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Stressbewältigung im
Alltag
"Ich
bin so im Stress!" Wer kennt diesen Ausspruch nicht? Es scheint,
dass der Stress
zu einem Hauptübel des modernen Menschen geworden ist. Fast jeder erlebt
Stress. Ein
bisschen Stress mag ja ganz nützlich sein. Dauert die Stressbelastung jedoch an, dann ist
unsere seelische und körperliche Gesundheit gefährdet. Deshalb ist die Frage: Wie
können wir mit dem täglichen Stress oder auch mit länger dauernden seelischen
Belastungen umgehen? Wie können wir uns selber helfen?
Die biologische
Stressreaktion
Doch zunächst die Frage: Was
ist Stress? Der Begründer der biologischen Stresstheorie, der kanadische Mediziner
Hans Selje schrieb 1982: "Ich habe allen Sprachen ein neues Wort geschenkt -
Stress". In der Umgangssprache wird das Wort Stress für die Reaktion unseres
Körpers auf Belastung benutzt. Die belastenden (Umwelt-) Faktoren heißen Stressoren.

Eine Stress-Situation: "Und den Onkel, voller Grausen, sieht man aus dem
Bette sausen." (Wilhelm Busch)
Wenn das Überleben gefährdet ist, reagiert jeder Organismus gleich: Er
begibt sich in einen Zustand des Kampfes oder der Flucht, um der Gefahr zu entrinnen.
Gerät er wieder in die gleiche Situation, versucht er, diese zu vermeiden.
Die biologische Reaktion auf Bedrohung vitaler Bedürfnisse wurde zum
Modell für die Stressreaktion: Herzschlag, Pulsfrequenz, Blutverteilung
im Körper werden aktiviert. Es ist die Folge eines "Panik-Signals" aus dem Stammhirn, sofort
bestimmte Hormone in den Blutstrom zu leiten. Hormone sind chemische Botenstoffe, die den
Organen sagen, was sie jetzt zu tun haben. Die Hormone der Kampf- und Fluchtreaktion
werden in der Nebenniere produziert, z. B. das Adrenalin. Bei ihrer Ausschüttung
mobilisiert der Körper zusätzliche Energien. Diese Energetisierung zeigt sich darin,
dass wir schneller atmen, schwitzen, zittern, die Fäuste ballen, unsere Stimme bebt, wir
die Augen aufreißen u. a. m.
Der Sinn dieser biologischen Reaktion ist, den Körper augenblicklich
kampf- oder fluchtbereit zu machen. Dazu werden ihm zusätzliche Energien zugeführt, und
der Energieverbrauch derjenigen Organe, die nicht unmittelbar gebraucht werden, wie z. B.
der Verdauungstrakt, auf ein Minimum reduziert. Es werden die Sinnesorgane, Augen und
Ohren, so geschärft, dass einem kein wichtiges Signal entgeht. Es werden die
Abwehrkräfte des Organismus mobilisiert, damit der Körper eventuell Verletzungen besser
überstehen kann.
In unserm Organismus gibt es zwei Nervensysteme, die man
zusammengefasst
als das vegetative Nervensystem bezeichnet. Der Parasympathicus überwacht die
Ruhephasen, die Verdauung und andere autonome Vorgänge. Der Sympathicus wird bei
Alarm aktiviert und blockiert alle Vorgänge des Parasymphaticus, bis die Gefahr vorüber
ist.
So hört z. B. ein Mensch, der voll mit Kauen beschäftigt ist,
sofort damit auf, wenn eine Gefahrensituation auftritt, wenn beispielsweise jemand die
brennende Flambierpfanne auf den Boden fallen lässt. Erst wenn die Gefahr behoben ist,
merkt er, dass er noch Speise im Mund hat.
Der Mechanismus der biologischen
Stressreaktion funktioniert z. B. bei der Eidechse in gleicher Weise wie beim Menschen.
Beide haben einen Gehirnbereich, durch den diese Reaktion ausgelöst wird. Beim Menschen
ist es das Stamm- oder Althirn, bei der Eidechse ihr Reptiliengehirn. Beim Menschen ist
die Sache allerdings wesentlich komplizierter, weil er neben dem Althirn noch das Neu-
bzw. Großhirn hat. Darin befinden sich die Funktionen des Wahrnehmens, Vorstellens,
Denkens und Bewertens. Diese haben beim Menschen eine wesentliche Funktion: Sie
entscheiden darüber, was er als Stress empfindet und was nicht. Daher hat die
ursprüngliche, die biologische Stressdefinition für uns Menschen nur noch eine geringe
Bedeutung.
