Die "Heilige
Inquisition" begann schon lange vor ihrer offiziellen Einführung im 13. Jahrhundert.
Schon im Jahre 385 wurden in Trier auf Befehl katholischer Bischöfe der spanische
"Ketzer" Priscillianus und einige seiner Glaubensgenossen enthauptet.
Priscillianus rief die Gläubigen zur Besinnung auf die ursprüngliche Lehre des Christus
Gottes auf.
Als die sich bildende Institution Kirche noch nicht so mächtig war,
bekämpfte sie "häretische" Richtungen mit Verleumdung und Rufmord - so z. B. im
zweiten Jahrhundert den "Ketzer" Markion, der die alttestamentliche Vorstellung
eines "strafenden Gottes" ablehnte, so den frühchristlichen Propheten Montanus
(ebenfalls 2. Jahrhundert) oder, im dritten Jahrhundert, den "Apostel Jesu Christi" Mani, der aus Persien stammte und ein inneres Christentum predigte.
Unter den römischen Kaisern waren die Christen noch selbst verfolgt
worden. In den zwischen den Verfolgungen liegenden Erholungsphasen gewannen jedoch mehr
und mehr die Bischöfe und Priester (die ursprünglich nur verwaltende und keine leitenden
Aufgaben in der Gemeinde hatten) die Oberhand und verwandelten die frühchristlichen
Gemeinden in hierarchische Organisationen. Kaiser Konstantin stützte sich Anfang des
vierten Jahrhunderts auf die neu entstandene Priesterkaste und verlieh ihr zahlreiche
Privilegien.
Sein Nachfolger Theodosius (Regierungszeit: 379-395) machte dann
den Katholizismus zur Staatsreligion und verbot alle anderen Glaubensrichtungen.
Wenig später, im Jahr 407, wurde jedwede Ketzerei als "Majestätsverbrechen"
verfolgt. Dies traf insbesondere das Heidentum, die verschiedenen antiken Mysterienkulte,
von denen der Katholizismus zuvor fast alle wesentlichen Elemente seiner Liturgie
übernommen hatte: Vom Altar über das Messopfer bis hin zu Ministranten, Weihrauch,
Prozessionen, Kerzen und Muttergottesverehrung.
Das Heidentum zeichnete sich in der Regel durch große Toleranz aus.
Dies wurde ihnen von den "Christen" schlecht vergolten. Die Anhänger der
heidnischen Kulte verloren ihre staatsbürgerlichen Rechte, ihre Güter wurden
beschlagnahmt und es drohten ihnen Todesstrafe oder Verbannung. Bereits damals wurden
"Inquisitoren" (Untersuchungsrichter) sowie "Denunzianten"
(Geheimagenten) ernannt, die Häretiker aufspüren sollten. Auch Luther berief sich
später bei der Verfolgung täuferischer Prediger auf die Gesetze des Theodosius.

Der Denunziant (A. Paul Weber, 1936) wurde
schon in der Antike zur Bespitzelung von Häretikern eingesetzt
Vielen fanatisierten Kämpfern für die reine Lehre des Katholizismus
ging diese Entwicklung noch nicht schnell genug. Aufgehetzt von Priestern und Äbten
stürmten katholische Horden heidnische Tempel, rissen die Mauern nieder, zerschlugen die
Götterbilder und Altäre. "Den Priestern bleibt nur die Wahl zwischen Schweigen
und Tod", berichtet 389 ein Augenzeuge. Der "heilige Kirchenlehrer"
Kyrill ließ 415 in Alexandria (Ägypten) die weltberühmte heidnische Philosophin Hypatia
überfallen, in eine Kirche schleppen, steinigen und anschließend mit Glasscherben
zerstückeln.
Ein besonders eifriger Zerstörer heidnischer Tempel war der
französische Nationalheilige, der Bischof St. Martin von Tours (der übrigens auch
30.000 Sklaven hielt - durchaus keine Seltenheit in der Kirche).
Auch Christen anderer Richtungen wurden gnadenlos ihrer Kirchen beraubt
und vertrieben, so z. B. die Arianer in Mailand unter dem "Kirchenvater" St.
Ambrosius, oder die Donatisten und Manichäer in Nordafrika durch den ebenso
"heiligen" Kirchenvater Augustinus. Dieser rechtfertigte nicht nur den
"gerechten" Krieg, sondern auch Gewalt und Folter gegen Andersgläubige (er war
vorher selbst Manichäer gewesen).