Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 6/99

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Wer ist schuld an der "weißen Sintflut"?

Das Klima kommt aus dem Rhythmus

Schon wenige Tage nach dem verheerenden Lawinenunglück im österreichischen Galtür, bei dem 38 Menschen starben, herrschte auf den Straßen der Alpen schon wieder reger Verkehr: Bettenwechsel. Die Lifte waren wieder in Betrieb. Ein Hotelier aus dem Paznauntal versuchte, der Katastrophe trotz der finanziellen Einbußen positive Seiten abzugewinnen: "Und wenn am Ende in den Köpfen bleibt, dass es in Ischgl bebt und kracht, dann ist das doch toll." Also alles wieder in Ordnung - und die Lawinen Schnee von gestern?

Die Alpen
"Der Berg ruft nicht mehr - der Berg kommt", sagen Naturschützer

Oder waren die Lawinenkatastrophen ein weiteres Anzeichen für einen globalen Klimawandel, der sich allmählich auch auf Mitteleuropa auswirkt? "Mehr Luftströmungen aus dem Westen", stellte der Klimaforscher Friedrich Wilhelm Gerstengarbe aus Potsdam in den Tagesthemen fest, bestimmen unser Klima heute. "Wir bekommen mehr feuchtere Luft und damit mehr Niederschläge." Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Bedingt durch eine allgemeine Erwärmung, so Gerstengarbe, treten diese Wetterlagen häufiger als früher im Winter auf, der dadurch feuchter wird. Gleichzeitig werden wir "höchstwahrscheinlich trockenere Sommer bekommen."

Auch der Klimageograf Rüdiger Glaser aus Würzburg rechnet in den kommenden Jahren mit "mehr nassen Wintern und trockenen Sommern", was die Hochwassergefahr erhöhen wird. Die ersten Auswirkungen dieser Klimaverschiebung bekamen in den letzten Jahren die Landwirte zu spüren: Im Sommer vertrocknete teilweise die Ernte auf dem Halm, im Herbst blieb dann nur wenig Zeit, um Getreide und Gemüse von den bereits nass geregneten Feldern hereinzubringen.

Im vergangenen Jahr konnte man noch aufatmen, weil das Klimaphänomen El niño, das weltweit den einen Dürre und Waldbrände, den anderen Überschwemmungen und Erdrutsche bescherte, Europa verschonte. Doch auch ein Land wie Ungarn, ohne hohe Berge und Meeresküsten, litt im letzten halben Jahr zweimal unter verheerendem Hochwasser und einmal unter extremen Schneemengen.

Aber waren die letzten Winter nicht teilweise auch kalt? Das passe durchaus ins Bild, sagt Prof. Gerstengarbe, " ... wenn wir einen Übergang von einem Klimaregime zum anderen haben. Und das erleben wir zur Zeit. Dann treten Extreme gehäuft auf, sowohl in die eine wie auch in die andere Richtung."

Die Extreme nehmen zu

Dies bestätigt auch der Klima-Geograf Hubert Nagl aus Wien: "Die Extremereignisse nehmen zu - sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität."

"Extreme"?! Nehmen die Extreme nicht auch unter den Menschen zu? Die Kluft zwischen arm und reich vergrößert sich immer mehr. Gleichzeitig mit der Angst vor Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Depression vergrößert sich die Fluchtbewegung in das kurze Vergnügen. Hunderttausende drängen sich in den völlig überlaufenen Bergen oder an dicht belegten Stränden. Dabei sucht ein Großteil von ihnen weniger die Besinnung und Verbundenheit mit der Natur als vielmehr "Erlebnisse", kommerziell vorgefertigten Spaß. So ist es wohl kein Zufall, dass die hoch technisierte "Erlebnis- und Freizeitgesellschaft" zuerst in den Alpen an ihre Grenzen stößt. Ein sensibles Ökosystem wurde zum am stärksten besiedelten und industrialisierten Gebirge der Welt.

