Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/98

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Krisenherde der Erde (10): Irak

Der Kampf um das Öl
geht weiter

Der Irak kommt nicht zur Ruhe. Ein halbes Jahr nach der vom Generalsekretär der UNO Kofi Annan erzielten Vereinbarung zwischen den Vereinten Nationen und dem Irak sind neue Konflikte mit den Rüstungskontrolleuren aufgetreten. Das Ende der Rüstungskontrolle und damit eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak erscheint weiterhin sehr fraglich.

Die Folge der Sanktionen

Der Irak leidet seit nunmehr acht Jahren unter einem strikten Handelsembargo. Es glaubt kaum noch jemand daran, dass diese Sanktionen wirklich geeignet sind, die irakische Regierung zur Preisgabe ihrer letzten Waffen zu bewegen. Sie treffen vielmehr die Bevölkerung, ohne sie jedoch zum Sturz des Diktators Saddam Hussein zu motivieren. Nach Schätzungen der UNICEF sterben jährlich allein 90 000 Kinder und Jugendliche an den Folgen des Embargos: Mangel an Medikamenten, medizinischem Gerät, ausreichender Ernährung.

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Blick in eine ungewisse Zukunft:
Anstehen nach Milch bei einer Hilfsorganisation

Die Sanktionen stabilisieren das Regime, anstatt es zu schwächen. Um die streng rationierten Lebensmittel zu verteilen, haben die Behörden nämlich ein lückenloses Erfassungssystem aufgebaut und damit die Überwachung noch verstärkt. Die ehemals starke Mittelschicht ist völlig verarmt. Die sozialen Strukturen zersetzen sich unter dem zermürbenden Druck des Embargos, die Kriminalität greift um sich - vor allem Diebstahl.

Islam auf dem Vormarsch

Aufgerieben wurde auch die Weltanschauung der arabisch-nationalistischen Baath-Partei, auf welche die Diktatur Saddams ursprünglich baute. Zu deren Errungenschaften gehören immerhin Religionsfreiheit, Trennung von Staat und Religion, rechtliche Gleichstellung der Frau. Nun ist, Ironie des Schicksals, der Islamismus auf dem Vormarsch - gefördert durch amerikanische Politik. Die Jugend, die den Staat nach Saddam führen könnte, bleibt ohne Ausbildung, weil auf der Liste der zur Einfuhr verbotenen Güter auch wissenschaftliche Lehrbücher stehen, Stifte und Papier ...

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Ein dreigeteiltes Land: Wo Kurden und Schiiten leben, dürfen irakische Militärflugzeuge nicht auftauchen

Dabei wäre der Laizismus der Baath-Partei mit seiner religiösen Toleranz vielleicht noch in der Lage, das national und religiös heterogene Land zusammen zu halten. Es zerfällt in drei Teile: Im Norden leben sunnitische Kurden (etwa 15 Prozent der Bevölkerung). Die Kurden sind ein indoeuropäisches Volk, das weder mit Türken noch mit Arabern verwandt ist. In der Mitte, in der Nähe der Hauptstadt Bagdad, leben sunnitische Araber. Sie sind zwar mit 25 Prozent der Bevölkerung eine Minderheit, stellen aber mit Saddam Hussein und seinen Gefolgsleuten die Regierung. Die größte Gruppe sind mit fast 60 Prozent die schiitischen Araber im Süden des Landes. Dort liegen auch die heiligen Stätten der Schia, der Partei Alis innerhalb des Islam, die sich bereits im ersten Jahrhundert von der sunnitischen Hauptrichtung abspaltete.

