Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/98

abstand.gif (36 Byte)
Eine Frau berichtet über ihre Herztransplantation

Wie ein Spenderherz mein "Selbst" veränderte

Ein achtzehnjähriger Mann kommt bei einem Motorradunfall ums Leben. Sein Herz und seine Lunge werden einer achtundvierzig Jahre alten Tänzerin transplantiert.* Diese entwickelt völlig fremde Charakterzüge und neue Vorlieben. Sie selbst sieht den Eingriff als eine Art Wiedergeburt.

Wenn das Herz aufhört zu schlagen, ist das irdische Leben zu Ende. Jedes Jahr warten Tausende Menschen auf ein neues Herz, weil ihr eigenes todkrank ist. Die Verpflanzung eines Herzens ist heute schon fast medizinische Routine. Für den Empfänger beginnt nach der Herzoperation ein neues Leben - doch welch ein Leben?

b_9817herzensfremd.jpg (11328 Byte)


Über das Schicksal von Menschen, die mit fremden Organen weiterleben, dringt nur selten etwas an die Öffentlichkeit

Die Tänzerin, Claire Sylvia, hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben. Der englische Titel lautet: A Change of Heart - Wechsel des Herzens. Der deutsche Titel ist drastischer: Herzensfremd - wie ein Spenderherz mein Selbst veränderte.

Claires "zweites" Leben beginnt mit Merkwürdigkeiten. Bei der ersten Gelegenheit bestellt sie sich ein Bier und isst in einem Schnellimbiss. Sie geht in ein Bratwurstrestaurant und bestellt gebratenes Hühnerfleisch, was sie normalerweise nie machte. Außerdem hat sie keine Lust mehr zu kochen. Sie hat enorme körperliche Ausdauer und viel Energie. Sie fror nicht mehr, schwitzte häufiger und spürte eine Rastlosigkeit in sich.

Wer war der Organspender?

Fünf Monate nach der Operation träumt sie von einem jungen Mann, der Tim heißt. Sie spürt, dass er der Organspender ist. Sie fühlt, dass Tims Seele in ihr weiterlebt. Bald darauf träumt sie wieder von ihm, und im Traum kommt es zwischen ihr und ihrem Organspender zur Versöhnung. Sie schreibt: "Dann küssen wir uns. Und während wir uns küssen, atme ich ihn in mich ein. Es fühlt sich an wie der tiefste Atemzug, den ich je getan habe. Und in diesem Augenblick weiß ich, dass Tim für immer bei mir bleibt." Es sei, als hätte sie ein neues Leben eingeatmet. Sie hatte das Gefühl, dass sie die neuen Organe endgültig als ihre angenommen hatte. Seitdem fühlt sie die Kraft und die Unruhe des 18jährigen Tim in sich.

Ein Prinzip der Transplantation ist, dass der Empfänger nicht erfährt, wer der Spender ist. Die Autorin begab sich trotzdem auf die Suche nach der Familie des Spenders. Er hatte tatsächlich Tim geheißen, und war mit achtzehn Jahren bei einem Motorradunfall zu Tode gekommen. In den Erzählungen der Verwandten fand sie bestätigt, dass Tim am liebsten Bier trank und dass sein Lieblingsessen gebratenes Hühnerfleisch war.

