Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/98

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Von Liebe sprechen ist leicht, doch sie zu leben ist schwerer:

Liebe ist das Urprinzip
 allen Seins

Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe, und viele sprechen von der Liebe. Letztlich ist es ein Ausdruck der Sehnsucht nach unserem wahren göttlichen Wesen, das selbstlose Liebe ist. Wann aber vermögen wir wirklich selbstlos zu lieben?

Das Wort Liebe wird in zweifacher Bedeutung verwendet.

Zum einen meint es die menschliche Liebe oder Eigenliebe. Es ist die selbstsüchtige Liebe, die begehrt und haben möchte. Sie sagt: Liebst du mich, dann lieb’ ich dich. Liebst du mich nicht, dann liebe ich dich auch nicht. Es ist die Ich-Liebe, die umgepolte göttliche Liebe. Denn die Verführung des Gegenspieler Gottes lautet: "Die Eigenliebe bringt dir Wohlbehagen und Glück. Je mehr Menschen dich lieben, um so glücklicher wirst du" (Der Dämonenstaat, Verlag Das Wort, S. 67, http://www.das-wort.com).

Die göttliche Liebe ist die selbstlose, die unpersönliche Liebe. Sie ist eine ruhige, sich hingebende Zuwendung, ein tiefes Verstehen für den Nächsten. Sie ist tolerant und wohlwollend und gibt, ohne zu erwarten. Die göttliche Liebe, die Herzensliebe, ist letztlich unser wahres Wesen. Die selbstlose Liebe ist begleitet von einer stillen, inneren Freude.

Lieben wir, auch wenn ...?

Wie weit wir schon selbstlos zu lieben vermögen, können wir an folgenden Fragen erkennen: Lieben wir unseren Nächsten, wenn er gegen uns ist? Versöhnen wir uns mit unserem Nächsten, wenn er unversöhnlich bleibt? Glauben wir an Gott, wenn es uns nicht gut geht, wenn Krankheit, Not, Schicksal uns treffen?

So mancher Mensch klagt über die Lieblosigkeit seiner Mitmenschen, indem er sagt: Ich bin liebevoll - und warum sind es die anderen nicht? Oder er belehrt seinen Nächsten: Lebe die Liebe! - Doch folgt er damit Jesus von Nazareth nach, der uns gebot: Liebet einander, wie Ich euch geliebt habe?

In einer Schulungsveranstaltung des Inneren Weges* fragte ein Teilnehmer unsere Schwester Gabriele, ob die Liebe dadurch kommt, dass man sagt: Ich bin liebevoll.

Sie antwortete:
Wenn das so einfach wäre, dann wäre es um die Welt anders bestellt. Liebe ist das Ur-Prinzip allen Seins, und die Frage ist: Sind wir schon im Urprinzip des Seins - der Liebe?

Dann spannte Gabriele einen weiten Bogen:
Viele von uns kennen den Aufbau des materiellen Atoms. Das Atom hat einen Kern, und um den Kern bewegen sich Protonen, Neutronen, Elektronen usw. Das geistige Atom als Träger des reinen Seins hat einen ähnlichen Aufbau. Der Urkern ist die Kraft der Liebe. Um diesen Urkern strömen zwei weitere geistige Kräfte, die "Sanftmut" und die "Güte", auch "Barmherzigkeit" und "Geduld" genannt. Diese drei Urprinzipien - die Liebe in der Mitte, um sie herum Geduld und Barmherzigkeit - sind die Kindschaftseigenschaften. Wollen wir wieder zu diesem Ur-Kern - unserem inneren Wesen, unserem Erbe als Kind Gottes zurück, dann müssen wir zuvor die vier Wesenheitskräfte erschließen. Denn diese sind schöpferisch. Die Wesenheitskräfte, die sich um die Kindschaftseigenschaften im geistigen Atom bewegen, werden "Ernst", "Weisheit", "Wille" und "Ordnung" genannt. Diese vier Kräfte strömen in elliptischen Bahnen um den Ur-Kern. Da alles in allem enthalten ist, sind es sieben mal sieben Grundkräfte, die um den Ur-Kern des geistigen Atoms strömen.

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Der Atem Gottes durchstrahlt alles

Will ich nun zur Liebe finden, genügt es da zu sagen: „Herr, ich will von der Liebe reden"? Ja - dann, wenn ich zur Liebe geworden bin! Doch um zur Liebe zu werden, müssen wir unser göttliches Erbe wieder erschließen, müssen in die Mitte hinein, in das Ur-Sein, in den Kern des geistigen Atoms, in den Kern des Himmels - in das Heiligtum.