Ein Viertel des gesamten Welttourismus wird dort abgewickelt - mit einem Jahresumsatz von 90 Milliarden Mark. Das Straßennetz der Alpen, einschließlich der voll ausgebauten Almenwege, würde aneinandergereiht zehnmal um den Erdball herumführen. In schneearmen Wintern - und auch die wird es im Schaukelspiel der Extreme wieder geben - stehen mehr als 600 Schikanonen bereit, um mit hohem Energie- und Wassereinsatz künstlichen, mit Chemikalien versetzten Schnee zu versprühen. Ein Ende des Baubooms ist noch immer nicht abzusehen: 45 Natur verbrauchende Großprojekte wie Bergbahnen oder Skigebiete sind in den Alpen noch geplant, 22 Wasserkraftwerke und Stauseen sowie 49 Fernstraßen.

Und wenn die Schneegrenze, wie von Klimaforschern angekündigt, mittelfristig steigt, so dass Skifahren erst in Gebieten oberhalb einer Höhe von 1500 bis 2000 Metern möglich sein wird, dann erwarten die Experten, so Die Woche, nicht etwa ein Umdenken, sondern einen neuen Bebauungsschub "in noch höhere, gefährlichere und ökologisch sensible Gletschergebiete etwa."

Der Bergwald, der den Schnee festhalten könnte, ist teilweise abgeholzt worden, teilweise überaltert, weil sich seine Pflege nicht mehr rentiert, und außerdem durch Luftschadstoffe und Wildverbiss dezimiert. "Der Zustand der Schutzwälder in Tirol ist alarmierend schlecht", sagte ein Lawinenforscher im Bayerischen Fernsehen. "Er ist morsch wie ein alter Mensch." Wie mögen wohl die Bäume und die Tiere des Waldes, die auf immer kleinere Flächen zusammengedrängt werden, uns Menschen sehen? Vielleicht als Wesen mit morschen Charaktereigenschaften, die ihnen und auch sich selbst viel Leid zufügen?

Respekt verloren

Der Mensch hat den Blick für die Natur weitgehend verloren. "Wir wissen gar nicht mehr, wie gefährlich es in den Bergen ist", sagt der Bergsteiger Reinhold Messner gegenüber News. "In Horden fühlen sich alle zu sicher. Als einzelner merkt man die Bedrohung in der Natur viel eher."

Die Natur fordert den Respekt zurück, der ihr zusteht und den der Mensch weitgehend verloren hat. Als Hannibal im Jahre 218 v. Chr. die Alpen mit seinen Elefanten überquert, kommen von 38 000 Soldaten die Hälfte um. Damals waren die Alpen unwirtlich und fast unpassierbar. Werden sie es eines Tages wieder? Mit den Alpengletschern schmelzen die Süßwasserreserven, die bisher Großstädten in Alpennähe wie München, Salzburg oder Wien die Lebensgrundlage sichern. Und der bisher in vielen Bereichen fest gefrorene Untergrund weicht auf, die geschwächten Wälder können ihn nicht mehr halten - und die Überreste der letzten Eiszeit, die noch längst nicht durch die Wasserläufe aus den Alpen herausgeschafft sind, kommen vermehrt in Bewegung.

"Die Menschen sitzen auf Zeitbomben", warnte der Göttinger Geographieprofessor Matthias Kuhnle bereits 1997. Als im Sommer 1998 die Brennerautobahn durch einen Erdrutsch unpassierbar wurde, wobei fünf Urlauber starben, sagte Hubert Weiger vom Bund Naturschutz: "Der Berg ruft nicht mehr, der Berg kommt."

Lawinenunglück

Mit einer Lawine rechnete hier niemand.

Doch er kommt nicht ohne Vorwarnung, so wie auch die Lawinen im Paznauntal vorhergesagt wurden. Der Tiroler Meteorologe Erhard Berger hatte schon drei Tage, bevor die Lawinen auf Galtür niedergingen, vor drei Meter Neuschnee und einer, so wörtlich, "katastrophalen Situation" gewarnt. Die Behörden gaben diese Warnung nicht an die Urlauber weiter. Die Karten mit den eingezeichneten Lawinen-Gefahrenzonen, so Frontal, blieben in den Schubladen der Rathäuser.

