfüllungen so schnell wie möglich loswerden. Doch so einfach ist das nicht.

Hat er z. B. genügend Geld für die Maßnahme? Die Kosten für Amalgamfüllungen werden in Deutschland und Österreich von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, nicht aber erheblich teurere Ersatzstoffe wie Gold, Keramik oder keramikähnliche Füllstoffe (Composites, Compomere, Ormocere). Die deutsche kassenzahnärztliche Bundesvereinigung rät ab, intakte Füllungen zu ersetzen. Doch wie kann jemand wissen, ob seine Füllungen "intakt" sind?

Das Gift im Zahn

Vergiftungsgefahr geht vor allem von älteren Füllungen aus, wenn die Metalle aus der Plombe in den Organismus eindringen. Bei neueren Amalgamfüllungen hat man bereits Verfahren angewendet, die diese Gefahr reduzieren. Ein 100%iger Schutz vor den giftigen Metallen ist aber nicht möglich. Dabei handelt es sich nicht nur um Quecksilber (Anteil im Amalgam ca. 50 %), sondern auch um Silber, Zinn und Kupfer (die übrigen ca. 50 %). Diese Amalgam-Komponenten können Störungen des Hirn-, Eiweiß- und Fettstoffwechsels sowie weiterer Stoffwechselprozesse bewirken. Dringt das Nervengift Zinn z. B. in den Darm, wird es dort zum organischen Zinn umgewandelt, der giftigsten uns bekannten Metallverbindung überhaupt. Und lagert sich das Quecksilber im Gehirn ab, dann dauert es 20 Jahre, bis das Giftpotential dort halbiert ist. In der Fachsprache: Das Quecksilber hat eine Halbwertszeit von 20 Jahren, im Kieferknochen sogar von 80 Jahren.

Gesundheit - eine Kostenfrage?

Dabei versuchen offizielle Stellen ständig, die "Plomben-Bombe" zu entschärfen: "Nach menschlichem Ermessen und derzeitigem Wissensstand kann eine Gefährdung des menschlichen Organismus durch das in Amalgamfüllungen gebundene Quecksilber ausgeschlossen werden" (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) - wenn (!) es wirklich in der Füllung gebunden ist. Die Bemühungen, die Patienten zu beruhigen, mögen wissenschaftlich vertretbar sein, es kann aber auch mit der Finanzsituation der Krankenkassen zusammenhängen. Käme das Aus für Amalgam, würde die Finanzierung der zahnärztlichen Grundversorgung zusammenbrechen. Die Kassen könnten "Ersatz für alle" nicht finanzieren oder nur mit Hilfe weit erhöhter Beiträge. Bislang werden in Deutschland die Mehrkosten für andere Materialien nur bei nachgewiesener Quecksilberallergie bezahlt. Noch ungünstiger ist die Situation in Österreich, wo die Kassen bei anderen Materialien nicht 100 %, sondern nur 80 % der Kosten übernehmen, die eine Amalgamfüllung verursachen würde. In der Schweiz gibt es auf diesem Gebiet ohnehin nur private Versicherungsmöglichkeiten.

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Am wenigsten Probleme hat, wer die Vorbeugeregeln der Zahnärzte ernst nimmt: Zuckerkonsum beschränken, gründliche Zahnreinigung, regelmäßige Zahnarztbesuche.

Die einseitige Finanzierung nur von Amalgamfüllungen in Deutschland steht in Spannung zu den Einschränkungen, die für diese Behandlungsmethode gelten. Nach Weisung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Berlin soll Amalgam nicht angewendet werden bei Schwangeren und stillenden Müttern, auch nicht bei Patienten mit eingeschränkten Nierenfunktionen, und bei Kindern unter 6 Jahren nur nach strenger Kosten-Risiko-Abwägung, was im Klartext heißt: Nur Kinder aus armen Familien bekommen Amalgam. Eltern, die es sich leisten können, muten es ihrem Kind nicht zu. Bei seiner Beseitigung muss Amalgam als Sondermüll behandelt werden. Erst 1998 wurden die Kriterien für seine Anwendung weiter verschärft: Amalgam nur im Seitenzahnbereich verwenden; so wenig Zähne wie möglich mit Amalgam füllen; keine Amalgamfüllungen in der Nähe von Brücken, Kronen oder Prothesen aus anderen Metallen einsetzen (wegen elektrischer Reaktionen. Und der Hinweis "Hiermit ist kein gesundheitliches Risiko verbunden" ist seit 1998 beim Amalgam gestrichen. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung umschreibt die "Zeitplombe" diplomatisch: "Ein angestrebter Verzicht auf Amalgam spiegelt die erhöhte Sensibilität zum vorbeugenden Gesundheitsschutz und zu Umweltrisiken wider. Und er entspricht dem Zeitgeist, basiert aber nicht auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen." Doch was ist, wenn auch die Wissenschaftler unzweifelhaft fündig würden?

Erbschäden durch Amalgam

Das Bundesinstitut für Arzneimittel wörtlich: "Da Quecksilber im Körper kumuliert, können aufgrund erhöhter Belastung biologische Veränderungen entstehen, die insbesondere in Sorge um die nachfolgenden Generationen zur Verhütung gesundheitlicher Risiken vermieden werden müssen." Das heißt mit anderen Worten: Amalgam kann auch zu Erbschäden führen. 

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So ist es also kein Wunder, wenn der eingangs erwähnte Patient sich nicht damit zufrieden gibt, eine Schädigung seines Organismus durch Amalgam sei ja nicht wissenschaftlich erwiesen. Nachweisen lässt sich allerdings, ob sein Körper quecksilberbelastet ist - durch einen Speicheltest bzw. durch Quecksilbermessungen im Blut und Urin. In diesem Fall kann er die Möglichkeit einer Quecksilber-Ausleitungstherapie wahrnehmen. (Nähere Informationen erhält man z. B. beim Diagnostischen Centrum für Mineralanalytik und Spektroskopie in Michelrieth, Tel.: 09394/97030;
http://www.diagnostisches-centrum.de/)

 Vorbeugen ist der beste Schutz

Am wenigsten Probleme hat natürlich, wer die Vorbeugeregeln der Zahnärzte ernst nimmt: Zuckerkonsum beschränken, gründliche Zahnreinigung, regelmäßige Zahnarztbesuche. "Prophylaxe" = "Vorbeugung" heißt das zukunftsweisende Wort. Denn wer möchte schon viele Wochen im Jahr nur für die Zahnarztrechnung arbeiten?


 



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