Von Miluna T. aus Klajicevo in
Nordserbien erhielten wir telefonisch folgenden Bericht:
Seit Beginn des Krieges in unserem Land reden viele vom unsagbaren
Leid der Menschen, aber kaum einer über das Leid unserer Mitgeschöpfe, der Tiere und
Pflanzen.
Seitdem die ersten Bomben gefallen sind, scheint die Natur wie verstört.
Es kommt nur mehr selten vor, dass die Vögel morgens und tagsüber singen. Ich weiß
nicht, ob sie ihre Nester bauen. Sie wirken aufgeschreckt und hilflos, und ich habe den
Eindruck, dass sie unsere Hilfe und unsere Zuwendung suchen.
Auch die anderen Tiere im Haus und auf dem Feld haben sich verändert. Sie
erleben das Kriegsgeschehen offenbar äußerst intensiv. Etwa eine halbe Stunde bevor die
Sirenen ertönen oder die Flugzeuge zu hören sind, kommen die Tiere von dort angerannt,
wo später die Bomben fallen. Sie sind völlig aufgeschreckt und suchen meine Nähe. Dann
weiß ich, die Bomber kommen. Ich versuche die Tiere mit Zureden zu beruhigen und biete
ihnen etwas zu essen und zu trinken an.
Spätestens wenn die Bomben detonieren, rücken alle Katzen und Hunde in
unserer Nähe zusammen und schauen uns mit unbeschreiblichen Blicken an. Wenn es kracht,
zucken und zittern sie. Eine gute Stunde nach den Detonationen werden die Tiere wieder
etwas lockerer. Wir verlassen den Schutzraum und die Tiere, die zu uns gekommen sind,
ebenfalls.
Ich habe auch mit einigen Bauern gesprochen. Sie berichten,
dass die Kühe
fast ein Drittel weniger Milch geben als vor dem Krieg. Schweine und Pferde wirken
aufgewühlt und unruhig. Auch wildlebende Feldtiere verlassen fluchtartig den Ort der
Bombardierung und suchen am Rande des Dorfes Schutz.