Und wie geht der Weg? Er geht über die Ellipsen von außen nach innen: Schaffe Ordnung in deinem Leben! Schaffe Ordnung in deinen Gedanken, in deinen Worten und in deinen Handlungen. Wenn du weitgehend Ordnung geschafft hast, dann frage dich: Tust du den Willen Gottes? Was ist noch dein Eigenwille und was ist Gottes Wille? Den Willen Gottes findest du in den Zehn Geboten und in der Bergpredigt. Indem du ihn schrittweise erfüllst, gelangst du vom Wissen zur Weisheit. Weisheit ist gelebtes göttliches Wissen, ist die Tat. Die rechte Tat ist zugleich das Gemeinwohl: Einer - das Urprinzip Gott - für alle, und der weise Gewordene für Gott und für alle.

Dann reift der Wanderer allmählich in die Ernsthaftigkeit hinein, in der Frage, in der Bewusstheit: Herr, ich tue Deinen Willen. Deine Weisheit beflügelt mich. Deine Tat ist mein eigen. So erfüllst er ernsthaft das göttliche Erbe. Ernsthaftigkeit bedeutet, dass er das Wort Gottes nicht nur hört, sondern das Wort spricht, das Wort Gottes denkt und in allem für Gott und seinen Nächsten ist.

Er vermag sich dann selbst zu beherrschen: Er vermag, sich im wahren Selbst zu bewegen, im wahren Selbst zu leben und das Gesetz der Liebe anzuwenden. Dann geht er - bildlich gesprochen - durch das "Rosentor". Er geht ein in die Kindschaft Gottes, hinein in die Güte und Sanftmut und ist in der Liebe angekommen - zu Hause. Es strömt durch ihn die Liebe, die Sanftmut und Güte. Es strömen durch ihn Ernst, Weisheit, Wille und Ordnung. Die vier Grundelemente sind Schöpfungskräfte. Damit schöpft und wirkt das Geistwesen im ewigen Sein. Damit gestaltet es das, was Gott in die Himmel hineinatmet. Damit lehrt es die Kinder, die aus den geistigen Entwicklungsebenen herausreifen. Damit bringt das Geistwesen des reinen Seins die Unendlichkeit, die geschaffenen Planeten in die Form und in den Lauf des Seins. Denn Gott atmet aus, und die Geistwesen formen, schaffen, gestalten, bringen alles in Ordnung, was Gott ausatmet, so zum Beispiel die Gestirne. Atmet Gott aus, dann entstehen auch wieder weitere Geistkinder. Sie entwickeln sich heraus aus der Vollendung der Naturwesen und werden von vollendeten Geistwesen durch alle Himmelsebenen geleitet, um die Anwendung des allumfassenden Lebens, des Gesetzes Gottes, zu lernen. So ist jedes vollendete Geistwesen das Gesetz Gottes. Das Gesetz Gottes ist der Aufbau, die Struktur des reinen Geistwesens, das Sein des Wesens. Das Geistwesen ist formgewordene Liebe, formgewordene Sanftmut und Güte, formgewordener Ernst, Weisheit, Wille und Ordnung - ein einziges Sein: das Geistwesen im Licht in Gott.

Eingetaucht in den Ur-Strom

Wer die Liebe lehrt, muss hineingefunden haben in die Liebe, muss in der Quelle sein. Seine Seele muss eingetaucht sein in den großen Ur-Strom, die Liebe. Dann ist ein Kanal gelegt vom Oberbewusstsein des Menschen durch die Seele zum Ur-Sein, zum Ur-Grund der Seele, wo die Liebe strömt.

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Deshalb bietet uns der Herr den Inneren Weg an, der von außen nach innen führt. Er möchte jedoch nicht, dass wir nur Hörer Seines Wortes werden, sondern dass wir es leben, dass wir eintauchen in den Kern des Seins; dass unser Wort, unser Gedanke wieder das ist, was wir von Ur-Ewigkeit her sind: die Liebe, die Güte, die Sanftmut, der Ernst, die Weisheit, der Wille und die Ordnung. Dann haben wir das Reich Gottes in uns erschlossen, und die Heimat steht uns offen - schon jetzt, da wir noch im materiellen Körper sind.

* Mehr zum "Inneren Weg": Siehe
http://www.das-wort.com/cgi/
gen_article.cgi?article=s150de&type=desc&rtopic=hoehereethikundmoral


 



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