Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 2/99

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Jeden Donnerstag: "Wir haben für Sie zu essen"

"Dieser Tag ist für mich
etwas Besonderes
"

Das sagt eine Frau mittleren Alters, die heute ihr bestes Kleid trägt. Trotzdem entschuldigt sie sich fast, dass sie nicht besser angezogen ist, heute, an Weihnachten. Sie habe auch schon bessere Zeiten erlebt, aber jetzt sei sie eben arm. Wie 140 andere Gäste nimmt sie gerne von den angebotenen Speisen, denn auch an diesem Donnerstag, dem 24. Dezember, heißt es wie jede Woche in Würzburg im Haugerring 7 für drei Nachmittagsstunden: "Wir haben für Sie zu essen." Die bei anderen Anbietern manchmal übliche Bezeichnung "Speisung für Bedürftige" wird hier bewusst vermieden, da sich die Gäste mit einem solchen Angebot nicht so gerne identifizieren würden.  

Menschen jeden Alters nehmen diese Gelegenheit wahr, sich in diesen Stunden etwas bei den Urchristen im Universellen Leben in Würzburg und in anderen Städten zu stärken und aufzuwärmen. Es kommen Familien mit Kleinkindern und Jugendliche mit ihren treuen Begleitern, den Hunden, die mit ihnen das Leben auf der Straße teilen. "Es reicht immer für alle", sagt einer der Mithelfer, die das Essen vorbereiten. Die Lebensmittel stammen aus den Bauernhöfen, Marktständen und Bäckereien der Urchristen.

Die Armut scheint zuzunehmen. Denn es kommen durchaus nicht nur Menschen ohne Obdach, sondern auch viele, denen man es nicht auf den ersten Blick ansieht, dass sie arm sind.

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Eine kleine Überraschung - ein arbeitsloser Grafiker
bringt eine selbst gestaltete Dankeskarte mit

Viele nehmen beim Weggehen noch Brot und Gemüse mit, das für sie bereitliegt. Sie erkundigen sich, wie man spezielle Gemüse oder Salate, die ihnen bisher kaum bekannt waren, zubereiten kann. Mancher berichtet, dass er fast die ganze Woche von diesen Vorräten lebt. Doch nicht jeder verfügt über eine Kochgelegenheit; er kann dann nur mitnehmen, was er direkt verzehren kann.

Ein junger Mann kommt herein und nimmt von den Speisen. Nach dem Essen erzählt er, dies sei heute seine erste Mahlzeit gewesen - und wenn er nicht hätte kommen können, so hätte er den Weihnachtsabend hungrig verbringen müssen.

Auch Silvester fällt auf einen Donnerstag. Ein 50jähriger Grafiker bringt eine Dankeskarte mit, die er selbst gestaltet hat (siehe Bild). Er würde gerne arbeiten, sagt er, aber er findet nichts mehr.

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Ein Obdachloser kommt in der Jeans, die er vor einigen Wochen hier erhalten hat, die als Kleider aus zweiter Hand weitergegeben wurden. Genau so eine Hose hatte er gesucht und gefunden. Mehr wollte er gar nicht, denn, wie er sagte: "Ich will mich nicht mit Sachen belasten, die ich nicht unbedingt benötige."


 



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