Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 11/99

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Warum müssen Atheisten für Priesterseminare bezahlen?

Keine Steuergelder mehr für die "Lehre des Unheils"

Darf die Kirche den Staat ausnehmen wie eine Weihnachtsgans? In Deutschland kommt diese Diskussion nur zögernd in Gang. Zwar fordern einige Politiker von FDP und Grünen die Abschaffung der Kirchensteuer, doch andere - wie Bundeskanzler Schröder (SPD), Ministerpräsident Beck (SPD) und Ministerpräsident Koch (CDU) - wollen der Kirche helfen, ihre Steuereinnahmen weiter zu sichern - mit der Begründung, die sozialen Dienste der Kirche seien "unverzichtbar". Dabei ist jedem Bürger, der sich informiert, klar, dass diese Dienste in Wirklichkeit zu über 90 % der Staat bezahlt - und dass der Steuerzahler darüber hinaus ein Vielfaches dessen an Subventionen für die Kirche bezahlen muss, was die restlichen 10 % ausmachen. Diesbezüglich belügen nicht nur die Kirchenfunktionäre, sondern auch die Politiker das Volk.

Papst und Kirche - vom Staat subventioniert!
Wie lange werden die Spitzengehälter der Bischöfe noch vom Staat bezahlt?

Vor ganz ähnlichen Problemen steht Luxemburg. Nun hat es eine Zeitung gewagt, die Probleme in einer Offenheit anzusprechen, die in Deutschland noch kaum möglich ist. Wir drucken Auszüge eines Artikels aus der Zeitung Tageblatt, die auch für deutsche (und teilweise schweizerische und österreichische) Verhältnisse zutreffen - wobei die lutherische Kirche jeweils mit eingesetzt werden müsste.


"Ist es normal, dass jeder Luxemburger Steuerzahler verfassungsmäßig gezwungen ist, die Klerikerbesoldung und Versorgung nebst Hilfspersonal ganz zu finanzieren? Womit kann man begründen, dass der Erzbischof von Luxemburg bei freier Wohnung ein Gehalt von 300.000 Franken bezieht, ein demokratisch gewählter Abgeordneter dagegen nur die Hälfte? [Anmerkung: Ein deutscher Bischof oder Landesbischof bezieht ebenfalls vom Staat ein monatliches Gehalt von 15.000 bis 20.000 DM, was etwa 200.000 DM Jahresgehalt ergibt] ... Gibt es einen vernünftigen Grund, die Finanzierung der Kirche mit Steuergeldern aus der politischen Debatte auszuklammern?

Warum verweigert das Erzbistum die Offenlegung des Vermögens der römisch-katholischen Kirche in Luxemburg? Ist es nicht legitim, in einem freien, nicht mehr religiös-integristischen Staat zu fragen, was eine Glaubensgemeinschaft, die Bezüge, Subsidien, Zuschüsse und Steuerbefreiungen in Milliardenhöhe bekommt, besitzt und kassiert? ... Ist die katholische Kirche nicht der größte nichtstaatliche Großgrundbesitzer des Großherzogtums? [Anm.: Dies trifft auch für die Kirchen in den deutschsprachigen Ländern zu] ... Was gibt es zu verstecken? Wie viel? Können und wollen die Luxemburger es sich leisten, die teuerste Kirche der Welt so zu finanzieren, wie es gegenwärtig geschieht, und dies auf Kosten dringend benötigter anderer Investitionen im Interesse der Allgemeinheit? Ginge der Staat in Geldangelegenheiten von der Anzahl der praktizierenden Gläubigen aus, wären die Organisationen der Kirche pleite.

Warum zahlen hierzulande Konfessionslose für Religionsunterricht, Atheisten für Priesterseminar und Katechetenausbildung, Kirchenfreie für Kirchenbauten und deren Unterhalt mit, als sei dies die normalste Sache der Welt? ... Die katholische Kirche, eine undemokratische Organisation, profitiert in Luxemburg gegen den Willen der Steuerzahler von einem einmalig günstigen Finanzierungsmodell. Wie kann das möglich sein, wo in tiefkatholischen Ländern wie Italien und Spanien die Finanzierung der Kirchen seit Jahren durch Verträge neu und demokratisch geregelt ist? [Anm.: In diesen Ländern kann jeder Bürger selbst entscheiden, ob er der Kirche oder einer gemeinnützigen Organisation seiner Wahl einen Sozialbeitrag zahlt.] Welches sind die politischen Kräfte, die dies ermöglichen, der Kirche hörig sind oder vor ihr kuschen? Warum? Warum wurden 1998 Konventionen abgeschlossen, die die Vormachtstellung der katholischen Kirche (für immer) ausbauen? Wurden die Politiker von Erzbistum und Opus Dei ausgetrickst? Es ist bekannt, dass bei solchen großen Geschäften diese Sekte die Fäden in den Kulissen zieht.

Die katholische Kirche hat Jahrhunderte lang zugegebenerweise Verbrechen gegen die Menschheit verüben lassen. Diese Schandtaten verjähren nie. Wird der Vatikan eines Tages vor dem internationalen Menschenrechtsgerichtshof zur Rechenschaft gezogen? Warum hat die Kirche ihre Millionen Opfer nie entschädigt? ...

Warum wird bei den von katholischen Kirchen betriebenen Sozialdiensten der überwältigende Teil der Kosten von Staat und Gemeinden ohne Kontrolle getragen? ... Könnte der Staat und die Gemeinden die Beiträge der Kirche für Sozialausgaben nicht problemlos übernehmen, wenn dafür die enorme Subventionierung dieser Religionsgemeinschaft eingestellt würde? ...

Können Eltern heute für ihre Kinder noch eine religiöse Erziehung für wünschenswert halten, wenn sie bestens wissen, dass die katholische Kirche mit einer Kirchengeschichte, zu der untrennbar Erscheinungen wie Ketzerverfolgung, Heidenausrottung, Judenpogrome, Inquisition, Hexenverbrennung, Kreuzzüge gehören und Fragen von Moral und Ethik grundsätzlich als inkompetent zu betrachten ist, um so mehr, als diese Erscheinungen in der Kirche durchaus mit der vermittelten Lehre zu tun haben?

Warum lassen Eltern zu, dass ihre wehrlosen, intellektuell unmündigen Kinder durch diese Lehre des Unheils verunsichert werden, gezielt bei ihren Ängsten gepackt, durch ihre Sünden am Gängelband geführt und so an die Kirche gekettet werden? ...

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Es zeigt sich, dass das alte Bündnis von Thron und Altar lediglich eine Reihe von Mutationen durchgemacht hat und sich heute als einen Staats- und Kirchen-Filz präsentiert ... Insbesondere sind es drei Umstände, die dazu beitragen, das System zu stabilisieren:

  • die frühkindliche religiöse Indoktrination mit Hilfe staatlicher Einrichtungen ...

  • die enorme, durch Steuergelder, Staats- und Gemeindeleistungen und Konfessionalisierung des Sozialwesens gespeiste Wirtschafts-, Finanz- und Pressemacht der katholischen Kirche, die diesen Staat als ihre Beute betrachtet;

  • bei den Parteien fehlt mangels Lösungskompetenz, Streitkultur und echtem Demokratieverständnis noch der politische Wille, um eine strikte Trennung von Staat und Kirche zu realisieren ..."

G. Wons / C. Maillart - Die Autoren sind Demokraten!


 



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