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Slowenien - Gedanken eines
Religionswissenschaftlers
"Die Kirche war intoleranter als die
Kommunisten"
In Slowenien streiten sich
Kirche und Staat um die Rückgabe von Ländereien und Gebäuden, die unter kommunistischer
Herrschaft enteignet worden waren. Die Zeitung Delo brachte hierzu ein Interview
mit dem Religionssoziologen Dr. Marijan
Smrke. Hier einige Auszüge:
Delo: Die Öffentlichkeit wird derzeit am meisten von der
Rückgabe von Vermögen an die Römisch-Katholische Kirche (RKK) bewegt ...
Dr. Smrke: ... In allen Staaten, die sich mit dem Problem der
Rückgabe von Vermögen beschäftigen, ... verursacht das böses Blut. Es geht um den
Gedanken, dass eine alles umfassende Rückgabe den Weg zurück zu Verhältnissen bedeutet,
die sozial ungerecht waren. ...
Gewaltsame
Machtausübung
... Allerdings ist der Vorschlag
für ein Referendum gescheitert
... Das war meiner Meinung nach eine politische Entscheidung, die mir
strittig erscheint. Sie ist deshalb ungerechtfertigt und unehrlich, weil die Zeit, in der
sich die RKK die betreffenden Güter aneignete, keine Zeit der Glaubensfreiheit war. Im
Gegenteil, diese Zeit war, was die Glaubensfreiheit anbelangt, ... stärker eingeschränkt
als die Ära des sozialistischen Kommunismus, welche die römisch-katholischen Theologen
nun als einzige problematische Epoche auf die Anklagebank stellen. ... Für mich war es
das katholische Zeitalter, das die Glaubensfreiheit am meisten einschränkte. Es erhob
sich mit Gewalt, hielt sich mit Gewalt an der Macht, und es war anders als mit Gewalt
nicht zu beseitigen.

Im idyllischen Slowenien (hier der See von Bled) ist
die Kirche
überall präsent. Doch wie hat sie ihren Reichtum erworben?
Meinen Sie dies damit,
wenn Sie in einem Ihrer Artikel den Wunsch der RKK nach einer Rückkehr zum vorkonziliaren
Geist erwähnen?
Die RKK ist in einigen Punkten schon in das Zeitalter vor dem Konzil
zurückgekehrt ... Das Zweite Vatikanische Konzil verurteilte Großgrundbesitz, und wenn
jetzt die RKK in all diesen Ländern Hunderttausende Hektar Land zurückverlangt, ist dies
für mich die Wiederauferstehung des vorkonziliaren Geistes. Was wiederum die Mutmaßungen
derer bestätigt, die annahmen, dass das Zweite Vatikanische Konzil nur ein
Täuschungsmanöver gewesen sei. ...
"Sie sehen nur den Splitter im Auge des Bruders"
Dürfen wir ... irgendwelche
Veränderungen in Bezug auf eine weitergehende Öffnung der Kirche erwarten?
Das ist nicht in Sicht ... Es scheint auch, ... dass sie mehr darum
bemüht ist, sich als Märtyrerin darzustellen, als sich mit ihren inneren Problemen zu
befassen. ... Sie versuchen, zu verdecken, dass die Kirche während ihrer slowenischen
Vergangenheit die Glaubensfreiheit stärker eingeschränkt hat als die, die sie heute auf
die Anklagebank stellt. Lassen Sie mich nur auf die Tatsache hinweisen,
dass es schon
1527, kaum zehn Jahre nach dem Auftreten Luthers, in Slowenien bereits 160 Erlasse gab,
die jedem mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen drohten, der nicht katholisch dachte. ... Die
RKK zerstörte und verbrannte protestantische Kirchen und Friedhöfe, verbrannte Bücher
und Menschen. Die Leute wurden wieder zum katholischen Glauben zwangsbekehrt. ...
Insgesamt waren Nichtkatholiken noch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht gleichberechtigt. ...
Sie sehen nur den Splitter im Auge des Bruders, den eigenen Balken aber nicht. ...
Alle sind sich einig, dass die Trennung zwischen Kirche und Staat
notwendig ist. Wie soll diese Trennung funktionieren?
Zu meiner Vorstellung von der Trennung von Kirche und Staat
passt
unzweifelhaft nicht der konfessionelle Unterricht über Religion in öffentlichen Schulen,
ebenso wenig wie die Finanzierung irgendeiner Glaubensgemeinschaft seitens des Staates. Die
Glaubensgemeinschaften sollten sich selbst versorgen.
Wie sehen Sie dann die Tatsache, dass die RKK zwar
auf einer Gleichwertigkeit der Glaubensgemeinschaften besteht, aber für
sich einen besonderen Platz beansprucht, weil es hier nicht nur um eine
"Liebesgemeinschaft" gehe, sondern weil sie die größte ist.
Durch die europäische Geschichte hindurch hat sich unzählige Male
gezeigt, dass die Kirche eine Institution ist, die sehr starke Emotionen weckt, wobei ihre
Verbindung mit verschiedenen Instrumenten gesellschaftlicher Gewaltausübung zu
schrecklichen sozialen Störungen führen kann. ...
Die Römisch-Katholische "Sekte"
... Auch in Slowenien gibt es
immer mehr Menschen, die sich zum Aberglauben und zu Sekten bekennen. Warum?
Die Frage nach dem Aberglauben ist wieder eine Frage der Definition. Vom
Standpunkt der Aufklärung her ... könnte man sagen, dass auch der Glaube an das
Fegefeuer, den Himmel, die Hölle, und den Teufel ... Aberglaube ist.
... Bei den "Sekten" kann
ich mich allerdings nicht damit abfinden, dass wir sie im voraus als Sekten festlegen. Die
Soziologie zählt zu den Sekten vor allem diejenigen Glaubensgemeinschaften, die
feindselig bzw. ablehnend gegenüber der Gesellschaft auftreten. Deshalb könnte man die
provokative These aufstellen, dass die einzige Sekte in Slowenien die Römisch-Katholische
Kirche ist. ... |