Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 6/99

abstand.gif (36 Byte)
Ein Diktator hilft dem anderen

Papst Johannes Paul II.,
 das Opus Dei und
General Pinochet

"Ich habe für den Senator gebetet und bete für ihn, weil es eine Person ist, die leidet." Kardinal Jorge Medina Estévez, Präfekt der päpstlichen Kongregation für Gottesdienst und Sakramente, meinte mit diesen Worten den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet. Seit einem Vierteljahr wird er in London festgehalten. Die englische Justiz wird entscheiden, ob er nach Spanien ausgeliefert wird oder nicht.

Kardinal Medina stammt aus Chile und war dort bis 1996 Bischof von Valparaiso. Während der Militärdiktatur in Chile zwischen 1973 und 1990 wurden mehr als 3000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. Doch kein Bischof, kein Vertreter des Vatikans trat damals für die Menschen ein, die wohl mehr zu leiden hatten als der 84jährige General, der jetzt in einer Londoner Villa auf eine Gerichtsentscheidung wartet.

Die Zurückhaltung des Vatikans in jenen Jahren lag aber nicht daran, dass Chile dem Vatikan gleichgültig gewesen wäre - im Gegenteil: Der Putsch von General Pinochet gegen die rechtmäßig gewählte Regierung Salvador Allendes wäre ohne die Hilfe des katholischen Geheimbundes Opus Dei gar nicht denkbar gewesen.

   b_9906papst.jpg (2938 Byte) b_9906pinochet.jpg (1614 Byte)

"Alte Freundschaft rostet nicht":
Papst Johannes Paul II. und General Pinochet

Das Opus Dei wurde 1928 in Spanien gegründet und übernahm nach dem Bürgerkrieg Schlüsselpositionen in der Diktatur Francos. Seit etwa 1950 rekrutierte der katholische Geheimbund auch in Chile Tausende von Anhängern und sicherte sich wichtige Stellen im Medien- und Bildungsbereich, so Robert Hutchison in seinem Buch Die heilige Mafia des Papstes. Den Vertretern des Opus war die Politik des Christdemokraten Frei zu armenfreundlich. In den Räumen des Opus-Dei-nahen und vom amerikanischen Geheimdienst CIA finanzierten "Instituts für Allgemeine Studien", so Hutchison weiter, wurde der Sturz Allendes geplant.

Der Pressesprecher des durch den blutigen Putsch an die Macht gekommenen Pinochet war ebenso ein Opus-Dei-Mann wie sein Außenminister und drei aufeinander folgende Bildungsminister.

Papst Johannes Paul II. besuchte Chile im Jahr 1988. Er spendete dem Diktator eigenhändig die Kommunion, besuchte ihn in seinem Palast und ließ sich mit ihm und zahlreichen Generälen und Bischöfen auf dem Balkon fotografieren. Mit von der Partie war damals auch der Nuntius des Vatikans in Chile, Angelo Sodano. Der ist heute Kardinalstaatssekretär und damit sozusagen Außenminister des Vatikans und zweiter Mann in der vatikanischen Hierarchie nach dem Papst. Auch Sodano steht dem Opus Dei nahe. Und Sodano war es, so die spanische Zeitung El país, der vor kurzem am Sitz des Opus Dei in Rom, in der Villa Tèvere, einen Brief des Vatikans an die englische Regierung vorbereitete. In diesem Schreiben ersuchte der Vatikan darum, den Ex-Diktator freizulassen, dem in Spanien eine Anklage wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit droht. "Alte Freundschaft rostet nicht", kommentierte das Main-Echo.

Inhalt Ausgabe 6/99
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Laut Robert Hutchison war das Opus Dei, das der jetzige Papst kräftig fördert, schon 1966 in den Putsch des Generals Onganía in Argentinien verwickelt und später an der Rückkehr des populistischen Diktators Perón beteiligt. Auch in der Zeit der wechselnden argentinischen Militärdiktaturen in den 70er Jahren verschwanden Zehntausende von Menschen. In der Armee war Gottesdienstbesuch Pflicht. "Die Militärkapläne wurden von den Offizieren um Rat gefragt, wie denn die Gefolterten möglichst ‘sündenfrei’ zu beseitigen seien", berichtet die linkskatholische Zeitung Publik-Forum. "Nicht zuletzt auf priesterlichen Rat kam die Praxis auf, die zu Tötenden betäubt ins Meer zu werfen. Denn so litten die Opfer am wenigsten." (Mehr dazu hier)

Auch damals war ein Opus-Dei-Mann Nuntius in Argentinien: Pio Laghi. Er verfügte über beste Kontakte zu den Militärregierungen. Und auch Pio Laghi machte Karriere: Er ist heute stellvertretender Präfekt der Kongregation für die katholische Erziehung. Und einer der einflussreichsten Männer im Vatikan.
 

Link:
Hintergründe zum Tod von Johannes Paul II., seinem Nachfolger Benedikt XVI. und zum Papsttum finden Sie bei http://www.theologe.de/theologe16.htm


 



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany

http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Tel. 09391 / 504 - 207, Fax - 210



Hit Counter