Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 6/99

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Jugendliche berichten

Kli-Kla-Klamotten
oder: »Das morgendliche Kleidergrauen«

Jeden Morgen dieselbe Frage: Was soll ich bloß anziehen? Leicht hat's der, der gerade nur eine halbwegs saubere Hose und einen Pulli im Schrank hat. Dem bleibt sie erspart, die Qual der Wahl. Heute zum Beispiel: Die schwarze Hose mit Hemd und Weste? Zu brav.

Wieso hab ich bloß keine In-Klamotten parat? 70-er Kram oder was Altes, Halbzerschlissenes? Okay, dann das kurze Jäckchen mit dem Pelzkragen! Ist cool. Aber zu kurz. Was tun mit den Fettschenkeln? Also doch lieber die gelbe Jeans! Die ist lässig, witzig, hat nicht jeder. Nur sieht die ein bisschen nach Spielhöschen aus. Dann halt dasselbe wie gestern: schwarze Hose, schwarzer Pulli, da kann man nix falsch machen.

Genauso abends: Kino und danach auf die Fete - was zieh ich an? Cool oder lässig? Praktisch, edel, ausgeflippt? Wer geht mit, wen treffe ich und was soll wer von mir halten? Das will alles berücksichtigt sein - denn Kleider machen nun mal Leute! Eine spannende Frage also, die Klamottenfrage. Denn in dem »Was soll ich anziehen?« steckt eine ganze Latte Gedanken, die in Sekundenschnelle durchs Hirn rasen: Klar sind das oft praktische Überlegungen - geh ich ins Theater oder auf die Baustelle - , aber oft ist es ein einziges Abwägen, was bestimmte Leute gut finden und was nicht. Ich bin dann nicht ich selber, sondern führe ein kleines Theaterstückchen auf, in der Hoffnung, recht viel Applaus für die tolle Kostümierung zu ernten.

Mit eigener Persönlichkeit oder mit Charakter hat das natürlich recht wenig zu tun. Zum Glück machen wir’s nicht immer so kompliziert: Manchmal gibt es am Morgen auch das sichere Gefühl »Heute muss es gelb sein«, und ich zieh die gelbe Hose an und fühl mich einfach nur wohl - egal, was irgendwer denkt. Und diese Tage laufen meistens opti, denn was ich anhabe, ist eben nicht Jacke wie Hose! Wenn ich mich wohl fühle in meinen Klamotten, spare ich mir schon mal die ständigen Gedanken darüber, wie doof ich aussehe und was andere Tolles anhaben. Ich bin selbstbewusster, zufrieden, bin in der Schule oder im Job bei der Sache, habe Ideen und kriege alles gut auf die Reihe. Es lohnt sich rauszufinden, was mir heute gefällt, unabhängig von anderen.

Hin und wieder eine kleine Investition in die eigene Garderobe zahlt sich aus, auch wenn man knapp bei Kasse ist. Ich spare mir dafür die Frust-Schokolade, die Trost-Pommes und die Heut-gönn-ich-mir-mal-was-CD. Langfristig gleicht sich das wieder aus.

Und noch was: Schon mal festgestellt, dass Kleider nicht nur Leute machen, sondern auch Gedanken, Verhalten, Gestik und das ganze Tagesgefühl beeinflussen? Damit zu experimentieren ist eine spannende Sache: Wie fühl' ich mich in meinen Uralt-Jeans, wie in einem edleren Teil? Wie sitze ich am Tisch, wenn ich was Feineres anhabe, und wie lümmle ich herum, wenn ich im Schlafanzug frühstücke? Interessant auch: In Turnschuhen und lässigen Jeans kommen die coolen Sprüche leichter über die Lippen und meine Tendenz, den anderen voll zu labern, steigt enorm. Und renne ich ausschließlich im Einheits-Look herum und dem Modetrend hinterher, dann orientiere ich mich auch in Meinungen und Ansichten eher an der Masse und mache mir keine eigenen Gedanken.

So wie ich denke, so kleide ich mich - und andersherum hat das Äußere einen Einfluss auf die Gedanken, das Lebensgefühl und das Verhalten. Test it!

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Logisch macht eine edle Hose über Nacht keinen edlen, charakterstarken Menschen aus mir, aber sie kann helfen, das Edle und Charakterstarke, das jeder Mensch in sich hat, mal anzukitzeln - herausholen muss man's dann selber!

Aus der Zeitung »Der geistige Revolutionär Christus«, Zeitung von jungen Urchristen. Die Zeitung erscheint ca. alle 2 Monate, ist kostenlos und kann bestellt werden. Die Adresse: Max-Braun-Straße 4, 92828 Altfeld, www.revo.org


 



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