Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 7/99

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Die katholische Kirche, die Judenverfolgung und Adolf Hitler:

"Wir setzen fort
das Werk der Kirche
"

Adolf Hitler war Mitglied der römisch-katholischen Kirche und zahlte bis an sein Lebensende seinen "Kirchenbeitrag", d. h. Kirchensteuer. Als junger Mann stand Hitler unter dem Einfluss der von der katholischen Kirche unterstützten Christlichsozialen Partei Österreichs. Obwohl er zeitlebens von Martin Luther fasziniert war (Wir berichteten in Nr. 4 und Nr. 5), hält er der römischen "Mutterkirche" als Mitglied die Treue. Die Judenverfolgung versteht er später als eine Fortsetzung des "Werkes der Kirche".

Österreich ist vor dem 1. Weltkrieg ein Vielvölkerstaat mit konfessionellen Spannungen und Kämpfen. Der Antisemitismus jedoch ist eine Gemeinsamkeit von Katholiken und Evangelischen. Die Katholiken formieren sich damals vor allem in der Christlichsozialen Partei, die sich bis 1893 "Die Antisemiten" nannte. Und auch nach der Umbenennung behält sie den ursprünglichen Namen intern bei.

Judenverfolgung 1850

Kirchliche Amtsträger wiegeln auf, Bürger stechen zu
 - Karikatur zur Judenverfolgung aus dem Jahr 1850

Der bekannteste christlich-soziale Politiker dieser Zeit ist der Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Zum Umgang mit Juden erklärt das katholische Stadtoberhaupt im österreichischen Reichstag in Wien provozierend, es sei ihm "gleichgültig, ob man die Juden henkt oder köpft". Und das von den Christlichsozialen finanzierte Bukowinaer Volksblatt schreibt, dass man "eine Zacherlinspritze [Zacherlin ist ein Insektenvertilgungsmittel] gegen die Juden erfinden" müsse.

Die Politik Dr. Luegers hat die volle Unterstützung der katholischen Kirche Österreichs, die den Antisemitismus immer wieder schürt und dafür auf zahlreiche Lügen der Kirchengeschichte zurückgreift. Dazu gehören die angeblichen jüdischen Ritualmorde, die in früheren Jahrhunderten schon als Grund für Judenverfolgungen herhalten mussten. Brigitte Hamann schreibt in ihrem Bestseller Hitlers Wien: "Führend in der Verbreitung vieler Schauermärchen waren katholische Geistliche, die auch die nötige Literatur beisteuerten." Und: "Da auch Pfarrer von den Kanzeln herab den Antisemitismus predigten und den ´Abwehrkampf`` gegen die Juden als richtig und notwendig darstellten, sahen Luegers Anhänger immer weniger Unrecht darin, diese ´Gottlosen` zu schikanieren" (Hitlers Wien, S. 413.415). Der Wiener Bürgermeister setzt sich im Gegenzug sehr für die katholische Kirche ein. Brigitte Hamann schreibt: "Lueger wiederum rief zum stärkeren Kirchenbesuch auf und umgab sich bei seinen öffentlichen Auftritten mit Vorliebe mit Geistlichen und Nonnen" (S. 419).

Dr. Karl Lueger, Wien
Wiens damaliger katholischer Bürgermeister Dr. Karl Lueger: "Gleichgültig, ob man die Juden henkt oder köpft."

Adolf Hitler ist von Dr. Lueger und seiner Politik beeindruckt. Allerdings stören den späteren Führer bei Lueger und den Christlichsozialen die einseitige Ausrichtung auf die katholische Kirche, "die Bindungen an den Klerus". Denn Hitler dachte nicht in Konfessionen, sondern konfessionsübergreifend, heute würde man sagen "ökumenisch". In Mein Kampf missbilligt er die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Evangelischen und ruft dazu auf: "Darum sei jeder tätig, und zwar jeder, gefälligst, in seiner Konfession." So hält er es auch selbst. Trotz seiner lebenslangen Verehrung für Martin Luther bleibt Adolf Hitler "von der Wiege bis zur Bahre" römisch-katholisch und preist den Nationalsozialismus als ökumenische Bewegung. Hitler wörtlich: "Es konnte in den Reihen unserer Bewegung der gläubige Protestant neben dem gläubigen Katholiken sitzen, ohne je in den geringsten Gewissenskonflikt mit seiner religiösen Überzeugung geraten zu müssen." Katholiken und Evangelische sollen nach dem Willen Hitlers einander achten und schätzen und gemeinsam gegen den jüdischen Feind kämpfen (70. Auflage, München 1933, S. 628ff.).

Hitler gelingt schließlich etwas, was es bis dahin in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben hatte: Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche stehen hinter ihm und seiner antisemitischen Politik.

