Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 5/99

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Österreich

Konkordat in Frage gestellt

Der Vertrag zwischen dem Vatikan und Österreich, das Konkordat von 1933, wird zunehmend in Frage gestellt. Der jüngste Anlass ist das Vorpreschen einiger Bischöfe in der Abtreibungsfrage, die sich für eine Abschaffung der auch in Österreich geltenden Fristenlösung aussprachen. Die Kirche könne sich selbstverständlich zu solchen Fragen äußern, kommentierte das Magazin Profil (Nr. 4/1999, "Das Kreuz mit dem Staat").

Aber dann - so der Tenor von Profil - "bitteschön" als eine Stimme von vielen und nicht als privilegierte Institution, die staatliche Vorrechte noch zuhauf genießt:

  • Die Kirche darf Kruzifixe in sämtlichen Schulen und Gerichtsgebäuden aufhängen.

  • Sie darf die Kinder in den staatlichen Schulen in Religion unterrichten - und der Staat bezahlt diesen Unterricht.

  • Der Staat bezahlt außerdem die katholischen Privatschulen (3,5 Mrd. Schilling jährlich für die Lehrkräfte), die theologischen Universitäten, die kirchliche Denkmalpflege

  • Und er hilft der Kirche bei der Eintreibung des Kirchenbeitrag (6 Mrd. Schilling jährlich), indem er sämtliche Daten zur Verfügung stellt.

  • Außerdem zahlt der Staat jährlich 500 Millionen Schilling an die Kirchen als "Wiedergutmachung" für während der NS-Zeit eingezogenen Kirchenbesitz. Ob dieser Besitz auf rechtmäßige Weise zustande kam, danach fragt kaum jemand.

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Zwar ist Österreich nach langen Kämpfen nicht mehr so klerikal wie in den 20er Jahren, als ein Prälat (Ignaz Seipel) Bundeskanzler, ein späterer Kardinal (Theodor Innitzer) Sozialminister und ein hoher Ordensmann (Johann Nepomuk Hauser) Landeshauptmann von Oberösterreich war. Doch noch immer ist die Verflechtung von Kirche und Politik sehr stark: Zehn von elf Nachkriegs-Parteiobmännern der Volkspartei waren vor diesem Amt in katholischen Laienorganisationen tätig. Ein Kommentator plädierte nun in Profil dafür, dass "Kirche und Staat auf moderne Weise getrennt werden."

Lesen Sie auch:
So reich ist Österreichs Kirche in Nr. 11/1998


 



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