Das koloniale Erbe

Wie kommen drei so unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in einen Staat? Es ist das Ergebnis der Kolonialpolitik Englands und Frankreichs nach dem ersten Weltkrieg. Das Osmanische Reich wurde aufgelöst. Die Engländer brachen ihr Versprechen, den Arabern, zum Dank für ihre Hilfe im Krieg gegen die Deutschen und Türken, einen arabischen Gesamtstaat zu geben. Statt dessen wurde die osmanische Erbmasse aufgeteilt - es entstanden unter anderem Syrien, der Libanon, Palästina, Kuwait und der Irak. Die Kurden erhielten ebenfalls keinen eigenen Staat. Nach dem Prinzip "Teile und herrsche" waren die Spannungen innerhalb dieser Kunst-Staaten vorprogrammiert. Sie wurden von außen noch verstärkt durch die andauernde Rivalität zwischen Großbritannien und Frankreich um Einfluss und Macht. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg hätte Charles de Gaulle den Briten nach eigener Aussage am liebsten den Krieg erklärt, wenn er die Mittel dazu gehabt hätte.

Kein Wunder, dass es in der gesamten Region immer wieder Bestrebungen gab, die seltsamen Grenzen zu ändern. Der irakische Angriff auf Kuwait 1990 war ein solcher Versuch - Kuwait war schließlich unter den Osmanen ein Teil der heute irakischen Provinz Basra.

16 Geheimdienste

Saddam, der den Irak seit 1968 mit eiserner Faust und mittlerweile 16 Geheimdiensten regiert, hatte vorher schon einmal angegriffen: 1980 den Iran. Er wollte eine Schwäche der Perser nach der Machtergreifung Khomeinis ausnützen, um die Hegemonie in der Region zu erringen und sich zum Vorreiter des arabischen Nationalismus zu machen. Bei diesem Angriff war er keineswegs mit UNO-Sanktionen belegt und mit Krieg überzogen worden, im Gegenteil: Er wurde von den USA, anderen Westmächten und der Sowjetunion unterstützt und aufgerüstet. Es ging schließlich gegen das "Reich des Bösen": die islamisch-schiitische Revolution in Persien.

Wer weiß heute noch, dass Saddam im ersten Golfkrieg (1980-1988) trotz massiver Waffenhilfe eine Niederlage am Ende nur abwenden konnte, weil er Giftgas gegen die Perser einsetzte? Damals protestierte im Westen kaum jemand. Als er dann wenig später auch im Kampf gegen aufständische Kurden Giftgas einsetzte, auch gegen Zivilisten, erhielt er plötzlich eine volle Breitseite westlicher Medien. "Selektive Entrüstung" und "doppelte Moral" nennt dies Peter Scholl-Latour in seinem Buch Lügen im Heiligen Land. Man habe erst einen "Frankenstein" herangezüchtet, um ihn dann bei nächster Gelegenheit wieder loswerden zu wollen.

"Von den Großmächten gelernt!"

Der Theologe Eugen Drewermann erinnert daran, dass auch das Giftgas ursprünglich eine Erfindung des Westens, in diesem Falle Deutschlands, war. Er schreibt: "Insofern tun die kleineren Staaten nichts, was sie nicht in Gestalt einer restlos pervertierten Form politischer Verantwortung von den Großmächten gelernt hätten" (Publik-Forum, 27.2.1998).

Nun sind Verrat und Verstellung im Orient wohlbekannte Mittel der Politik. Die USA standen dem aber in nichts nach, als sie am Ende des zweiten Golfkriegs (1991) die Schiiten im Süden des Irak erst zum Volksaufstand ermunterten, und dann untätig zusahen, wie sie von den übrig gebliebenen Truppen Saddams erbarmungslos zusammengeschossen wurden. Scholl-Latour, sicher kein Gegner Amerikas, nennt dies "abscheulich" und erinnert daran, dass sich Stalin 1944 ähnlich verhielt, als er seine Truppen in Warschau untätig zusehen ließ, wie die Deutschen auf der anderen Weichselseite den polnischen Volksaufstand niederschlugen.

So etwas zahle sich nicht aus: Vierzig Jahre später ging von Polen der Anstoß zum Zerfall der Sowjetunion aus ...

