Ein Diktator hilft dem
anderen
Papst Johannes Paul II.,
das Opus Dei und
General Pinochet
"Ich habe für den Senator
gebetet und bete für ihn, weil es eine Person ist, die leidet." Kardinal Jorge
Medina Estévez, Präfekt der päpstlichen Kongregation für Gottesdienst und Sakramente,
meinte mit diesen Worten den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet. Seit einem
Vierteljahr wird er in London festgehalten. Die englische Justiz wird entscheiden, ob er
nach Spanien ausgeliefert wird oder nicht.
Kardinal Medina stammt aus Chile und war dort bis 1996 Bischof von
Valparaiso. Während der Militärdiktatur in Chile zwischen 1973 und 1990 wurden mehr als
3000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. Doch kein Bischof, kein Vertreter des
Vatikans trat damals für die Menschen ein, die wohl mehr zu leiden hatten als der
84jährige General, der jetzt in einer Londoner Villa auf eine Gerichtsentscheidung
wartet.
Die Zurückhaltung des Vatikans in jenen Jahren lag aber nicht daran,
dass
Chile dem Vatikan gleichgültig gewesen wäre - im Gegenteil: Der Putsch von General
Pinochet gegen die rechtmäßig gewählte Regierung Salvador Allendes wäre ohne die Hilfe
des katholischen Geheimbundes Opus Dei gar nicht denkbar gewesen.

"Alte Freundschaft rostet nicht":
Papst
Johannes Paul II. und General Pinochet
Das Opus Dei wurde 1928 in Spanien gegründet und übernahm nach dem
Bürgerkrieg Schlüsselpositionen in der Diktatur Francos. Seit etwa 1950 rekrutierte der
katholische Geheimbund auch in Chile Tausende von Anhängern und sicherte sich wichtige
Stellen im Medien- und Bildungsbereich, so Robert Hutchison in seinem Buch
Die
heilige Mafia des Papstes. Den Vertretern des Opus war die Politik des
Christdemokraten Frei zu armenfreundlich. In den Räumen des Opus-Dei-nahen und vom
amerikanischen Geheimdienst CIA finanzierten "Instituts für Allgemeine
Studien", so Hutchison weiter, wurde der Sturz Allendes geplant.
Der Pressesprecher des durch den blutigen Putsch an die Macht gekommenen
Pinochet war ebenso ein Opus-Dei-Mann wie sein Außenminister und drei
aufeinander folgende
Bildungsminister.
Papst Johannes Paul II. besuchte Chile im Jahr 1988. Er spendete dem
Diktator eigenhändig die Kommunion, besuchte ihn in seinem Palast und ließ sich mit ihm
und zahlreichen Generälen und Bischöfen auf dem Balkon fotografieren. Mit von der Partie
war damals auch der Nuntius des Vatikans in Chile, Angelo Sodano. Der ist heute
Kardinalstaatssekretär und damit sozusagen Außenminister des Vatikans und zweiter Mann
in der vatikanischen Hierarchie nach dem Papst. Auch Sodano steht dem Opus Dei nahe. Und
Sodano war es, so die spanische Zeitung El país, der vor kurzem am Sitz des Opus
Dei in Rom, in der Villa Tèvere, einen Brief des Vatikans an die englische Regierung
vorbereitete. In diesem Schreiben ersuchte der Vatikan darum, den Ex-Diktator
freizulassen, dem in Spanien eine Anklage wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit
droht. "Alte Freundschaft rostet nicht", kommentierte das
Main-Echo.
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