Während die Evangelische Kirche in der Weimarer Republik den Aufstieg der NSDAP an die Macht tatkräftig fördert, lehnen die katholischen Bischöfe die Mitgliedschaft in der NSDAP zunächst noch ab. Sie unterstützen dafür die rein katholische Zentrumspartei. Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Nazis ändert sich jedoch, als der neu gewählte Reichskanzler Hitler am 23.3.1933 der Kirche in seiner Regierungserklärung die "Unverletzlichkeit des katholischen Glaubens" zusichert.

Bereits wenige Wochen später koordinieren die Nazis mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche das Verbot anderer Glaubensgemeinschaften wie der Zeugen Jehovas, die in den folgenden Jahren zu Hunderten ermordet werden. Und am 20.7.1933 schließt Nazi-Deutschland mit der katholischen Kirche ein Konkordat ab, das der Kirche umfangreiche Privilegien zugesteht. Dazu gehören kirchliche Selbstverwaltung, eigene Gesetzesvollmacht, katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen und der staatliche Schutz der katholischen Verbände und Vereine. Im Gegenzug erkennt der Vatikan als erster Staat Nazi-Deutschland in vollem Umfang völkerrechtlich an.

Kirchliche Amtsträger schüren unterdessen weiter den Antisemitismus bzw. befürworten eine Verfolgungsmaßnahme nach der anderen. Die Weichen für den Holocaust an den Juden sind gestellt. Und ein Blick in die Konzils- und Synodengeschichte der Kirche gibt Hitler recht, wenn er im Hinblick auf die Judenverfolgung an Papst Pius XII. schreibt: "Wir setzen fort das Werk der Katholischen Kirche" (zit. nach Wochenpost, 12.4.1995;  einzelne Synodenbeschlüsse sind in der Schrift "Die evangelische Kirche und der Holocaust" mit eingearbeitet). Und bei anderer Gelegenheit rechtfertigt Hitler die Judenverfolgung mit den Worten, "dass er gegen die Juden nichts anderes tue als das, was die Kirchen in den 1500 Jahren gegen sie getan habe" (zit. nach Friedrich Heer, Gottes erste Liebe, Berlin 1981, S. 406).

Katholische Bischöfe beim Hitlergruß

Katholische Bischöfe, hochrangige Nazis,
Minister Goebbels: Privilegien für die Kirche

Dass die Nazis später ihre Ideologie von den kirchlichen Wurzeln abzukoppeln versuchen, kommt den beiden Großkirchen sehr gelegen. In der Nachkriegszeit wird nämlich eine Legende vom "Widerstand" der Kirche gestrickt und dafür das Zeugnis von Einzelnen für die Kirche als Ganzes vereinnahmt.

Unmittelbar nach 1945 ist das noch anders: Beide Kirchen setzen sich mit Engagement vor allem für die Verteidigung von Nazi-Kriegsverbrechern ein. Der Vatikan ist in dieser Zeit Zufluchtsort für Kriegsverbrecher, die aus Deutschland fliehen. Von Rom aus verhilft ihnen die Kirche mit falschen Pässen zur Flucht nach Südamerika.

Einer von ihnen ist Adolf Eichmann, evangelisch und einst Mitglied des CVJM ("Christlichen Verein Junger Männer"), der Organisator der "Endlösung" an den Juden. Eichmann sagt dazu am 14.5.1961: "Ich erinnere mich in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde" (zit. nach Ernst Klee, Persilscheine und falsche Pässe, Frankfurt am Main 1991, S. 25). Eichmann, der auch nach seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst nach Israel sein Tun nicht bereut, blieb zwar offiziell evangelisch, trug aber in seinen argentinischen Pass "katholisch" ein, was er offenbar als "Ehrenmitgliedschaft" auffasst.

Inhalt Ausgabe 22/97
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Und Hans-Ulrich Rudel, der höchstdekorierte deutsche Soldat des 2. Weltkriegs, der ebenfalls dank der Hilfe der katholischen Kirche vor der Strafverfolgung ins Ausland fliehen kann, bekennt im Jahr 1948: "Man mag sonst zum Katholizismus stehen wie man will. Was in diesen Jahren durch die Kirche ... an wertvollem Menschentum unseres Volkes gerettet worden ist, soll billigerweise unvergessen bleiben" (Klee, a.a.O., S. 26). (Dieter Potzel)


Vgl. zum Thema die Dokumentation "Die evangelische Kirche und der Holocaust", im Internet unter www.theologe.de, Ausgabe Nr. 4


Sowie die Studie über Papst Pius XII. (Papst von 1939-1958), Papst Pius XII., die Faschisten und der Holocaust

Die römisch-katholische Kirche engagierte sich vor allem bei Hitlers Angriffskrieg. Sie feierte ihn teilweise als neuen "Kreuzzug", siehe www.theologe.de/kardinal_von_galen.htm

Siehe auch die Seite mit kirchenkritischen Büchern unter:
http://www.das-wort.com/deutsch/kirchenkritisches/index.php


 



 




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