Jeden
Donnerstag: "Wir haben für Sie zu
essen""Dieser Tag ist für mich
etwas Besonderes"
Das sagt eine Frau
mittleren Alters, die heute ihr bestes Kleid trägt. Trotzdem entschuldigt sie sich fast,
dass sie nicht besser angezogen ist, heute, an Weihnachten. Sie habe auch schon bessere
Zeiten erlebt, aber jetzt sei sie eben arm. Wie 140 andere Gäste nimmt
sie gerne von den angebotenen Speisen, denn auch an diesem Donnerstag, dem 24. Dezember, heißt es wie jede
Woche in Würzburg im Haugerring 7 für drei Nachmittagsstunden: "Wir haben für Sie zu
essen." Die bei anderen Anbietern manchmal übliche Bezeichnung
"Speisung für Bedürftige" wird hier bewusst vermieden, da sich die Gäste
mit einem solchen Angebot nicht so gerne identifizieren würden.
Menschen jeden Alters nehmen diese Gelegenheit wahr, sich in diesen
Stunden etwas bei den Urchristen im Universellen Leben in Würzburg und in anderen
Städten zu stärken und aufzuwärmen. Es kommen Familien mit Kleinkindern und Jugendliche
mit ihren treuen Begleitern, den Hunden, die mit ihnen das Leben auf der Straße teilen.
"Es reicht immer für alle", sagt einer der Mithelfer, die das Essen
vorbereiten. Die Lebensmittel stammen aus den Bauernhöfen, Marktständen und Bäckereien
der Urchristen.
Die Armut scheint zuzunehmen. Denn es kommen durchaus nicht nur Menschen
ohne Obdach, sondern auch viele, denen man es nicht auf den ersten Blick ansieht,
dass sie
arm sind.

Eine kleine Überraschung - ein arbeitsloser Grafiker
bringt eine
selbst gestaltete Dankeskarte mit
Viele nehmen beim Weggehen noch Brot und Gemüse mit, das für sie
bereitliegt. Sie erkundigen sich, wie man spezielle Gemüse oder Salate, die ihnen bisher
kaum bekannt waren, zubereiten kann. Mancher berichtet, dass er fast die ganze Woche von
diesen Vorräten lebt. Doch nicht jeder verfügt über eine Kochgelegenheit; er kann dann
nur mitnehmen, was er direkt verzehren kann.
Ein junger Mann kommt herein und nimmt von den Speisen. Nach dem Essen
erzählt er, dies sei heute seine erste Mahlzeit gewesen - und wenn er nicht hätte kommen
können, so hätte er den Weihnachtsabend hungrig verbringen müssen.
Auch Silvester fällt auf einen Donnerstag. Ein 50jähriger Grafiker
bringt eine Dankeskarte mit, die er selbst gestaltet hat (siehe Bild). Er würde gerne
arbeiten, sagt er, aber er findet nichts mehr.
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Ein Obdachloser kommt in der Jeans,
die er vor einigen Wochen hier erhalten hat, die als Kleider aus zweiter Hand
weitergegeben wurden. Genau so eine Hose hatte er gesucht und gefunden. Mehr wollte er gar
nicht, denn, wie er sagte: "Ich will mich nicht mit Sachen belasten, die ich nicht
unbedingt benötige." |
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