Es wäre "ethisch
unverantwortlich", so Hermann von Loewenich, lutherischer
Landesbischof von Bayern, den Verbrechen im Kosovo tatenlos zuzusehen.
Andererseits brächten die Bombenabwürfe natürlich auch menschliches Leid
und damit Schuld mit sich. Denn: "Wir leben in einer Welt, in der
wir keine sauberen Hände behalten können."
Das ist lutherische Lehre - aber nicht christliche. Luther und seine
Nachfolger nehmen damit dem Menschen die Hoffnung, sich gemäß der Bergpredigt und der
Zehn Gebote richtig verhalten zu können. Mose lehrte: "Du sollst nicht töten".
Loewenich macht im Geiste Luthers daraus: "Vor dem Einsatz militärischer Gewalt
müsse sorgfältig geprüft werden, ob diese Mittel auch das leisten, was sie
leisten sollen" (Süddeutsche Zeitung, 27.4.1999). Das heißt doch: Du darfst
töten, aber nur unter bestimmten Umständen - und wenn, dann bitte möglichst effektiv
...
Aussagen wie die oben genannte stehen im Widerspruch zur Lehre des Jesus
von Nazareth, der uns gebot: "Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen
ist." Auch wenn wir davon noch weit entfernt sein mögen: Wer den Menschen nur als
Sünder sieht, der seiner Sündhaftigkeit nicht entkommen kann, der also den Kreislauf von
Ursache und Wirkung nicht verlassen kann - der lehrt nicht Gottes Gebote. Wessen Gebote
dann?