Das Leid von Organempfängern

Claire gründete eine Selbsthilfegruppe von sechs Herztransplantierten. Alle fanden es entlastend, dass sie hier aussprechen konnten, was wirklich in ihnen vorging: "... den Schrecken, die Schuldgefühle und die Verwüstung auszudrücken, die durch dieses entsetzliche Entzweigerissen- und Wiederzusammengesetztwerden verursacht worden waren ... Einen Großteil der Zeit waren wir elend und verstört oder starr vor Angst." Ein Teilnehmer: „Es kotzt mich an, dass jeder ständig sagt, was ich für ein Glück habe, dass ich noch lebe. Mir geht’s sauschlecht! Ich versuche immer noch mit der Zeit fertig zu werden, als mir zum Sterben die Kraft fehlte." Eine Frau äußert: "Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft ich am Telefon liebreizend daherrede, und wenn ich den Hörer auflege, würde ich mich am liebsten umbringen. Ich kann nur sagen, dagegen war mein voriges Leben Gold." Die Teilnehmer berichten von einem Gefühl der Angst vor dem Eingeschlossensein, „als ob man am Boden gehalten wird, während eine in dir existierende Kraft verzweifelt nach einem Fluchtweg sucht."

Alle betrachteten das neue Herz als ein eigenständiges Wesen. Jeder hatte es mehr oder weniger als "Fremdkörper" erlebt, als ein Gegenüber, als "eine fremde Präsenz" im eigenen Inneren. Ein Mann sagte: "Ich glaube, dass der Geist meines Spenders noch in der Nähe ist, und in diesem Sinne ist er immer noch am Leben."

Programme des Spenders ausleben?

Claire fühlte sich zu Dingen gedrängt, die sie von sich bisher nicht kannte.

Sie trat z. B. zum Beispiel eine Reise nach Frankreich an, das sie bisher nie interessiert hatte. Sie schreibt: "In Frankreich war es Tim gewesen, der ins Land seiner Vorfahren zurückkehrte - auch wenn mir dies erst später klar wurde." Claire sieht es als Aufgabe, das, was Tim nicht mehr erledigen konnte, für ihn zu tun. So habe ihr Kontakt zu seinen Eltern dazu beigetragen, "das, was zu seinen Lebzeiten ungelöst geblieben war, zu lösen oder zu vollenden", z. B. Tims Aussöhnung mit seinem Vater.

Einen weiteren Traum nahm sie als Aufforderung, "Tims große Leidenschaft noch einmal auszuleben - das Motorradfahren!" Sie rief einen Bekannten an, der Tänzer war und ein Motorrad besaß und fuhr mit ihm durch die Gegend.

Suche nach einer neuen Identität

Um die innere Zerrissenheit zu überwinden, versuchen die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe, sich mit dem fremden Gast zu verbünden oder gar zu verschmelzen.

Auch Claire tat dies. Als sie auf dem Grabstein von Tim die Worte las "Für immer vereint", bezog sie diese auf sich. Wie intensiv dieser Aspekt war, geht aus folgender Mitteilung hervor: Als der Kontakt zu Tims leiblichen Schwestern abbrach, suchte sie nach dem einleuchtenden Grund. Sie schreibt: "Ich meditierte darüber und hielt Zwiesprache mit meinem Herzen, fast so, als fragte ich Tim, was ich tun soll." Doch im Laufe der Zeit stellte sie eine Veränderung in sich fest. Sie glaubte, Tims Geist jetzt loslassen zu können: "Ich hatte endlich zu meiner neuen Identität gefunden, zu einer Art drittem Wesen, das weder die alte Claire noch der neue Tim war, sondern so etwas wie eine Kombination von beiden." Nach diesem Erlebnis war es ihr wieder möglich, eine neue Beziehung zu einem Mann aufzubauen.

Der Körper will das Organ abstoßen

Jeder Transplantierte muss morgens und abends mehr als ein Dutzend Tabletten (immunsuppressive Medikamente) einnehmen, um die Abstoßungsreaktion zu unterdrücken - und das sein Leben lang. Und die Abstoßung bezieht sich nicht nur auf das Organ. Die Autorin zitiert einen Neurologen mit der Feststellung: "Nach unserer Auffassung gehört zum Problem der Organabstoßung nicht nur die Abstoßung des Zellmaterials, sondern auch die Abstoßung von Wissen und Energie, die in den Zellen und Molekülen gespeichert sind."

