| Wirtschaft Wie reagieren die Computer zur Jahrtausendwende?
Ein
befürchtetes Computer-Chaos zur Jahrtausendwende ist ausgeblieben. Oder
wurde es nur aufgeschoben?
Lesen Sie dazu Überlegungen im Vorfeld des
Jahreswechsels von 1999 auf 2000:
"Ich habe
ein Ferienhaus im Wald, wo ich weitgehend unabhängig bin, mit Kamin,
Holz, Wasserpumpe und ausreichend zu essen und trinken im Haus. Ich bin
mir sicher, dass ich dort die ersten Tage des neuen Jahres gut überleben
kann." So die Informatik-Professorin Deborah Weber-Wulff mit
einem gewissen Humor zum ´Computer-Problem` beim 1.1. des Jahres 2000.

Rasante
Entwicklungen -
Der Computer von gestern
ist heute
schon ein
"Rentner"
Fachleute können ein mögliches Durcheinander zur
Jahrtausendwende nicht ausschließen. Ein Sprecher des
Autokonzerns BMW kalkuliert so vorsichtshalber mögliche Produktionsausfälle
ein. Und der Deutsche Städtetag empfiehlt seinen Mitgliedern,
für alle Fälle für Notmaßnahmen gerüstet zu sein und über Urlaubssperren nachzudenken. Die französische Regierung
denkt sogar ernsthaft über ein Flugverbot für den 1.1.2000 nach. Worum geht es eigentlich?
Die Welt wird von Computern gesteuert und beherrscht.
Als Konrad Zuse in den 40er Jahren den ersten Computer erfand, dachte
noch niemand an das Jahr 2000, ebenso wenig wie wir heute an das Jahr
2050 denken. Aus diesem Grund wie auch aus Kostengründen -
Computerspeicherplatz war damals sehr teuer - wurde die Jahreszahl
jeweils nur 2-stellig gespeichert und die Angabe "19" wurde für überflüssig
gehalten. Diese Praxis setzte sich sehr lange fort. Erst Mitte der 90er Jahre wurde damit
begonnen, die Jahreszahl auf 4 Stellen zu erweitern.
Die ersten
Fehlreaktionen
Doch zur Zeit weiß niemand, wie viele Computer mit
2-stelliger Jahreszahl noch im Einsatz sind. Noch gravierender ist der
Mangel bei den unzähligen Programmen, die auf die Jahreszahl "2000" nicht eingestellt sind. Auch von den Millionen von Mikrochips
(embedded systems), die irgendwo eingebaut sind, ist zum großen Teil nicht bekannt, ob
sie die Jahreszahl richtig speichern und verarbeiten. Was könnte das
heißen?
In der Informatik gilt bei der Rechung in einem 2-stelligen Feld: 99 + 01
= 00. Auf die Jahreszahl bezogen heißt das, dass der Computer annimmt, es läge das Jahr
1900 vor.
Die ersten Fehlreaktionen sind bereits eingetreten: Pharmakonzerne
schütteten Arzneimittel im Millionenwert auf den Müll, weil das Haltbarkeitsjahr 00
kleiner war als das aktuelle Jahr 98 oder 99 - weshalb der Computer annahm, die Produkte
seien verfallen. Manche Banken zogen die Kreditkarten ihrer Kunden ein, weil der Computer
sie aus dem gleichen Grund für abgelaufen hielt.
In Deutschland geht man mit diesem Problem eher locker
um. Nur einzelne Unternehmen nehmen es eher sehr ernst. So
arbeiten allein bei der Deutschen Bank 1.300 Mitarbeiter ausschließlich an dieser Aufgabe.
Das kostet die Bank ca. 600 Millionen Mark. Und die British Telecom gibt
sogar über 700 Millionen
Mark dafür aus, das Problem zu lösen. Nach Schätzungen des englischen Versicherers
Lloyds kostet es weltweit ca. 1.000 Milliarden Mark, um die Computer und Programme
"Jahr-2000-fähig" zu machen, und jetzt befindet man sich
sozusagen im Endspurt.
Wie steht es um
die Atomkraftwerke?
Sorgen bereitet die Sicherheit der Atomkraftwerke.
Westeuropa hat ein gigantisches grenzüberschreitendes Stromnetz. Und sicherlich blicken auch die großen Automobilhersteller
mit etwas gemischten Gefühlen auf den
Jahresbeginn. Sie sind von bis zu 10.000 Zulieferern abhängig. Diese sind ihrerseits
wieder von weiteren Zulieferern abhängig. Das Prinzip just-in-time, d. h. ohne
Lagerhaltung mit höchstens einer Tagesreserve auszukommen, kann bei einer globalisierten
Wirtschaft sehr schnell zur Gefahr werden: Fällt ein Zulieferer aus, steht die ganze
Produktion still. Ein völlig unwägbarer Bereich ist der militärische. Hier kann man nur
hoffen, dass durch Computerfehler kein Frühwarnsystem ausgelöst wird und irgendwelche
Raketen losschießen. Selbst wenn also nichts passiert, zeigt sich doch
daran die Anfälligkeit bzw. Verwundbarkeit des ganzen Systems.
Es gibt auch noch weitere Bereiche, in denen es aufgrund des
Jahrtausendwechsels in den Computern und Chips zu Problemen kommen kann. So können z. B.
Aufzüge stehen bleiben, weil der Computer annimmt, die Wartung sei überfällig. Dies
alles könnte, aber muss natürlich nicht eintreten. Das Schlimme daran ist,
dass niemand
garantieren kann, ob alle Computer wirklich rechtzeitig
"Jahr-2000-fähig" sind.
Ist Vorsorge notwendig?
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