"Das Netz der Spinne ist
ihre Welt", lesen wir in dem Buch Ich Ich Ich Die Spinne im Netz.
Das Entsprechungsgesetz und das Gesetz der Projektion. "Wie
eine Spinne spinnen wir Menschen unser Netz, das Netz unserer
Entsprechungen, unserer Programme. Darin leben wir, es ist unsere
Ich-Welt, darin sind wir gefangen."

Zwischen dem Kriech-Bewusstsein
der Raupe ...
So fremd ist uns also die Spinne nicht. Auch wir Menschen sehen oft nicht
über das hinaus, was wir selbst aus uns gemacht haben - mit unserem Fühlen, Denken,
Sprechen und Handeln. Wir verstehen dann unseren Nächsten nicht, weil wir aus seinen
Worten nur das heraushören, was wir selbst noch sind. Wir reden dann auch nur von uns
selbst, auch wenn wir glauben, andere Menschen zu beschreiben.
Man könnte dieses Spinnennetz auch mit dem Kokon einer Raupe vergleichen:
Solange wir uns im Kokon unserer eigenen Entsprechungen befinden, können wir die Welt um
uns herum gar nicht so wahrnehmen, wie sie ist - der Kokon versperrt uns die Sicht! Erst
wenn wir uns aus diesem Kokon herausgearbeitet haben, können wir andere erfühlen und
erspüren.
Und wie kommen wir aus dem Kokon heraus? Auch dieses Bild sehen wir in der
Natur: Die Raupe hat das Programm, auf der Erde oder an einem Grashalm
entlang zu kriechen.
Dann spinnt sie sich ein und lebt einige Zeit in ihrem Kokon. Doch in ihrem Bewusstsein
ist etwas, das sie weiter drängt. Ein Aspekt der Entwicklung wird aktiv. Sie löst nicht
nur ihren Kokon auf, sondern sie legt auch das Raupenbewusstsein ab und wächst in das
Bewusstsein eines Falters hinein, der frei umherfliegen kann.
Am Beginn der Entwicklung steht also der Entschluss: Ich will nicht mehr
Raupe bleiben! Übertragen auf unser Leben heißt das: Wir schauen nicht nur auf unseren
Nächsten und sagen: "Du bist schuld an meinem Raupenschicksal". Wir werden
statt dessen unseren Anteil suchen: Wo sind die Fäden, mit denen wir uns eingesponnen
haben? Diese Fäden werden wir dann mit der Hilfe des Inneren Lichtes, das auch die Raupe
hat, lösen. Und so wird der Kokon immer durchlässiger. Plötzlich sehen wir weiter. Der
Kokon löst sich auf, indem wir unser Negatives mit der Hilfe Christi bereinigen.

... und dem frei fliegenden Bewusstsein des
Schmetterlings liegen die Umwandlungsprozesse des Inneren
Wir entwickeln auf diese Weise höhere Werte, positive
Charakter-Eigenschaften. Wir beginnen, in unseren Mitmenschen das Gute zu bejahen. Das
heißt nicht, dass wir dann an den Fehlern unseres Nächsten vorbeisehen. Wir können mit
unserem Nächsten auch über das weniger Gute sprechen, weil wir selbst ähnliche Fehler
erkannt und überwunden haben. Wir haben Verständnis.
Solange wir uns jedoch damit abfinden, eine Raupe zu sein, spinnen wir
immer weitere Fäden. Wir wollen zum Beispiel, dass unser Nächster unsere Meinung oder
unsere Vorstellung übernimmt und sich so verhält, wie wir es wünschen. Meine Meinung
ist ein Teil meines Kokons, meiner Fäden. Macht sich mein Nächster diese
Meinung zu eigen, um mir zu gefallen oder um von mir in Ruhe gelassen zu werden, dann
spinnt er gleichsam einen Faden von mir in seinen Kokon ein. Umgekehrt bin ich mit
beteiligt daran, dass er gegen seine Überzeugung denkt und handelt und dadurch
möglicherweise seinem Leben eine andere Richtung gibt, die ihn in Schwierigkeiten bringt.
Unsere Kokons sind also miteinander verwoben. Um so mehr Fäden gibt es später
aufzulösen.
Solange wir nur auf diesen Kokon blicken und sagen: "Das ist meine
Welt, da komme ich eben nicht heraus", so lange bleiben wir im Kokon. Auch der
Löwenzahnsame würde unter dem Asphalt bleiben, wenn er sich mit seinem
"Schicksal" abfinden würde. Aber er spürt in sich die Anlage, durch den
Asphalt hindurch zu brechen und die Sonne zu sehen.
Auch wir tragen solche Anlagen in uns: Güte, Sanftmut, Liebe, Freiheit,
Kraft und vieles mehr. Um sie zu entwickeln, brauchen wir Durchhaltevermögen. Denn auch
der Löwenzahnsame sagt nicht: "Wenn ich morgen mein Ziel nicht erreicht habe, wenn
ich morgen nicht durch den Asphalt hindurch gestoßen bin, dann lasse ich es sein." Er
hat das Ziel in sich, ein Löwenzahn zu werden und kein Same zu bleiben. Auch wir sollten
bedenken, dass wir unser Charakterbild über Jahre und Jahrzehnte, ja sogar, wenn wir die
Reinkarnation mit einbeziehen, über Inkarnationen aufgebaut haben. Nun müssen wir
zunächst die Fäden erkennen, die wir gesponnen haben. Wir finden sie mit der ehrlichen
Frage: Was fühlen wir? Wie denken wir? Wie reden wir? Und wie handeln wir? Dann können
wir uns entscheiden, ob wir so weiterleben wollen wie bisher oder nicht. Im Buch
Ich
Ich Ich - die Spinne im Netz lesen wir: "Wer Gott in seinen
Charaktereigenschaften, in seiner ganzen Denkwelt die Ehre gibt, in dem erwacht die
Gottes- und Nächstenleibe. Solche Menschen stehen auf dem Boden der Tatsachen. Sie sind
standfest, klar, aufrecht und aufrichtig. Es sind jene Menschen, die fähig sind, in
schwierigen Situationen Antworten und Lösungen zu finden und alles zum Guten zu
wenden."