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"Die
faschistischen Züge
der Sektenjagd"
Der bekannte Staatsrechtler Prof. Dr. jur. Martin Kriele hat die hysterische
Verfolgung religiöser und weltanschaulicher Minderheiten durch die sog.
Sektenbeauftragten analysiert und kommt zu einem beängstigenden Ergebnis.
"Ich werfe den Sektenjägern nicht vor, dass sie Faschisten seien.
Die meisten sind in ihrer politischen Orientierung eher dem breiten Spektrum der
Sozialdemokratie zuzuordnen. Es geht um bestimmte Elemente ihres Denkens und Agierens, die
stark an die dreißiger Jahre erinnern."
Die Überschriften seines Artikels sind: 1. Instrumentalisierung der
Kirchen, 2. Aggressivität gegen Minderheiten, 3. Ausländerfeindlichkeit, 4.
Ressentiments gegen geistigen Rang, 5. Rechtsfremdheit 6. Diffamierender Stil, 7.
Intellektuelle Primitivität, 8. Ängste des Umfelds, 9. Erpresse Anbiederei, 10.
Konformität und Mitläufertum. Unter dem Punkt Intellektuelle
Primitivität schreibt Kriele:
"Die Primitivität tritt auch in der Auseinandersetzung mit Kritikern
der Sektenjäger zu Tage: Kritiker werden ohne Eingehen auf ihre Argumente einfach
persönlich angegriffen. Vor allem heißt es, sie seien Sympathisanten der jeweils zur
Diskussion stehenden Sekte. Zum Beispiel wurde einem katholischen CSU-Mitglied, der sich
in seiner Eigenschaft als Universitätsprofessor für die Religionsfreiheit auch der
Mun-Sekte aussprach, unterstellt, ein Mun-Anhänger zu sein; auf diese falsche
Denunziation wurde er sogar vom bayerischen Wissenschaftsminister gerügt.
Reicht eine solche Unterstellung nicht hin, um den Kritiker auszuschalten, so wird nach dem McCarthyistischen*
Modell guilt by association in diskreditierende Zusammenhänge gebracht: zum
Beispiel er habe in diesem Verlag oder jener Zeitschrift publiziert, wo auch XY etwas
veröffentlicht habe, dem er folglich nahe stehe - und dergleichen Unfug mehr.
Mitunter werden so lange Assoziationsketten aufgebaut. So wurde z. B. dem
Turiner Religionswissenschaftler Professor Massimo Introvigne, der gewagt hatte, die
Sektenjagd zu kritisieren - deutsch: Schluss mit den Sekten, Diagonal Verlag
Marburg 1998 - folgendes angehängt: Er gehöre einer christdemokratischen Splittergruppe
an, die gegen Abtreibung, Drogen und Sozialismus sei, und die folglich der internationalen
Organisation Tradition, family and property nahe stehe; diese habe
"vermutlich"
Beziehung zur Mun-Sekte und zur freimaurerischen Loge PP2, und diese habe bei
Staatsstreichen und Todesschwadronen in Südamerika "im Hintergrund" gestanden. -
Professor Introvigne ist ein durch und durch liberaler Katholik und ein Gelehrter von
höchstem internationalem Ansehen, der aus grundsätzlichen Erwägungen für
Religionsfreiheit eintritt."
Im Schlusskapitel schreibt Dr. Martin Kriele:
"Seitdem ich - gemeinsam mit anderen Universitätsprofessoren - die
Sektenjagd in Deutschland öffentlich kritisiert habe, gingen mir von vielen Seiten
erschütternde Berichte über fast unglaublich Vorgänge zu. Unschuldige Gottsucher -
ernsthafte, ehrfürchtige, betende, meditierende, herzensgute, sozial engagierte Menschen
- werden isoliert und bedroht, lächerlich und verächtlich gemacht. Sie verbringen ihr
Nächte schlaflos, geängstigt und in Tränen; manche erwägen die Emigration - wie einst
zur Nazizeit. ... |
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