Freudig
und aufgeregt schiebt sich der Delphin an den unter Wasser angebrachten
Spiegel heran, öffnet sein Maul, streckt seine Zunge heraus, legt den
Kopf etwas schief. Er vollführt Bewegungen, die man sonst nicht bei
Seinesgleichen sehen kann. Die Unterwasserkamera liefert uns den Beweis:
Der Delphin hat den "Spiegeltest" bestanden.

Ein Graupapagei, der spricht - und weiß, was er sagt
"Er hat nämlich sich selbst im Spiegel erkannt -
sozusagen sich persönlich. Der Fernsehbericht aus der Reihe Wenn Tiere reden könnten zeigte
in seiner letzten Folge auch ein Gegenbeispiel: eine Horde Paviane, denen ein großer
Spiegel gegenübergestellt wurde. Sie begrüßen die "Neuankömmlinge" im
Spiegel wie Mitglieder einer anderen Horde, nähern sich ihnen vorsichtig, streicheln sie,
um ihre Friedfertigkeit zu bekunden.
Auch Kleinkinder reagieren bis zum Alter von etwa drei Jahren ähnlich:
Sie erfassen nicht, dass sie selbst es sind, den sie da sehen - es muss jemand anderes
sein, denken sie.
Mithilfe der modernen Technik konnten die in den Film gezeigten Forscher
dann ein Rätsel lösen: Wieso erkennen sich Schimpansen und Orang Utans sehr rasch im
Spiegel, Gorillas jedoch nicht? Die Lösung ist: Weil sich Gorillas kaum in die Augen
sehen - also auch das Spiegelbild nicht näher zu betrachten wagen. Sie könnten den
möglichen "Neuankömmling" sonst provozieren. Also stellte man keinen Spiegel
vor den Gorillakäfig, sondern einen Bildschirm, an den eine Kamera angeschlossen war. Mit
dieser Kamera nahm man nun die Gorillas immer schräg von der Seite auf und ließ sie die
so entstehenden Bilder unmittelbar sehen. Ein spannender Augenblick - und es klappte: Das
Gorillaweibchen betrachtet sich aufmerksam, dreht den Kopf, wischt sich schließlich (und
nicht dem Spiegelbild!) einen Fleck aus dem Fell, den es auf dem Bildschirm gesehen hat.

Mit ähnlichen Experimenten lässt sich zeigen, dass zahlreiche Tiere in
der Lage sind, sich in andere Tiere hineinzuversetzen - was Kinder ebenfalls erst im Laufe
der ersten vier Jahre erlernen. Sie können z. B. andere täuschen oder erfassen,
dass ein
anderer nur das wissen kann, was er gesehen hat. Wo wird er einen Gegenstand suchen, der
in seiner Abwesenheit woanders versteckt wurde? Natürlich am alten Platz. Ein Kind von
drei Jahren begreift dies noch nicht - doch ein Schimpanse tut es.

In ihrem Buch Haben Tiere ein Bewusstsein beschreiben Volker
Arzt und Immanuel Birmelin, die Autoren der Fernsehserie, weitere Beispiele für
erstaunliche Lernleistungen von Tieren - und das nicht nur in Gefangenschaft. Zwergmungos
z. B. bringen in freier Wildbahn ihren Jungen bei, wie man die Rotte bewacht. Und
Unterrichten ist ein seelischer Vorgang, der sehr viel Einfühlung erfordert. Ein Vogel
ist jedoch der Star im Film wie im Buch: Der Graupapagei von Irene Pepperberg, der nicht
nur über hundert Wörter auf Englisch spricht, sondern auch versteht, was sie bedeuten.
Nur wenn er nicht mag, erzählt er einfach Unsinn.