Geht es heute um die Waffen des Irak? Oder geht es - wieder einmal - um die Hegemonie in einer strategisch wichtigen Region? Streben die USA das Energie-Monopol auf dieser Erde an? Denn der Irak nimmt mit 11 Prozent der Ölreserven der Welt eine Schlüsselstellung ein. Trotz des erneuten Säbelrasselns am Golf mehren sich die Stimmen von Beobachtern, dass die USA eines Tages ihre Einstellung wandeln und der Aufhebung der Sanktionen zustimmen könnten - wenn sie am Ölgeschäft des Irak beteiligt werden. Die Förderquoten des kaltgestellten Irak haben vor allem die Saudis und die Perser übernommen. Franzosen und Russen ständen bereit, in die Wiederaufnahme der Ölförderung im Irak einzusteigen - und damit endlich das Geld zu erhalten, dass ihnen der Irak seit den achtziger Jahren für Rüstungsverkäufe schuldet. Die Konkurrenz missfällt den Amerikanern, die außerdem Waffen an die arabischen Nachbarn Iraks verkaufen, solange die Krise andauert. Die Türken wiederum würden liebend gerne wieder Transitgebühren für irakisches Öl ans Mittelmeer kassieren.

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Ein Knäuel von Interessen und Geschäften ... An die Bevölkerung des Irak denkt offenbar niemand. Dort nimmt nicht nur die Armut, sondern auch der Hass zwischen den Volksgruppen zu. Wer hat dies zu verantworten?

"Golfkrieg - die Schlacht der Lügen"

Der amerikanische Journalist John R. MacArthur bezeichnet den letzten Krieg am Golf (1991) als "die Schlacht der Lügen". Die wohl entscheidendste dieser Lügen war nach seiner Aussage die erfundene Geschichte von den Babies, die irakische Soldaten angeblich aus den Brutkästen eines kuwaitischen Krankenhauses zogen, um sie umzubringen. Die Lüge geht zurück auf eine angebliche Krankenschwester, die behauptete, sie hätte die Morde miterlebt. Die falsche Zeugin war in Wirklichkeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Als der US-Senat am 12. Januar 1991 mit der knappen Mehrheit von 5 Stimmen beschloss, den Krieg zu beginnen, zitierten zehn Senatoren diese Geschichte als entscheidend für ihr Ja.

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Ein sterbender Vogel - doch das Bild stammte nicht aus dem Irak, sondern aus der Bretagne

Weitere Beispiele für manipulierte Berichterstattung: Das Foto eines toten Vogels, der angeblich in der von den Irakern verursachten Ölpest starb - das Foto stammte aus der Bretagne. Oder die weit überhöhten Angaben zur Anzahl und Stärke der irakischen Streitkräfte.

 

Ein altes Strahlungsfeld

Mesopotamien war nicht nur die Heimat Abrahams und mehrerer Propheten der Bibel. Es ist auch der Boden, auf dem gewaltige Reiche mit gewalttätigen Mitteln errichtet und ausgedehnt wurden. Nicht umsonst beruft sich Saddam Hussein auf die Gewaltherrscher Nebukadnezar, Sargon und Nimrod.

Aus Offenbarungen des Christus-Gottesgeistes wissen wir, dass gerade auch in diesem Bereich der Erde geistige Strahlungsfelder angelegt wurden, die bis heute gegensätzlich abstrahlen und die Menschheit zu Hass und Gewalt beeinflussen.

Nur durch die Ausrichtung auf die Christus-Gotteskraft und durch ein Leben nach den Zehn Geboten und der Bergpredigt kann die Wirksamkeit dieser Kraftfelder neutralisiert werden.


 


Lesen Sie auch
:
Fühlen wir uns in die Menschen im Irak hinein in der Ausgabe Nr. 4/2003
Krieg und Frieden - Die neue Weltordnung in der Ausgabe Nr. 5/2003



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