Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/99

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Der Zusammenhang zwischen Krieg und Kapital

Im Krieg steigen die Renditen

In Jugoslawien werden Menschen vertrieben oder getötet, es fallen Bomben. Der Militäreinsatz kostet täglich etwa 2 Milliarden Mark. Allein das Auftanken eines B-52-Bombers während des Fluges über den Atlantik kostet 300.000 Mark.

Die Raketenarsenale leeren sich, Nachschub wird nötig. Kein Wunder, dass die Aktien von Rüstungsproduzenten steigen. An der Börse in New York herrscht Hochstimmung, während die Kampfbomber immer wieder in Richtung Belgrad aufsteigen. Wir haben im folgenden einige Zitate zusammengestellt, die den Zusammenhang zwischen Krieg und (Zins-)Wirtschaft beleuchten:
 

Günter Hannich, Sprengstoff Geld, 1998:

"Ein historischer Rückblick zeigt, dass eine Deflation im heutigen System nur durch massive Sachkapitalvernichtung beendet werden kann. Insbesondere in einem Krieg wird genügend Realkapital zerstört, so dass danach beim Wiederaufbau eine ausreichende Rendite des Kapitals gesichert ist."
 

Ernst Winkler, Theorie der natürlichen Wirtschaftsordnung, 1952:

"Der Krieg ist die großzügigste und wirkungsvollste ‘Reinigungskrise zur Beseitigung der Überinvestition’, die es gibt. Er eröffnet gewaltige Möglichkeiten neuer zusätzlicher Kapitalinvestitionen und sorgt für gründlichen Verbrauch und Verschleiß der angesammelten Vorräte an Waren und Kapitalien, wesentlich rascher und durchgreifender, als es in den gewöhnlichen Depressionsperioden auch bei stärkster künstlicher Nachhilfe möglich ist. So ist ... der Krieg das beste Mittel, um die endgültige Katastrophe des ganzen kapitalistischen Wirtschaftssystems immer wieder hinauszuschieben."
 

Der Schweizer evangelische Theologe Karl Barth:

"Wo nicht der Mensch, sondern das Zins tragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird."


Helmut Creutz, Das Geldsyndrom, 1997:

"Etwa ein bis zwei Jahrzehnte waren die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in den zerstörten Ländern mit dem Wiederaufbau beschäftigt. ... An Rüstungs- oder gar Kriegsgeschäfte dachte kaum jemand in dieser Zeit. ... Als Folge dieses allgemeinen Desinteresses dauerte der erste indisch-pakistanische Krieg Ende der 40er Jahre nur acht Tage. ... Mit dem Auslaufen des Wiederaufbaus, den ersten Sättigungserscheinungen auf den Konsummärkten und einer wachsenden Geldvermögensbildung kam der Zins jedoch langsam unter Druck. ... Aber das Kapital hatte im wahrsten Wortsinn ‘Blut gerochen’, zuerst im Koreakrieg und dann an vielen anderen Kriegsschauplätzen in der Welt, so dass es kein Halten mehr gab. ... Niemals in der Menschheitsgeschichte hat es ein Tötungspotential in dieser Größenordnung gegeben. ...

Doch dieser Wahnsinn hat Methode. Er garantierte einmal Tausenden von Waffenschmieden und -händlern in aller Welt lukrative und staatlich abgesicherte Gewinne. Vor allem aber sorgte er dafür, dass die Zinsen in der Welt auf einer ausreichenden Höhe bleiben, um den Streik des Kapitals zu vermeiden. Die Kapitalrenditen bleiben auf diese Weise zwar lange Zeit gesichert, nicht aber der Wohlstandsanstieg der Menschen. Denn mit den Waffen und Militäranlagen mussten sie Produkte schaffen, von denen sie keinerlei Nutzen hatten. ... Mit der Rüstung wird nicht nur Kapital bedient, sondern auch gebunden, richtiger: vom Markt genommen.

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Würde man das in die Rüstung, die Raketensilos, die Kasernen usw. investierte Kapital im zivilen Sektor einsetzen, dann wäre das dort gegebene Angebot deutlich größer. Ein größeres Angebot an Wohnungen, Konsumgütern usw. aber würde auf die Kapitalrendite einen entsprechenden Druck ausüben. Aufgrund dieses Drucks müsste - wenn das Kapital nicht streiken könnte - der Zins schließlich gegen null heruntergehen. Da aber das Kapital streiken, das heißt sich vom Markt zurückziehen kann, sind die Staaten an ständiger Knappheit und ausreichend hohen Zinsen interessiert, notfalls sogar unter Duldung oder Förderung von Kriegen."


 



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