Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 24/98

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Entschuldigung ohne Vergebung der Opfer genügt nicht

Ist Haben die Seelen von Millionen ermordeter Juden der Kirche schon verziehen?

Auf ihrer diesjährigen Herbst-Landesynode verabschiedete die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern eine Erklärung zum Thema "Christen und Juden".

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Hieronymus Bosch malte die Hölle als inneren Zustand des Menschen, deren Schuld noch nicht bereinigt und vergeben ist.

In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung (26.12.1998) heißt es dazu: "Es geschieht dies 455 Jahre, nachdem Martin Luther in seiner Schrift ‘Von den Juden und ihren Lügen’ die Empfehlung gab, ‘Daß man ihre Synagogen oder Schulen anstecke und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacken davon sehe ewiglich’; 72 Jahre, nachdem der Pfarrer und spätere bayerische Landesbischof Hans Meiser im Nürnberger Gemeindeblatt die evangelischen Christen vor dem ‘alles nivellierenden, die sittlichen Grundlagen unseres Volkstums zersetzenden, bis zur Laszivität ausschweifenden jüdischen Geist’ warnte und die Auffassung vertrat, dass ‘Gott jedem Volk seine völkische Eigenart und seine rassische Besonderheiten’ nicht dazu gegeben habe, ‘damit es seine völkische Prägung in rassisch unterwertige Mischlingsbildung auflösen lässt’. Es war derselbe Meiser, der am 29. September 1939 alle bayerischen Pfarrer anwies, am Erntedankfest ein Kanzelwort der Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei zu verkünden, in dem Gott gedankt wurde für die reiche Ernte auf Flur und Feld und für die ‘nicht weniger reiche Ernte’ auf den polnischen Schlachtfeldern – eines der infamsten Schriftstücke der evangelischen Kirchengeschichte."

Am Eingang zur Synode wurde ein Flugblatt der Freien Christen für die Verfassung verteilt, in dem die Synodalen an ihre eigene Lehre erinnert wurden: "Entschuldigung allein genügt nicht ... Wer soviel Blutvergießen zu verantworten hat wie Luther und seine Gefolgschaft, und wer so massiven Rufmord betreibt wie seine Nachfolger es heute tun, verfällt nach evangelischer Lehre der ‘ewigen Verdammnis’. Es sei denn, Gott verzeiht ihm. Aber die Vergebung Gottes ist [trotz anders lautender kirchlicher Theorien] untrennbar verbunden mit der Vergebung der Menschen, denen das furchtbare Unrecht geschah. Haben die Seelen von Millionen ermordeter jüdischer Mitbürger dieser Kirche schon verziehen? So lange dies nicht der Fall ist, bleibt sie an ihre Opfer gebunden und in ihre schwere Schuld verstrickt. Die Kirche, die so gern verdammte, hat sich durch ihre Taten selbst verdammt, und jeden, den sie per Taufe an sich bindet, zieht sie in diese Verdammnis hinein."
 

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Und: "Mit wohlfeilen Resolutionen kann sich die Lutherkirche weder vor der Welt noch vor Gott aus der Affäre ziehen. Wo bleibt der Versuch der Wiedergutmachung?" In der Bibel heißt es über das Schicksal, das man sich selber schafft: "Da wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahltest" (Matthäus 5, 26).

Lesen Sie dazu auch:
- Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen
- Kirche und Drittes Reich: Die evangelische Kirche und die Judenverfolgung
- Hans Meiser und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern: Ein Antisemit als erster Landesbischof


 



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