Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 1/99

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"Die faschistischen Züge
der Sektenjagd
"

Der bekannte Staatsrechtler Prof. Dr. jur. Martin Kriele hat die hysterische Verfolgung religiöser und weltanschaulicher Minderheiten durch die sog. Sektenbeauftragten analysiert und kommt zu einem beängstigenden Ergebnis.

"Ich werfe den Sektenjägern nicht vor, dass sie Faschisten seien. Die meisten sind in ihrer politischen Orientierung eher dem breiten Spektrum der Sozialdemokratie zuzuordnen. Es geht um bestimmte Elemente ihres Denkens und Agierens, die stark an die dreißiger Jahre erinnern."

Die Überschriften seines Artikels sind: 1. Instrumentalisierung der Kirchen, 2. Aggressivität gegen Minderheiten, 3. Ausländerfeindlichkeit, 4. Ressentiments gegen geistigen Rang, 5. Rechtsfremdheit 6. Diffamierender Stil, 7. Intellektuelle Primitivität, 8. Ängste des Umfelds, 9. Erpresse Anbiederei, 10. Konformität und Mitläufertum. Unter dem Punkt Intellektuelle Primitivität schreibt Kriele:

"Die Primitivität tritt auch in der Auseinandersetzung mit Kritikern der Sektenjäger zu Tage: Kritiker werden ohne Eingehen auf ihre Argumente einfach persönlich angegriffen. Vor allem heißt es, sie seien Sympathisanten der jeweils zur Diskussion stehenden Sekte. Zum Beispiel wurde einem katholischen CSU-Mitglied, der sich in seiner Eigenschaft als Universitätsprofessor für die Religionsfreiheit auch der Mun-Sekte aussprach, unterstellt, ein Mun-Anhänger zu sein; auf diese falsche Denunziation wurde er sogar vom bayerischen Wissenschaftsminister gerügt.

Reicht eine solche Unterstellung nicht hin, um den Kritiker auszuschalten, so wird nach dem McCarthyistischen* Modell guilt by association in diskreditierende Zusammenhänge gebracht: zum Beispiel er habe in diesem Verlag oder jener Zeitschrift publiziert, wo auch XY etwas veröffentlicht habe, dem er folglich nahe stehe - und dergleichen Unfug mehr.

Mitunter werden so lange Assoziationsketten aufgebaut. So wurde z. B. dem Turiner Religionswissenschaftler Professor Massimo Introvigne, der gewagt hatte, die Sektenjagd zu kritisieren - deutsch: Schluss mit den Sekten, Diagonal Verlag Marburg 1998 - folgendes angehängt: Er gehöre einer christdemokratischen Splittergruppe an, die gegen Abtreibung, Drogen und Sozialismus sei, und die folglich der internationalen Organisation Tradition, family and property nahe stehe; diese habe "vermutlich" Beziehung zur Mun-Sekte und zur freimaurerischen Loge PP2, und diese habe bei Staatsstreichen und Todesschwadronen in Südamerika "im Hintergrund" gestanden. - Professor Introvigne ist ein durch und durch liberaler Katholik und ein Gelehrter von höchstem internationalem Ansehen, der aus grundsätzlichen Erwägungen für Religionsfreiheit eintritt."

Im Schlusskapitel schreibt Dr. Martin Kriele:

"Seitdem ich - gemeinsam mit anderen Universitätsprofessoren - die Sektenjagd in Deutschland öffentlich kritisiert habe, gingen mir von vielen Seiten erschütternde Berichte über fast unglaublich Vorgänge zu. Unschuldige Gottsucher - ernsthafte, ehrfürchtige, betende, meditierende, herzensgute, sozial engagierte Menschen - werden isoliert und bedroht, lächerlich und verächtlich gemacht. Sie verbringen ihr Nächte schlaflos, geängstigt und in Tränen; manche erwägen die Emigration - wie einst zur Nazizeit. ...

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»Sekte« ist ein anderes Wort für »Ketzer«, und für einen Ketzer galt früher und gilt heute wieder: »Exterminandus est« [Er muss ausgelöscht werden, d. Red.] - wenn nicht durch Feuer (wie in der Nähe von Lübeck), dann durch Rufmord, Isolation und wirtschaftliche Vernichtung. Es herrscht ein Klima des Terrors und der Hysterie, und es ist keineswegs übertrieben, zu sagen, dass es beinahe schon faschistische Züge angenommen hat."


* Der Name McCarthy steht für die "Kommunistenjagd" in den USA der 50er Jahre
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