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Großbritannien: Frankensteins own country?
Gen-Kartoffeln
lassen Gehirne von Ratten schrumpfen
Großbritannien wird derzeit von
einem Gentechnik-Skandal erschüttert, der auch die Regierung in Mitleidenschaft zieht.

Ratten werden sehr häufig für Tierversuche
"verbraucht"
Zunächst wurde bekannt, dass das staatliche Rowett-Institut den aus Ungarn
stammenden Wissenschaftler Arpad Pusztai fristlos entlassen hat, weil er vor möglichen
Gefahren der Gentechnologie gewarnt hatte. Pusztai hatte Ratten mit genveränderten
Kartoffeln gefüttert und festgestellt, dass deren Organe und Gehirne schrumpften und ihre
Immunabwehr geschwächt war. Den Kartoffeln hatte man ein
"Schneeglöckchen-Lektin" eingebaut - einen Eiweißstoff, mit dem sich
Schneeglöckchen gegen Insekten schützen.
Dieser Stoff schädigt, für
sich genommen, die Ratten kaum. Wird er gentechnisch in eine Kartoffel eingebaut, so
treten plötzlich Schäden auf, die Pusztai selbst nicht erwartet hatte: Er unternahm die
Versuche, um die Unbedenklichkeit dieser Nahrung nachzuweisen. Doch er ging gründlicher
vor, als in der Branche üblich - und besaß auch noch die Stirn und das
Verantwortungsbewusstsein, seine Ergebnisse öffentlich zu kommentieren: Er warne davor,
die britischen Konsumenten zu "Versuchskaninchen" zu machen.
Das kostete ihn seinen Job und fast
seinen Ruf, denn ihm wurde "unwissenschaftliches Arbeiten" vorgeworfen. Erst
heute, ein halbes Jahr nach seinem Hinauswurf, wurde Pusztai von über 20 Kollegen
öffentlich rehabilitiert.
Dann erfuhr die Öffentlichkeit,
dass das Rowett-Institut unter anderem "Fördergelder" vom Chemie-Riesen
Monsanto erhält, der weltweit die Gentechnologie propagiert und vorantreibt. Diese Gelder
machen nach Aussage des Instituts allerdings weniger als 1 Prozent seiner Einnahmen aus.
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Schließlich kam noch heraus, dass der britische
Wissenschaftsminister Lord Sainsbury bis zu seinem Amtsantritt Anteile an
Biotechnologiefirmen besaß, die er heute von einem Treuhänder verwalten
lässt. Nach
Aussage des Südkuriers besitzt Sainsbury sogar "die weltweiten Patentrechte
über genau das Gen, das derzeit in der Diskussion ist."
Kein Wunder,
dass die Briten immer
weniger Lust auf Gen-Food, auf genveränderte Nahrung haben. In der Presse wird sie meist
als "Frankenstein-food" bezeichnet. Da hilft es wenig, wenn Premierminister Tony
Blair öffentlich verkündet, er würde bedenkenlos genveränderte Nahrung essen. Der Guardian
führte als Hintergrund für die kulinarischen Neigungen des Premiers an,
dass die
regierende Labour-Partei Gentechnik-Firmen finanzielle Anreize geboten habe, um ihre
Unternehmungen in England weiter auszubauen. Außerdem arbeitet der frühere PR-Stratege
von Labour, David Hill, heute als Medienberater bei Monsanto.
Inzwischen fordert sogar die Konservative Partei, drei Jahre lang keine
weiteren gentechnisch veränderten Organismen zuzulassen, bis genauere
Untersuchungsmethoden entwickelt sind.
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