Der Papst in Rom war
keineswegs von Anfang unbestrittener Herrscher der Kirche. Für die christliche Frühzeit
lässt sich für Rom überhaupt kein Bischof historisch nachweisen, auch nicht Petrus.
Später war der Patriarch von Rom nur einer unter vielen:
Mächtiger und einflussreicher waren seine Kollegen in Antiochia,
Alexandria, Karthago und Jerusalem. Bei den Konzilien der ersten Jahrhunderte spielten die
Abgesandten des römischen Papstes (den Titel "Papst" gab es damals häufiger)
meist nur eine untergeordnete Rolle. Dass der römische "Pontifex maximus" (der
Titel des heidnischen römischen Oberpriesters) im Mittelalter dann zur beherrschenden
religiösen Figur des Abendlandes wurde, verdankt die römische Kirche sinnigerweise den
Eroberungen der arabischen Muslime, die Roms Konkurrenz in Afrika und Kleinasien
überrannten - und einem ausgeprägten Instinkt dafür, wann man rechtzeitig die Seiten zu
wechseln hatte, um auf der Seite der Sieger zu sein.
"Das Papsttum nun unternimmt allmählich eine opportunistische
Schwenkung welthistorischen Ausmaßes nach der andern", schreibt
Karlheinz Deschner im zweiten Band seiner Kriminalgeschichte des Christentums
(S. 314). "Und
während seine Opfer auf der Strecke bleiben, wird es selber immer größer, stärker.
Erst wendet es sich mit den Goten gegen Ostrom. Dann vernichtet es mit Ostrom die Goten,
die Wandalen. Danach steht es an der Seite der Langobarden erneut gegen Ostrom. Und
schließlich bekämpft es, nach erlangter Freiheit, mit den Franken die
Langobarden, seine Befreier." Und mit den Franken auch alle anderen germanischen
Stämme, die bis dahin meist arianische, also "ketzerische" Christen waren.
Durch dieses "schamlose Schauspiel" (Deschner) hat die
Kirche die Geschichte mit Hekatomben von Leichen gepflastert. Allein der zwanzigjährige
Krieg, in den die Päpste das oströmische Reich gegen die Italien beherrschenden Ostgoten
hetzte, schlug Italien "schlimmere Wunden als der Dreißigjährige Krieg
Deutschland" (ebd., S. 438). Papst Stephan II. scheute sich später nicht, in
Sack und Asche beim Frankenkönig Pippin zu erscheinen und von diesem (bei gleichzeitiger
Drohung mit der ewigen Verdammnis) einen Krieg gegen das mit den Franken befreundete Volk
der Langobarden zu erbetteln. Ostgoten, Wandalen, Langobarden - sie alle und weitere
Völker wurden von der Landkarte getilgt, auf Betreiben der Kirche.
Krieg war den Päpsten als Mittel der Politik immer vertraut. Der
Wahlspruch des heilig gesprochenen Papstes Gregor VII. lautete: "Verflucht
sei der Mensch, der sein Schwert von Blut zurückhält!" - Papst Julius II. hatte
im 16. Jahrhundert einen ganz ähnlichen Lieblingsspruch: "Wenn Sankt Peters
Schlüssel nicht helfen, so helfe mir sein Schwert!" Er führte "in fast
jedem Jahr seines Pontifikats Krieg, und dabei so erfolgreich, dass Kaiser Maximilian mit
dem Gedanken spielte, Papst zu werden", schreibt Deschner in Opus
Diaboli (S. 18).
Die Päpste hetzten die Ritter und Söldner des Abendlandes nicht nur
gegen die Sarazenen in den Kreuzzug, sondern auch gegen die Katharer, gegen die Hussiten
und gegen die slawischen "Heiden" im Osten Europas.
Nicht nur die Kreuzzüge und der dreißigjährige Krieg wären ohne die
Kriegstreiberei der römischen Kirche nicht vom Zaun gebrochen worden - auch im
zwanzigsten Jahrhundert hatte der Vatikan bei beiden Weltkriegen seine Finger im Spiel.
Vatikanische Gesandte bestärkten 1914 Kaiser Franz Josef darin, eine harte Haltung
gegenüber Serbien einzunehmen. Zwischen den Weltkriegen hofierte Rom sämtliche
faschistischen Staaten Europas, weil es diese als Bollwerk gegen das bolschewistische (und
orthodoxe!) Osteuropa betrachtete. Der Vatikan machte Mussolini (1923) und Hitler (1933)
durch Konkordate international salonfähig. Der Katholik Hitler wurde nicht
exkommuniziert, wohl aber die italienischen Kommunisten nach 1945. Deutsche Bischöfe
schwiegen zum Holocaust und forderten die deutschen Soldaten bis zuletzt zu
"soldatischer Pflichterfüllung" auf. So rief der bis heute als
"Widerstandskämpfer" gegen die Nazis gehandelte Würzburger Bischof Matthias
Ehrenfried seinen Diözesanen noch am 22. Januar 1945 zu:
"Stellt euch aber auch auf Seiten der staatlichen Ordnung! ... Im
Geiste des heiligen Bruno darf ich euch zurufen: Erfüllet gerade in Notzeiten eure
Pflichten gerade gegen das Vaterland! Denkt an die Mahnung des heiligen Paulus:
Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt. Denn es gibt keine Gewalt
außer von Gott ... Nehmet ... alle Heimsuchungen auf euch, Gott zulieb! Diese Opfer
werden dann Sprossen in eurer Himmelsleiter. In Opfer wirket ihr euer Heil"
(zit.
nach: Karlheinz Deschner, Ein Jahrhundert Heilsgeschichte, Bd. 2, S. 203).