Eine Evakuierung unterblieb, weil man schließlich "nicht halb Tirol evakuieren konnte", so der Landeshauptmann. Und die örtlichen Behörden in Galtür und Ischgl, die um Rücksprache gebeten wurden, gaben optimistische Lageberichte. In Galtür genehmigte man sogar ein Straßenfest. Auf dem Heimweg wurden dann zahlreiche Urlauber von einer Lawine verschüttet - die Ortsstraße, so Frontal, verläuft an einigen Stellen durch die gelbe Gefahrenzone. Dort müsste man bei Lawinengefahr eigentlich in den Häusern bleiben.

Wer ist schuld?

Sind nun die Behörden schuld? Oder diejenigen, die es aus Profitinteresse zuließen, dass aus einem "Gebirgsidyll" (so Hemingway 1927 über Galtür) ein Fremdenverkehrsort wurde, in dem im Winter fünfmal soviel Gäste wie Einwohner leben? Und das ist bei weitem noch keine Spitzenzahl. Oder hat nicht jeder seinen kleineren oder größeren Anteil an der Zerstörung und Zersiedelung der Natur, der sie gedankenlos benützt?

Oder ist es die Natur, die "zurückschlägt", sind die Lawinen die "weiße Rache der Berge", die "weiße Sintflut", wie der Spiegel schreibt? Wir neigen oft dazu, der Natur "menschliches Denken" zu unterstellen. Und doch: Ist es nicht ein Symbol für das Gesetz von Saat und Ernte, wenn sich erst Wolken, dann Schneemassen zusammenballen, wenn sich sämtliche künstlichen Verbauungen und Lawinenzäune füllen und doch nicht verhindern können, dass die Lawine alles niederwalzt? "Wie überreife Früchte hängen die Schneemassen derzeit in den Bergen", lesen wir in der Süddeutschen Zeitung.

Der Vergleich mit der Sintflut, den der Spiegel bringt, könnte uns also nachdenklich machen: Die Sintflut ist nach biblischem Verständnis eine Sündflut. Auch heute ist es nicht einfach das "blinde Wüten" der Natur, das uns durch die sich häufenden Naturkatastrophen zusetzt. Die von Menschen gesetzten Ursachen sind inzwischen mit Händen zu greifen, im vorliegenden Fall: Die globale Aufheizung der Atmosphäre durch eine naturwidrige Zivilisation und die Überstrapazierung der Alpenregion durch eine hemmungslose Freizeitindustrie.

Doch die äußeren Kausalitäten sind nur das Abbild einer geistigen Dimension: des Gesetzes von Saat und Ernte, das der Sintfluterzählung der Bibel zugrunde liegt und das Jesus von Nazareth lehrte. Der Mensch, der die kosmische Ordnung stört, bekommt die Unordnung zu spüren. Als er sein wollte wie Gott, verlor er seine geistige Heimat (biblisch gesprochen: das Paradies); seit er gegen seinesgleichen Kriege führt, verlor er die Liebe und erntete Hass; seit er auch noch die Natur zerstört, droht ihm der Verlust seiner irdischen Heimstatt.

Jeder von uns ist an diesem Niedergang mehr oder weniger beteiligt. Nicht nur die Kriegsherren, die mit Waffengewalt zuschlagen, sondern auch der "brave Bürger", der nur mit Gedanken zuschlägt, wenn ihm sein Nachbar missfällt; nicht nur die Feuerwerker, die ganze Tropenwälder in Rauch aufgehen lassen, sondern auch die "Naturliebhaber", die sich für jeden Berggipfel eine Seilbahn wünschen. Wir alle sind mit unseren Gefühlen, Gedanken, Worten und Taten für die Aura und das Schicksal dieser Erde mitverantwortlich, genauso wie für unser eigenes Schicksal. Nicht der unerfindliche Ratschluss eines "strafenden Gottes" führt uns in Unglück und Not, sondern wir selbst sind es, die Warnungen missachten -Warnungen der Natur ebenso wie Warnungen unseres Gewissens - und dann unter die Räder kommen.

