| Urchristentum vor 2000
Jahren Wie lebten
und dachten die ersten Christen?
Über die ersten Christen
gibt es nur wenig schriftliche Zeugnisse. Und doch sind einige Briefe, Dokumente und Texte
aus den ersten zwei Jahrhunderten erhalten, die einen tieferen Einblick vermitteln als das
wenige, das in der Bibel zu finden ist.

Die ersten Christen feierten das Abendmahl nicht als
Sakrament mit
Hostien. Es war ein feierliches Mahl
im Bewusstsein der Gegenwart von Christus.
Eines dieser frühen Zeugnisse ist die so genannte Didache, auch
Zwölf-Apostel-Lehre genannt. Es ist die älteste Gemeindeordnung, die in den Jahren 80
bis 120 n. Chr. entstand. Diese und andere Texte zeigen, dass das frühe Christentum sich
in seiner Ethik und seinen Lebensäußerungen stark von dem unterschied, was im Rahmen der
kirchlichen Konfessionen später, ab dem dritten Jahrhundert, daraus gemacht wurde.
Führung durch
den Prophetischen Geist
Aus vielen Texten geht hervor,
dass die Prophetische Rede zum Wesen
des Urchristentums gehörte. So ermahnt die damalige Gemeindeordnung die Christen
ausdrücklich, auf die falschen Propheten zu achten und gibt Hinweise, wie diese zu
erkennen sind:
"Aber nicht jeder, der im Geist redet, ist Prophet, sondern nur
dann, wenn er die Lebensart des Herrn hat. An der Lebenshaltung wird der falsche Prophet
und der Prophet erkannt werden. ... Ferner ist jeder Prophet, der die Wahrheit lehrt, ein
falscher Prophet, wenn er nicht tut, was er lehrt."
Unter der unmittelbaren Führung des Geistes blühten die Gemeinden auf.
So konnte Minucius Felix in seinem "Dialog mit Oktavius" über das Verhältnis der Christen
zu Gott schreiben:
"Überall ist Er uns ganz nahe; weit mehr als das: Er ist in uns
... All unsere Handlungen geschehen unter seinen Augen. Wir leben, ich möchte fast sagen:
mit Ihm zusammen."

Ein Weber am Webstuhl: Die ersten Christen verdienten ihren Lebensunterhalt durch ehrliche
Arbeit. Pfarrer und Priester gab es bei ihnen nicht.
Auf der Grundlage dieser innigen Verbindung mit Gott und Christus in ihrem
Inneren halten es die frühen Christen nicht für nötig, viele Worte um ihren Glauben zu
machen. Im Jahre 177 schrieb Athenagoras in seiner "Schutzschrift für die
Christen" über den Tatglauben:
"Bei uns könnt ihr ungebildete Leute, Handwerker und alte
Mütterchen finden, die nicht imstande wären, die Nützlichkeit ihrer Lehre in Worten
darzutun. Aber durch ihre Taten weisen sie die Nützlichkeit ihrer Grundsätze nach. Keine
auswendig gelernten Worte sagen sie her. Aber gute Taten zeigen sie."
"Hört
mich nicht! Hört Christus!"
Eine Frau mit der Gabe der prophetischen Rede war Maximilla. Sie trat
offensichtlich der Neigung der Menschen entgegen, sich auf Menschen auszurichten. Sie
sagte:
"Mich hört nicht! Hört Christus! Gesendet hat mich der Herr als
entschiedene Anhängerin, als Verkünderin, als Deuterin dieser Not und Arbeit, dieses
Bundes und dieser verheißungsvollen Botschaft. Gedrungen bin ich, mag ich wollen oder
nicht, die Erkenntnis Gottes aufzunehmen."
Bete und
Arbeite
Wollte sich jemand bei den ersten Christen niederlassen, so
musste
er seinen Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit verdienen, zum Beispiel als Handwerker:
"Versteht er aber kein Handwerk", so empfahl die Didache,
"dann sorgt nach eurer Einsicht dafür, wie ihrs erreichen könnt,
dass
nicht in eurer Mitte ein untätiger Christ lebt. Wenn er aber nicht danach tun will, so
ist er einer, der mit seinem Christentum Geschäfte machen will, Vor solchen nehmt euch in
acht."
Justinus, gestorben 165 in Rom, schrieb damals:
"Leute, deren Lebensführung in dem allen nicht so getroffen wird,
wie Er es gelehrt hat, sollen nicht als Christen angesehen werden, auch dann nicht, wenn
sie mit der Zunge die Lehre Christi bekennen."
Eberhard Arnold*, der in
den zwanziger Jahren viele solcher alten Texte zusammentrug und auswertete, stellte fest:
"Jeder sollte durch seine eigene Arbeit leben. Jeder sollte soviel erarbeiten,
dass
seine Liebe der Not anderer abhelfen konnte." Die urchristlichen Gemeinden waren
also "Wirtschafts- und Arbeitsgemeinschaften."