Aus der Not eine Tugend gemacht

Trotz allem schreibt sie am Schluss des Buches: "Ich empfinde es als Privileg, dass ich am Leben bin." In einem Nachwort ruft sie dann dazu auf, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. Sie schreibt: "Der Aufkleber auf meiner Stoßstange lautet: ‘Hinterlasse deine Organe nicht dem Himmel. Der Himmel weiß, dass sie hier unten gebraucht werden.’ ... Sie können es mir glauben - es gibt kein größeres Geschenk."

Diese Aussage überrascht. Man gewinnt den Eindruck, dass Claire Sylvia aus ihrer Not eine Tugend macht. Durch das Aufsuchen der Familie des Organspenders, durch ihre Nachforschung, welche seiner Eigenheiten sie auch bei sich beobachten konnte, durch die Selbsthilfegruppe, durch Vorträge zum Thema Herztransplantation und nicht zuletzt durch ihr Buch versucht sie das Geschehen zu verarbeiten - und zu vermarkten.

Letztlich erliegt sie dem gesellschaftlichen Paradigma, dass das irdische Leben um jeden Preis verlängert werden muss; dass ein Organempfänger folglich dankbar zu sein habe. Das Gegenargument, dass durch die Organverpflanzung Seelen-Programme des Spenders übernommen werden, versucht sie ins Positive umzumünzen.

Transplantation und Lebensziel

Niemand kann für einen anderen leben, niemand kann das Leben eines anderen in Ordnung bringen. Umsetzung oder gar Besetzung durch eine fremde Seele können den Organempfänger daran hindern, seine eigenen menschlichen Programme zu bereinigen. Unter Umständen kann das "zweite" Leben sogar zu weiterer Belastung führen. Denn Erkrankungen - auch solche, für die die Medizin die Organverpflanzung bereit hält - kommen letztlich aus der Seele. Durch einen Organaustausch wird das Fehlprogramm nicht gelöst. Im Gegenteil: Durch das Fremdorgan kommen weitere menschliche Programme hinzu.
Ein weiterer Aspekt: Wird die Lebenszeit durch Fremdorgane künstlich verlängert, so hat der Betreffende womöglich überhaupt kein Lebensprogramm mehr. Die Folge ist, dass er fast zwangsläufig nach einer neuen Identität sucht, wie dies die Autorin eindrücklich beschreibt.

Inhalt Ausgabe 17/98
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns


Doch was ist die Aufgabe des Menschen in der Lebensschule Erde? Was ist unser Lebensziel? »Werde, der du bist!« Wir sind auf Erden, um wieder göttlich zu werden. Diese Aufgabe erfordert, unsere Fehlhaltungen zu erkennen, sie zu bereuen, zu bereinigen und unser inneres Wesen wieder zu entfalten, das göttlich ist. Eine Transplantation dient dieser Aufgabe unseres Lebens nicht.

* Claire Sylvia: Herzensfremd - Wie ein Spenderherz mein Selbst veränderte, Hamburg 1998 [zurück]


 


Lesen Sie zu diesem Thema auch die Artikel:

- Schüchterne Hausfrau liebt plötzlich Boxkämpfe - Wesensveränderung nach Transplantation

- Die aktuelle Diskussion: Organe gegen Geld
- Nach der Herztransplantation: Eine zweite Chance - wofür? Das falsche Leben
- Organtransplantation: Knechtung der Seele

- "Herzloser" Tod - Sterben wie auf einer Schlachtbank

- Der Fluch der Organverpflanzung: "Nehmt mir die fremde Hand wieder ab!"

- Neues Leben durch fremde Organe? Perversion der Nächstenliebe?

- Zwei Seelen in einem Körper? - Frage und Antwort zum Thema Organtransplantation

- Der Theologe Nr. 17: Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger


Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany
http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Tel. 09391 / 504 - 207, Fax - 210


Fernsehtipp
: www.erde-und-mensch.tv

Hit Counter