Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 18/98

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Seligsprechung von Kardinal Stepinac

Päpstlicher Segen für
den katholischen Völkermord

Es müsse sich wohl um einen Irrtum handeln, um eine verblüffende Namensgleichheit, dachten Kenner der jugoslawischen Geschichte, als sie von der bevorstehenden Seligsprechung des früheren kroatischen Kardinals Alojzije Stepinac erfuhren. Doch er ist es: Johannes Paul II. wird am 3. Oktober bei seinem Besuch in Marija Bistrica (Kroatien) den damaligen Militärvikar der faschistischen Ustaschen seligsprechen, die für den Völkermord an einer Dreiviertelmillion orthodoxer Serben zwischen 1941 und 1943 verantwortlich waren (Wir berichteten in Nr. 14/1998).

Dem Vatikan gewogene Journalisten sahen sich veranlasst, das Ungeheuerliche in letzter Minute noch salonfähig zu machen. Stepinac, so schrieb Carl Gustav Ströhm in der Welt (11.7.1998), sei ein Mann von "ungewöhnlichem Mut" gewesen, der sich über den Faschistenführer Pavelic "keine Illusionen machte" und außerdem "zahlreiche Regimegegner und Gefährdete verborgen" hielt. Ströhm unterstützt damit die in Kroatien weit verbreitete und vom Vatikan offiziell bestätigte Version, dass Stepinac ein "Märtyrer" gewesen sei, weil er von der jugoslawischen Regierung unter Tito wegen seiner Unterstützung des faschistischen Regimes zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde und schließlich 1960 in Hausarrest starb.

Richtig ist, dass Stepinac 7000 Kindern Unterschlupf gewährte, deren Eltern serbischer Abstammung zuvor ermordet worden waren. Karlheinz Deschner bemerkt hierzu: "Die ‘Caritas’, der Erzbischof Stepinac präsidierte, ... machte sie zu Katholiken, ja, zu Priestern der alleinseligmachenden Kirche - und Ungezählte ahnen nicht, welchem Schicksal sie das ‘verdanken’" (Ein Jahrhundert Heilsgeschichte, Bd. 2, S. 237). Richtig ist auch, dass es zeitweise gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Regime und der Kirche gab - hauptsächlich allerdings darüber, ob die unter Todesdrohung zwangsbekehrten Orthodoxen zu Katholiken oder zu Mitgliedern der mit Rom unierten Kirche des griechischen Ritus gemacht werden sollten. Auch soll Stepinac gegen Grausamkeitsexzesse der Ustascha protestiert haben.

Doch der Erzbischof von Zagreb tat dies niemals öffentlich, obwohl er der Mann war, ohne dessen Unterstützung das furchtbare Regime der Ustaschen sich nicht an der Macht hätte halten können.

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Der "Führer" Pavelic begrüßt Erzbischof Stepinac

Ebenso wie Papst Pius XII., der Pavelic und seinen mörderischen Kumpanen zahlreiche Audienzen gewährte, begrüßte Stepinac die faschistische Machtübernahme (1941) von Anfang an. Er forderte den Episkopat und den Klerus Kroatiens zur Zusammenarbeit mit dem Regime auf. Er ließ den Geburtstag von Pavelic in allen Kirchen feiern und ihm ein Te deum singen. Er ließ sich und zehn weiteren Klerikern 1942 einen Sitz im faschistischen Parlament zuweisen. Noch 1943, als bereits Hunderttausende Serben im Namen Gottes ermordet, vertrieben oder zwangsbekehrt waren, dankte er "vor allem den Franziskanern" für deren "Verdienste" bei der "Bekehrung" Orthodoxer. Die Franziskaner stellten in dieser Zeit viele ihrer Klöster als Waffenlager für die Ustascha zur Verfügung, zahlreiche Franziskaner beteiligten sich aktiv an den Massakern. Einer war sogar Kommandant eines Konzentrationslagers.

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Weder Pius XII. noch Erzbischof Stepinac haben ein einziges Mal öffentlich ihre Stimme dagegen erhoben, dass Menschen im Namen Christi hingeschlachtet wurden, nur weil sie nicht katholisch waren. Nicht einer der Massenmörder, unter ihnen zahlreiche Priester, wurde exkommuniziert. Mit den Seligsprechungen von Stepinac (1998) und von Pius XII. (geplant für das Jahr 2000), führt Johannes Paul II. diese katholische Politik konsequent fort. Stepinac hat sich offensichtlich um die Rom-Kirche verdient gemacht.

Lesen Sie auch:
- Ausgabe Nr. 15/1997 - Kroatische Faschisten und der Vatikan - Raubgeld in der Papstkasse
- Ausgabe Nr. 14/1998 - Bei seinem Besuch in Kroatien - Papst will Völkermörder selig sprechen

Weitere Literatur:
Uli Weyland, Strafsache Vatikan, Jesus klagt an, Verlag Das Weisse Pferd


 

         

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