Darf die Kirche den Staat
ausnehmen wie eine Weihnachtsgans? In Deutschland kommt diese Diskussion nur zögernd in
Gang. Zwar fordern einige Politiker von FDP und Grünen die Abschaffung der Kirchensteuer,
doch andere - wie Bundeskanzler Schröder (SPD), Ministerpräsident Beck (SPD) und
Ministerpräsident Koch (CDU) - wollen der Kirche helfen, ihre Steuereinnahmen weiter zu
sichern - mit der Begründung, die sozialen Dienste der Kirche seien
"unverzichtbar". Dabei ist jedem Bürger, der sich informiert,
klar, dass diese Dienste in Wirklichkeit zu über 90 % der Staat bezahlt - und
dass
der Steuerzahler darüber hinaus ein Vielfaches dessen an Subventionen für die Kirche
bezahlen muss, was die restlichen 10 % ausmachen. Diesbezüglich belügen nicht nur
die Kirchenfunktionäre, sondern auch die Politiker das Volk.

Wie lange werden die Spitzengehälter der Bischöfe noch vom Staat bezahlt?
Vor ganz ähnlichen Problemen steht Luxemburg. Nun hat es eine Zeitung
gewagt, die Probleme in einer Offenheit anzusprechen, die in Deutschland noch kaum
möglich ist. Wir drucken Auszüge eines Artikels aus der Zeitung Tageblatt, die
auch für deutsche (und teilweise schweizerische und österreichische) Verhältnisse
zutreffen - wobei die lutherische Kirche jeweils mit eingesetzt werden
müsste.
"Ist es normal,
dass jeder
Luxemburger Steuerzahler verfassungsmäßig gezwungen ist, die Klerikerbesoldung und
Versorgung nebst Hilfspersonal ganz zu finanzieren? Womit kann man begründen,
dass der
Erzbischof von Luxemburg bei freier Wohnung ein Gehalt von 300.000 Franken bezieht, ein
demokratisch gewählter Abgeordneter dagegen nur die Hälfte? [Anmerkung: Ein
deutscher Bischof oder Landesbischof bezieht ebenfalls vom Staat ein monatliches Gehalt
von 15.000 bis 20.000 DM, was etwa 200.000 DM Jahresgehalt ergibt] ... Gibt es einen
vernünftigen Grund, die Finanzierung der Kirche mit Steuergeldern aus der politischen
Debatte auszuklammern?
Warum verweigert das Erzbistum die Offenlegung des Vermögens der
römisch-katholischen Kirche in Luxemburg? Ist es nicht legitim, in einem freien, nicht
mehr religiös-integristischen Staat zu fragen, was eine
Glaubensgemeinschaft, die Bezüge, Subsidien, Zuschüsse und
Steuerbefreiungen in Milliardenhöhe bekommt, besitzt und kassiert?
... Ist die katholische Kirche nicht der größte nichtstaatliche
Großgrundbesitzer des Großherzogtums? [Anm.: Dies trifft auch für die Kirchen in den
deutschsprachigen Ländern zu] ... Was gibt es zu verstecken? Wie viel? Können und wollen
die Luxemburger es sich leisten, die teuerste Kirche der Welt so zu finanzieren, wie es
gegenwärtig geschieht, und dies auf Kosten dringend benötigter anderer Investitionen im
Interesse der Allgemeinheit? Ginge der Staat in Geldangelegenheiten von der Anzahl der
praktizierenden Gläubigen aus, wären die Organisationen der Kirche pleite.
Warum zahlen hierzulande Konfessionslose für Religionsunterricht,
Atheisten für Priesterseminar und Katechetenausbildung, Kirchenfreie für Kirchenbauten
und deren Unterhalt mit, als sei dies die normalste Sache der Welt? ... Die katholische
Kirche, eine undemokratische Organisation, profitiert in Luxemburg gegen den Willen der
Steuerzahler von einem einmalig günstigen Finanzierungsmodell. Wie kann das möglich
sein, wo in tiefkatholischen Ländern wie Italien und Spanien die Finanzierung der Kirchen
seit Jahren durch Verträge neu und demokratisch geregelt ist? [Anm.: In diesen Ländern
kann jeder Bürger selbst entscheiden, ob er der Kirche oder einer gemeinnützigen
Organisation seiner Wahl einen Sozialbeitrag zahlt.] Welches sind die politischen Kräfte,
die dies ermöglichen, der Kirche hörig sind oder vor ihr kuschen? Warum? Warum wurden
1998 Konventionen abgeschlossen, die die Vormachtstellung der katholischen Kirche (für
immer) ausbauen? Wurden die Politiker von Erzbistum und Opus Dei ausgetrickst? Es ist
bekannt, dass bei solchen großen Geschäften diese Sekte die Fäden in den Kulissen
zieht.
Die katholische Kirche hat Jahrhunderte lang zugegebenerweise Verbrechen
gegen die Menschheit verüben lassen. Diese Schandtaten verjähren nie. Wird der Vatikan
eines Tages vor dem internationalen Menschenrechtsgerichtshof zur Rechenschaft gezogen?
Warum hat die Kirche ihre Millionen Opfer nie entschädigt? ...
Warum wird bei den von katholischen Kirchen betriebenen Sozialdiensten der
überwältigende Teil der Kosten von Staat und Gemeinden ohne Kontrolle getragen? ...
Könnte der Staat und die Gemeinden die Beiträge der Kirche für Sozialausgaben nicht
problemlos übernehmen, wenn dafür die enorme Subventionierung dieser
Religionsgemeinschaft eingestellt würde? ...
Können Eltern heute für ihre Kinder noch eine religiöse Erziehung für
wünschenswert halten, wenn sie bestens wissen, dass die katholische Kirche mit einer
Kirchengeschichte, zu der untrennbar Erscheinungen wie Ketzerverfolgung, Heidenausrottung,
Judenpogrome, Inquisition, Hexenverbrennung, Kreuzzüge gehören und Fragen von Moral und
Ethik grundsätzlich als inkompetent zu betrachten ist, um so mehr, als diese
Erscheinungen in der Kirche durchaus mit der vermittelten Lehre zu tun haben?
Warum lassen Eltern zu, dass ihre wehrlosen,
intellektuell unmündigen Kinder durch diese Lehre des Unheils
verunsichert werden, gezielt bei ihren Ängsten gepackt, durch ihre
Sünden am Gängelband geführt und so an die Kirche gekettet werden?
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