Es gibt keine Zufälle, gleich ob ein Zug entgleist oder eine Lawine ins Tal donnert. Wir wissen nicht, warum gerade diesen oder jenen das Schicksal einer schweren Krankheit oder eines Unfalls trifft, und es steht uns nicht zu, darüber selbstgerecht zu spekulieren. Vielleicht trifft uns morgen ein ähnliches Unglück.

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Wir können nur die Unordnung, die all dem zugrunde liegt, ins Auge fassen, um sie zu bereinigen. Im Äußeren durch die Beendigung des Krieges gegen die Natur und unter den Menschen. Im Inneren durch die Läuterung unserer Gedanken gegenüber unserem Nächsten, den wir um Verzeihung bitten, wenn wir ihn verletzten und dem wir vergeben, wenn er uns Unrecht tat.

Die Rezepte für eine Wiedergewinnung der Einheit mit der Natur, der Harmonie mit den Menschen und der Verbindung zu Gott sind in der Bergpredigt des Jesus von Nazareth und in den Zehn Geboten enthalten. Jeder von uns kann im Kleinen täglich dazu beitragen, dass die Dinge sich zum Besseren wenden.

Äußere Reisen und die innere Reise

Wir Menschen wollen die Berge besteigen, wollen von oben das Panorama sehen - doch selten haben wir den Wunsch, nach innen zu wandern, um das große Innere Leben zu ergründen, das mit den Bildern unserer äußeren Wünsche nicht vergleichbar ist.

Das bedeutet: Wir wollen unserer Seele nicht das große Bewusstseinslicht angedeihen lassen, das es ihr - dann, wenn unser Körper tief schläft - ermöglicht, in lichte Reiche zu gehen, um dort Gottes Kraft und Gottes Liebe aufzunehmen, um diese dem Körper zu übertragen, wenn dieser am Morgen erwacht.

Solange unser Herz unruhig ist und unsere Seele noch nicht die Weiten der Unendlichkeit aufzusuchen vermag, streben wir nach äußeren Vergnügungen und nach möglichst immer mehr, immer mehr. Kaum sind wir vom Urlaub zurück, planen wir schon den nächsten. Doch das innere Reiseziel planen wir selten.

Jeden Morgen wäre eine Planung für das innere Reiseziel gut, z.B. um friedvoller und glücklicher zu werden durch die tägliche schrittweise Erfüllung der Zehn Gebote Gottes, indem wir auch mit unserem Nächsten Frieden halten, mit ihm und für ihn sind, unsere Arbeit gewissenhaft erfüllen und den Tag für unser Dasein auf Erden gewissenhaft nützen.

(Aus dem Buch: "Der Tag - Dein Freund", Band 2, 16,50 € / SFR 28,30, S.172 f.; Verlag DAS WORT, Tel. 09391/504-135
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.
cgi?article=s327de&type=desc&rtopic=bewusstesleben)

 

Der Turm von Siloah

Jesus von Nazareth wurde einmal gefragt, wie es um die Schuld derer steht, die bei einem Unglück ums Leben gekommen sind. In der Bibel sind Seine Worte wie folgt überliefert:

"Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm von Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen."

(Lukasevangelium 13, 4-5)


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In der Internetausgabe des WEISSEN PFERDES findet sich noch ein zweiter Artikel zum Thema:
Alarm in den Alpen: Warme Luft, auftauende Gletscher: Die Fundamente schmelzen dahin.

Lesen Sie auch die Bücher:
Katastrophen, Erdumwälzungen, Sterben - Gott hat rechtzeitig gewarnt
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=s445de&type=desc&rtopic=prophetie


Der Schattenwelt neue Kleider. Klimawandel: Gott hat rechtzeitig gewarnt
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=s449de&type=desc



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Fernsehtipp
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