Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 11/99

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Not lehrt beten, doch:

Warum greift Gott nicht ein?

"Auf welcher Seite ist der liebe Gott" fragt ein kleiner Albaner-Junge in einem Flüchtlingslager den Erzbischof, der das Lager besucht. "Bei uns oder bei den Serben?" Auf beiden Seiten gibt es Menschen, die sich in ihrer Not an Gott wenden. Viele verzweifelte Albaner beten zu Gott, dass die Vertreibungen aufhören. Und viele verzweifelte Serben beten, dass die Luftangriffe auf ihre Städte und Dörfer eingestellt werden. Weder Vertreibungen noch Luftangriffe sind der Wille Gottes. Doch was soll Er tun, wenn die Menschen nicht damit aufhören wollen?

Flüchtlinge aus dem Kosovo

Flüchtlingselend der Kosovo-Albaner -
für viele ein Grund, an Gott zu zweifeln.

Der Kirchenmann, der das Flüchtlingslager besuchte, antwortete dem Jungen: "Gott ist im Herzen aller Menschen. Und wenn die Menschen jeden Tag an Gott glauben würden, wäre die Welt besser" (idea-spektrum Nr. 18/1999). Wenn Gott aber im Herzen aller Menschen ist, wie der Bischof sagt, glaubt jemand dann an diesen Gott, wenn er gleichzeitig andere Menschen z. B. im Krieg töten lässt oder deren Tod durch Zustimmung zum Krieg in Kauf nimmt - aus welchem Motiv auch immer?

Was legte der Kirchenmann in die Worte "an Gott glauben" hinein? Die Billigung von Krieg oder das klare Nein des Jesus von Nazareth?

Was heißt "Ich glaube an Gott"?

"An Gott glauben" heißt letztlich "Seine Gebote erfüllen" und zu glauben bzw. zu vertrauen, dass dies der Weg zum Frieden ist. Die göttlichen Gebote, die auch die Kirchenverantwortlichen in ihren Bibeln finden, sind eindeutig: "Du sollst nicht töten" (5. Gebot), "Liebet Eure Feinde, tut Gutes denen, die Euch hassen" (Jesus), "Überwinde das Böse mit Gutem" (Paulus) und einige mehr. Das ist die Antwort Gottes auf die Kriege der Menschen. So betrachtet glauben die kirchlichen Amtsträger, die sich bislang öffentlich zum Krieg äußerten, überwiegend nicht an Gott.

Ein deutscher evangelischer Amtsträger (Bischof Koppe, Leiter des Kirchlichen Außenamtes der EKD) gibt dies sogar indirekt zu, wenn er zum Krieg im Kosovo erklärt: "Ich kann nicht sagen, dass es Gottes Wille sei, sondern das ist das Gegenteil", um dann fortzufahren, dass er selbst "enttäuscht" sei, dass der Krieg hier als "letztes Mittel eingesetzt werden musste" (ntv, 4.4.1999). "Musste" also gegen den Willen Gottes entschieden werden, also gegen Gott? Wenn aber nicht Gott dieses "letzte Mittel" eingesetzt hat, wer war es dann?

Warum hat Gott keine Schlachtschiffe?

Sollte also wieder einmal der Aggressoren-Gott, der Kriegsgott, eingegriffen haben, den ausgerechnet der Atheist Bertolt Brecht am Vorabend des 2. Weltkriegs beschwor, als er in einem seiner Bühnenstücke schrieb:

"Warum haben die Götter nicht Tanks und Kanonen / Schlachtschiffe und Bombenflugzeuge und Minen / Die Bösen zu fällen, die Guten zu schonen? / Es stünde wohl besser mit uns und mit ihnen? ... / Warum erscheinen die Götter nicht auf unseren Märkten / Und verteilen lächelnd die Fülle der Waren? / Und gestatten den vom Brot und vom Weine Gestärkten / Miteinander nun freundlich und gut zu verfahren?" (aus: Der gute Mensch von Sezuan)

Was ist es für ein Gott, der die scheinbar "Bösen" dann doch zu Fall bringt, die scheinbar "Guten" jedoch auch nicht schont, so dass es schlechter mit allen steht? Was hätte man mit der "Fülle der Waren" vorher Gutes tun können? Wäre es für die Streitparteien nicht leichter gewesen, anders miteinander zu verfahren?

Hinter Brechts Hymne an die ohnmächtigen "Götter" verbirgt sich die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, ein Thema, das viele Menschen bewegt. Nach einer Forsa-Umfrage sagt jeder vierte Bürger in Deutschland: "Wenn ich die Bilder vom Krieg sehe, kann ich nicht mehr an Gott glauben" (Main-Post, 21.4.1999). Auch sie erwarten offenbar, dass ein Gott, an den sie glauben könnten, verhindern müsste, was sich Menschen gegenseitig antun. Weil Er das nicht tut, werden viele zu "Atheisten".

Die Antworten liegen in Dir

In der Broschüre Der Prophet Nr. 14: Der Atheist - ein Freund des Propheten?
(http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html)
erzählt die Prophetin und Botschafterin Gottes, Gabriele aus Würzburg, von ihrer früheren Suche "nach Gott und der Gerechtigkeit". Sie erhielt damals von einem ihrer Bekannten folgende Antwort: "Suche die Antwort deiner Fragen in dir, denn in dir ist Gott." Der Bekannte riet ihr "ernsthafter zu beten und meine Fragen nach innen zu richten. Er sagte mir aber auch: ´Dein Leben ändert sich nur dann, wenn du dich änderst.` Die Hilfe wäre, so meinte er, dein Leben nach den Zehn Geboten Gottes und der Bergpredigt Jesu auszurichten" (S. 13).

