Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 16/98

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Slowenien - Gedanken eines Religionswissenschaftlers

"Die Kirche war intoleranter als die Kommunisten"

In Slowenien streiten sich Kirche und Staat um die Rückgabe von Ländereien und Gebäuden, die unter kommunistischer Herrschaft enteignet worden waren. Die Zeitung Delo brachte hierzu ein Interview mit dem Religionssoziologen Dr. Marijan Smrke. Hier einige Auszüge:

Delo: Die Öffentlichkeit wird derzeit am meisten von der Rückgabe von Vermögen an die Römisch-Katholische Kirche (RKK) bewegt ...

Dr. Smrke: ... In allen Staaten, die sich mit dem Problem der Rückgabe von Vermögen beschäftigen, ... verursacht das böses Blut. Es geht um den Gedanken, dass eine alles umfassende Rückgabe den Weg zurück zu Verhältnissen bedeutet, die sozial ungerecht waren. ...

Gewaltsame Machtausübung

... Allerdings ist der Vorschlag für ein Referendum gescheitert

... Das war meiner Meinung nach eine politische Entscheidung, die mir strittig erscheint. Sie ist deshalb ungerechtfertigt und unehrlich, weil die Zeit, in der sich die RKK die betreffenden Güter aneignete, keine Zeit der Glaubensfreiheit war. Im Gegenteil, diese Zeit war, was die Glaubensfreiheit anbelangt, ... stärker eingeschränkt als die Ära des sozialistischen Kommunismus, welche die römisch-katholischen Theologen nun als einzige problematische Epoche auf die Anklagebank stellen. ... Für mich war es das katholische Zeitalter, das die Glaubensfreiheit am meisten einschränkte. Es erhob sich mit Gewalt, hielt sich mit Gewalt an der Macht, und es war anders als mit Gewalt nicht zu beseitigen.

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Im idyllischen Slowenien (hier der See von Bled) ist die Kirche
 überall präsent. Doch wie hat sie ihren Reichtum erworben?

Meinen Sie dies damit, wenn Sie in einem Ihrer Artikel den Wunsch der RKK nach einer Rückkehr zum vorkonziliaren Geist erwähnen?

Die RKK ist in einigen Punkten schon in das Zeitalter vor dem Konzil zurückgekehrt ... Das Zweite Vatikanische Konzil verurteilte Großgrundbesitz, und wenn jetzt die RKK in all diesen Ländern Hunderttausende Hektar Land zurückverlangt, ist dies für mich die Wiederauferstehung des vorkonziliaren Geistes. Was wiederum die Mutmaßungen derer bestätigt, die annahmen, dass das Zweite Vatikanische Konzil nur ein Täuschungsmanöver gewesen sei. ...

"Sie sehen nur den Splitter im Auge des Bruders"

Dürfen wir ... irgendwelche Veränderungen in Bezug auf eine weitergehende Öffnung der Kirche erwarten?

Das ist nicht in Sicht ... Es scheint auch, ... dass sie mehr darum bemüht ist, sich als Märtyrerin darzustellen, als sich mit ihren inneren Problemen zu befassen. ... Sie versuchen, zu verdecken, dass die Kirche während ihrer slowenischen Vergangenheit die Glaubensfreiheit stärker eingeschränkt hat als die, die sie heute auf die Anklagebank stellt. Lassen Sie mich nur auf die Tatsache hinweisen, dass es schon 1527, kaum zehn Jahre nach dem Auftreten Luthers, in Slowenien bereits 160 Erlasse gab, die jedem mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen drohten, der nicht katholisch dachte. ... Die RKK zerstörte und verbrannte protestantische Kirchen und Friedhöfe, verbrannte Bücher und Menschen. Die Leute wurden wieder zum katholischen Glauben zwangsbekehrt. ... Insgesamt waren Nichtkatholiken noch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht gleichberechtigt. ... Sie sehen nur den Splitter im Auge des Bruders, den eigenen Balken aber nicht. ...

Alle sind sich einig, dass die Trennung zwischen Kirche und Staat notwendig ist. Wie soll diese Trennung funktionieren?

Zu meiner Vorstellung von der Trennung von Kirche und Staat passt unzweifelhaft nicht der konfessionelle Unterricht über Religion in öffentlichen Schulen, ebenso wenig wie die Finanzierung irgendeiner Glaubensgemeinschaft seitens des Staates. Die Glaubensgemeinschaften sollten sich selbst versorgen.

Wie sehen Sie dann die Tatsache, dass die RKK zwar auf einer Gleichwertigkeit der Glaubensgemeinschaften besteht, aber für sich einen besonderen Platz beansprucht, weil es hier nicht nur um eine "Liebesgemeinschaft" gehe, sondern weil sie die größte ist.

Durch die europäische Geschichte hindurch hat sich unzählige Male gezeigt, dass die Kirche eine Institution ist, die sehr starke Emotionen weckt, wobei ihre Verbindung mit verschiedenen Instrumenten gesellschaftlicher Gewaltausübung zu schrecklichen sozialen Störungen führen kann. ...

Die Römisch-Katholische "Sekte"

... Auch in Slowenien gibt es immer mehr Menschen, die sich zum Aberglauben und zu Sekten bekennen. Warum?

Die Frage nach dem Aberglauben ist wieder eine Frage der Definition. Vom Standpunkt der Aufklärung her ... könnte man sagen, dass auch der Glaube an das Fegefeuer, den Himmel, die Hölle, und den Teufel ... Aberglaube ist.

... Bei den "Sekten" kann ich mich allerdings nicht damit abfinden, dass wir sie im voraus als Sekten festlegen. Die Soziologie zählt zu den Sekten vor allem diejenigen Glaubensgemeinschaften, die feindselig bzw. ablehnend gegenüber der Gesellschaft auftreten. Deshalb könnte man die provokative These aufstellen, dass die einzige Sekte in Slowenien die Römisch-Katholische Kirche ist. ...

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In der Mehrzahl der Fälle geht es um neue Glaubensgemeinschaften, die sehr anständig sind und keine Schwierigkeiten in der Gesellschaft verursachen. Probleme macht vor allem die RKK, und das wird sie ihrer Natur nach wahrscheinlich auch in Zukunft weiterhin tun ... Ich hätte nichts dagegen, wenn diese Institution erfolgreich wäre, aber nur, wenn sie sich grundlegend reformieren würde. Den Erfolg einer solchen Institution, wie sie hier in Slowenien zu finden ist, wünsche ich mir nicht einmal ein wenig. Vor so etwas habe ich Angst.


 



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