Die Ethik in
Ehe und Partnerschaft
Die hohe Ethik der ersten Christen zeigte sich auch an ihrer
Einstellung zur Ehe und in ihrer Warnung vor dem Ausleben sexueller Begierde. Über den
Zweck der Ehe schreibt Justin in seiner Apologie:
"Wir sind entweder von vornherein einzig zu dem Zweck, Kinder
aufzuziehen, eine Ehe eingegangen, oder wir haben auf das Heiraten ganz verzichtet und
bleiben völlig enthaltsam."
Bei Athenagoras findet sich diese Ethik durch ein interessantes Bild
verdeutlicht. Es heißt dort:
"So hat jeder von uns nur ein Weib, das er ... geehelicht hat, und
zwar zum Zwecke der Kinderzeugung. Der Landmann wartet, wenn er die Saat dem Schoße der
Erde anvertraut hat, den Erntetag ab, ohne neue Saat auszustreuen."
Christus ruft
die Sünder, nicht die Gerechten
In einem keuschen Leben sah man eine Möglichkeit, an innerer Kraft
zu wachsen. So heißt es in einem Text des Tertullian:
"Sehr viele Männer und Frauen, die von Jugend auf Schüler
Christi gewesen sind, bleiben für immer keusch, auch wenn sie sechzig oder siebzig Jahre
alt werden. Ich traue mir zu, solche in jedem Stande von Menschen nachzuweisen, - ganz zu
schweigen von der unzähligen Menge derer, die nach einem zügellosen Leben umgekehrt sind
und diese Grundsätze angenommen haben. Denn nicht die Gerechten und Enthaltsamen hat
Christus zur Gesinnungsänderung gerufen, sondern die Gottlosen, die Ausschweifenden und
die Ungerechten."
Die ersten Christen pflegten bekanntlich die Gütergemeinschaft. Damit
diese Ethik nicht missverstanden werde, steht in der Apologie des Tertullian der Satz:
"Alles
ist bei uns gemeinschaftlich, nur nicht die Frauen."
Kein
Militärdienst
Das fünfte Gebot "Du sollst nicht töten!" war für die
ersten Christen noch umfassend gültig. So lesen wir bei Origenes: "Wir ziehen
nicht mit dem Kaiser ins Feld, auch nicht, wenn er es verlangt, aber wir kämpfen für
ihn, indem wir ein eigenes Heer bilden, ein Heer der Gläubigkeit durch unsere Gebete an
die Gottheit." Tertullian schriebt in der "Korona" zum selben Thema: "Nur
ohne Schwert kann der Christ Krieg führen. Der Herr hat das Schwert abgeschafft."
Kein Töten von
Tieren
Die ersten Christen bezogen das Verbot des Tötens auch auf das
Töten von Tieren. Minucius Felix schreibt im "Dialog mit Octavius": "So
sehr haben wir Scheu vor Menschenblut, dass wir nicht einmal das Blut
essbarer Tiere unter
unseren Speisen kennen."
Man kann also davon ausgehen, dass auch das Liebesmahl der Urchristen,
das sie gemeinsam einnahmen, ein vegetarisches war. Mit einer ritualisierten
Messfeier
hatte dieses gemeinsame Mahl noch nichts zu tun, derartiges wurde frühestens am Ende des
zweiten Jahrhunderts eingeführt, mit Altar und sonstigen Anleihen aus heidnischen
Mysterienkulten. Ähnliches gilt für die Kindertaufe, die ebenfalls im frühen
Christentum unbekannt war.
Die Überzeugung, dass die Seele des Menschen nicht von dieser Welt ist,
zeigt sich ganz besonders in der Einstellung der Urchristen zum Tod. Bei Aristides lesen
wir: "Und wenn einer von ihnen, der gut ist, aus dieser Welt hinübergeht, so
freuen sie sich und danken Gott. Sie geben seiner Leiche das Geleit, als zöge er nur von
einem Ort zum andern."
Immer wieder blitzt in solchen alten Texten etwas von der Weisheit
auf, die das frühe Christentum durch die Lehren des Nazareners prägte. So lesen wir in
einem alten Papyrus: "Wo einer allein ist, sage ich: Ich bin mit ihm. Erhebe den
Stein: und dort wirst du mich finden. Spalte das Holz: und ich bin dort."
In unserer Zeit hat uns Christus durch Seine Prophetin vieles von
Seinen ursprünglichen Lehren wieder mitgeteilt. Das Prophetische Wort der heutigen Zeit
knüpft unmittelbar an die Zeit des Jesus von Nazareth an. So lesen wir in dem Buch "Die
Großen Kosmischen Lehren des Jesus von Nazareth an Seine Apostel und Jünger, die es
fassen konnten - das Leben der wahren gotterfüllten Menschen":
"Ich Bin alles in allem.
Schaue den Strauch an -
und du wirst Mich finden.
Hebe den Stein auf -
und du wirst Mich finden.
Blicke zu den Gestirnen -
und du nimmst Mich wahr.
Schaue tief in den
Menschen -
und du findest dich selbst
und somit Mich,
Christus,
das Selbst in dir. |