Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 3/99

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Wirtschaft

Wie reagieren die Computer zur Jahrtausendwende?

Ein befürchtetes Computer-Chaos zur Jahrtausendwende ist ausgeblieben. Oder wurde es nur aufgeschoben?
 Lesen Sie dazu Überlegungen im Vorfeld des Jahreswechsels von 1999 auf 2000:

"Ich habe ein Ferienhaus im Wald, wo ich weitgehend unabhängig bin, mit Kamin, Holz, Wasserpumpe und ausreichend zu essen und trinken im Haus. Ich bin mir sicher, dass ich dort die ersten Tage des neuen Jahres gut überleben kann." So die Informatik-Professorin Deborah Weber-Wulff mit einem gewissen Humor zum ´Computer-Problem` beim 1.1. des Jahres 2000.

Computer-Rente 2000?
Rasante Entwicklungen -
Der Computer von gestern
ist heute schon ein "Rentner"

Fachleute können ein mögliches  Durcheinander zur Jahrtausendwende nicht ausschließen. Ein Sprecher des Autokonzerns BMW kalkuliert so vorsichtshalber mögliche Produktionsausfälle ein. Und der Deutsche Städtetag empfiehlt seinen Mitgliedern, für alle Fälle für Notmaßnahmen gerüstet zu sein und über Urlaubssperren nachzudenken. Die französische Regierung denkt sogar ernsthaft über ein Flugverbot für den 1.1.2000 nach. Worum geht es eigentlich?

Die Welt wird von Computern gesteuert und beherrscht. Als Konrad Zuse in den 40er Jahren den ersten Computer erfand, dachte noch niemand an das Jahr 2000, ebenso wenig wie wir heute an das Jahr 2050 denken. Aus diesem Grund wie auch aus Kostengründen - Computerspeicherplatz war damals sehr teuer - wurde die Jahreszahl jeweils nur 2-stellig gespeichert und die Angabe "19" wurde für überflüssig gehalten. Diese Praxis setzte sich sehr lange fort. Erst Mitte der 90er Jahre wurde damit begonnen, die Jahreszahl auf 4 Stellen zu erweitern.

Die ersten Fehlreaktionen

Doch zur Zeit weiß niemand, wie viele Computer mit 2-stelliger Jahreszahl noch im Einsatz sind. Noch gravierender ist der Mangel bei den unzähligen Programmen, die auf die Jahreszahl "2000" nicht eingestellt sind. Auch von den Millionen von Mikrochips (embedded systems), die irgendwo eingebaut sind, ist zum großen Teil nicht bekannt, ob sie die Jahreszahl richtig speichern und verarbeiten. Was könnte das heißen?

In der Informatik gilt bei der Rechung in einem 2-stelligen Feld: 99 + 01 = 00. Auf die Jahreszahl bezogen heißt das, dass der Computer annimmt, es läge das Jahr 1900 vor.

Die ersten Fehlreaktionen sind bereits eingetreten: Pharmakonzerne schütteten Arzneimittel im Millionenwert auf den Müll, weil das Haltbarkeitsjahr 00 kleiner war als das aktuelle Jahr 98 oder 99 - weshalb der Computer annahm, die Produkte seien verfallen. Manche Banken zogen die Kreditkarten ihrer Kunden ein, weil der Computer sie aus dem gleichen Grund für abgelaufen hielt.

In Deutschland geht man mit diesem Problem eher locker um. Nur einzelne Unternehmen nehmen es eher sehr ernst. So arbeiten allein bei der Deutschen Bank 1.300 Mitarbeiter ausschließlich an dieser Aufgabe. Das kostet die Bank ca. 600 Millionen Mark. Und die British Telecom gibt sogar über 700 Millionen Mark dafür aus, das Problem zu lösen. Nach Schätzungen des englischen Versicherers Lloyds kostet es weltweit ca. 1.000 Milliarden Mark, um die Computer und Programme "Jahr-2000-fähig" zu machen, und jetzt befindet man sich sozusagen im Endspurt.

Wie steht es um die Atomkraftwerke?

Sorgen bereitet die Sicherheit der Atomkraftwerke. Westeuropa hat ein gigantisches grenzüberschreitendes Stromnetz. Und sicherlich blicken auch die großen Automobilhersteller mit etwas gemischten Gefühlen auf den Jahresbeginn. Sie sind von bis zu 10.000 Zulieferern abhängig. Diese sind ihrerseits wieder von weiteren Zulieferern abhängig. Das Prinzip just-in-time, d. h. ohne Lagerhaltung mit höchstens einer Tagesreserve auszukommen, kann bei einer globalisierten Wirtschaft sehr schnell zur Gefahr werden: Fällt ein Zulieferer aus, steht die ganze Produktion still. Ein völlig unwägbarer Bereich ist der militärische. Hier kann man nur hoffen, dass durch Computerfehler kein Frühwarnsystem ausgelöst wird und irgendwelche Raketen losschießen. Selbst wenn also nichts passiert, zeigt sich doch daran die Anfälligkeit bzw. Verwundbarkeit des ganzen Systems.

Es gibt auch noch weitere Bereiche, in denen es aufgrund des Jahrtausendwechsels in den Computern und Chips zu Problemen kommen kann. So können z. B. Aufzüge stehen bleiben, weil der Computer annimmt, die Wartung sei überfällig. Dies alles könnte, aber muss natürlich nicht eintreten. Das Schlimme daran ist, dass niemand garantieren kann, ob alle Computer wirklich rechtzeitig "Jahr-2000-fähig" sind.

Ist Vorsorge notwendig?
 

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Ein weiterer Aspekt: Aus der Computertechnik der Vergangenheit kommen jetzt Fehler zum Tragen und verursachen ein Vielfaches der Kosten und Aufwendungen, die entstanden wären, wenn man es gleich richtig gemacht hätte.

Ähnlich ist es wohl mit unserer eigenen "Vergangenheits-Bewältigung". Wenn wir unsere Vergangenheit bereinigen und keine "Leichen mehr im Keller" haben, können wir zuversichtlich in das nächste Jahrtausend gehen. Dann entwickeln wir uns aus dem globalen Spinnennetz und seinen Auswirkungen heraus.
 

Weltwirtschaft

"Meine Untersuchungen haben ergeben, dass wir mit 70 %-iger Sicherheit auf eine globale Rezession zusteuern, die mit der Ölkrise von 1973 und 1994 vergleichbar ist."

(Ed Yardeni, Chefvolkswirt Deutsche Bank Securities, New York)


 



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