Dies tat Gabriele und erlebte nach einigen Jahren, wie Gott, Dem sie sich zugewandt hatte, in ihrem Inneren zu ihr sprach. Er lehrte sie die göttliche Gerechtigkeit, die beinhaltet, "dass jeder Mensch die absolute Freiheit besitzt, sich zu entscheiden: für Gott oder gegen Gott. Die freie Entscheidung beinhaltet jedoch die Verantwortung für das, was wir denken, reden und tun" (S. 14).

Jeder hat die Folgen seines Tuns und Lassens selbst zu tragen. Gabriele schreibt: "Wer seinen Bruder beraubt, sich also das aneignet, was diesem gehört, der kann sicher sein, dass nach dem Gesetz Aktion gleich Reaktion ihm dies irgendwann genommen wird. Und wer seinen Bruder oder seine Schwester ermordet, dem widerfährt irgendwann das gleiche. Wer Schätze hortet und andere hungern sieht, wird eines Tages selbst hungern. Wer seinen Bruder per weltliches Gesetz in den Krieg gegen seinen Bruder schickt, wird einst selbst im Krieg das erleben, was andere durch ihn erleiden mussten. Das ganze wird als ´Ursache und Wirkung` bezeichnet oder als ´Saat und Ernte` oder auch ´Aug um Aug, Zahn um Zahn` oder ´Aktion gleich Reaktion`."

Gott lässt uns die Freiheit

Gott greift nicht ein, weil Er allen reinen Geistwesen Sein "göttliches Erbe" geschenkt hat, wozu die Freiheit der eigenen Entscheidung gehört. Einige dieser Wesen haben sich später gegen die Einheit mit Gott entschieden, verschatteten ihren Geistleib und wurden Seelen bzw. Menschen. Gott wird aber keinem von ihnen diese Freiheit wieder nehmen, die Er gegeben hat, indem Er z. B. einen Menschen daran hindert, etwas zu tun, was dieser sich vorgenommen hat. Gott greift also nicht in die Freiheit Seiner Kinder ein.

Dann würde Er nämlich Sein eigenes Geschenk zurücknehmen und somit Negatives tun. Doch in Gott ist nichts Böses, nichts Negatives. Anders beim Menschen, der als Folge seiner Abkehr von Gott seine eigen Gesetze schuf und als Folge davon früher oder später selbst erleiden muss, was er anderen angetan hat - wenn nicht in dieser Inkarnation, dann in einer weiteren oder in den Seelenreichen. Auf diese Weise lernt er aber auch, welche Entscheidungen ihn "himmelwärts" bringen und welche ihn ins selbst geschaffene Unheil führen, so dass er allmählich sein vollkommenes göttliches Erbe wieder antreten kann - nicht nur die Freiheit, sondern auch die Gleichheit aller mit allen, die Einheit und die Geschwisterlichkeit.

Die Waage der Gerechtigkeit sorgt dafür, dass jeder Mensch und jede Seele nur das tragen müssen, was sie selbst verschuldet haben - und zwar als Hilfe zur Selbsterkenntnis, zur Reue und zur Änderung seines Verhaltens. Um diesen Prozess in Gang zu bringen, wirkt die Barmherzigkeit Gottes auf unvorstellbar vielfältige Art.

Die Gerechtigkeit wird also erst offenbar, wenn wir größere Zusammenhänge kennen und nicht nur auf diese Inkarnation blicken. Jeder Mensch trägt die Vollkommenheit, sein göttliches Erbe in sich, und er wird immer wieder daran erinnert, sich seinem Erbe entsprechend zu verhalten, indem er die Gebote hält. Erst wenn er die Mahnungen, die ein Zeichen der Hilfe Gottes sind, nicht annimmt, gerät er allmählich in den Strudel von Leid und Schicksalsschlägen. Doch selbst diese sind wiederum Botschaften zur Umkehr, insofern dies dann noch möglich ist.

Gabriele schreibt weiter: "Für Gott-Vater sind und bleiben Seine Söhne und Töchter göttliche Wesen, ob sie heute Seelen oder morgen Menschen sind. Irgendwann kehren sie als reine Wesen wieder zurück zu Gott, weil das Urprinzip, Gott, ihr Ursprung ist und ihr Ursprung bleibt ... Durch viele erleuchtete Männer und Frauen mahnte Gott. Auch heute mahnt der Ewige und lehrt uns Menschen wieder den Weg zur Einheit, den Weg über die Versöhnung mit unserem Bruder, unserer Schwester" (S. 42 f.).

Es liegt also allein am Menschen, wie lange und eventuell wie viele Inkarnationen oder gar Äonen er braucht, um sein geistiges Erbe wieder anzutreten. Derzeit huldigt die konfessionelle Christenheit und ihre Amtsträger überwiegend dem Aggressoren-Gott, der Gewalt mit noch größerer Gewalt beantwortet.

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Damit führen sie die suchenden Menschen noch weiter in die Irre und bringen zahllose Menschen um die einmalige Chance dieser Inkarnation. Doch auch wenn Menschen sich in ihrer Freiheit selbst vernichten - ihre Seelen sind unsterblich. Erst wenn die Seele oder der Mensch nicht mehr sagt "Der andere ist schuld", macht sie die Schritte auf den Weg, den uns Christus vorausgegangen ist, den Weg zurück zu Gott ins Vaterhaus, in unsere Heimat, wo unsere geistigen Familien schon auf uns warten. (dp)


 



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