"Eustress"
und "Disstress"
Bereits Hans Selje unterschied zwei Arten von Stress: den negativen,
schädlichen, Leben zerstörenden Stress, den er Disstress nannte; und den positiven,
aktivierenden, lebensnotwendigen Stress, den Eustress (von griech. eu = gut).

Ich mache mir bewusst: In mir wohnt die Kraft
Gottes
Diese Unterscheidung mag sinnvoll sein. Dem alltäglichen Sprachgebrauch
entspricht sie jedoch nicht. Denn wer benutzt schon das Wort Stress im positiven Sinne?
Deswegen ist es üblich, das Wort nur im Sinne von Disstress zu benutzen, also im
negativen Sinne, als eine Gefährdung unseres Gleichgewichts durch schädliche Einflüsse
von außen - oder auch von innen.
Auch der Disstress kann positiv wirken, indem er Kräfte mobilisiert.
Dazu ein Beispiel: In einem
großen Zirkus sah sich ein Handwerker, der Reparaturen vornahm, plötzlich mit einem
Löwen konfrontiert. Blitzschnell kletterte er den Mittelmast hoch bis in die Kuppel.
Er vollbrachte dabei eine Leistung, die er niemals trainiert hatte und die er unter
normalen Bedingungen nicht zustande gebracht hätte. Der durch den Selbsterhaltungstrieb
ausgelöste Stress mobilisierte enorme Energien, die diese Leistung ermöglichten.
Generell aber gilt:
Stress als
Dauerbelastung führt zu Leistungsminderung, schwächt das Immunsystem und löst
Krankheiten aus.
Stress ist nicht gleich Stress
Für uns Menschen gilt, dass letztlich unsere Gedanken und unsere
Bewertung der Situation darüber entscheiden, was wir als Stress erleben.
Unser Denken und unsere Einstellung bestimmen ganz wesentlich unser
Befinden. "Das Glück des Menschen hängt von der Beschaffenheit seiner
Gedanken ab", ist ein Wort des römischen Kaisers und Philosophen Marc
Aurel. "Die Dinge selbst berühren die Seele in keiner Weise, noch haben
sie Zugang zur Seele, noch können sie sie verändern oder bewegen. Nur
die Werturteile, die die Seele fällt, prägen das Wesen der Dinge, die
von außen an sie herantreten." Der griechische Philosoph Epiktet sah es
genauso: "Nicht die Dinge
selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellungen von den Dingen."
Und für die sind wir selbst verantwortlich. Der
griechische Arzt und Philosoph Demokrit (460 bis 370 v. Chr.) sagte: "Die Menschen erbitten sich Gesundheit
von den Göttern. Dass sie jedoch selbst Gewalt über ihre Gesundheit haben, wissen sie
nicht." Daraus folgt: Wir selbst haben es in der Hand, durch unser Denken das Ausmaß
von Stress und damit unsere seelische Gesundheit zu beeinflussen.
Was ist Gesundheit?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit wie folgt:
"Gesundheit ist nicht nur Freisein von Krankheiten, sondern physisches, psychisches
und soziales Wohlbefinden." Ein wichtiger Schritt, um Wohlbefinden zu erreichen, ist
die Bewältigung von Stress im Alltag. Für das Ausmaß der Belastung durch eine
Stress-Situation sind folgende Faktoren entscheidend:
Die innere Einstellung ist entscheidend
Jeder kann in eine Überforderungssituation kommen.
Beispiel: Auf einem
Spaziergang sehe ich von weiten einen großen Hund. Was denke ich?
"Der sieht ja
gefährlich aus. Dass der mich bloß nicht anfällt!" Nehme ich den Hund als
bedrohlich war, dann empfinde ich Unsicherheit und Angst - Stress. Vielleicht ärgere ich
mich auch über den Hundehalter, der seinen Hund einfach frei herum laufen
lässt. Sehe
ich in dem Hund einen fröhlichen Gesellen, der friedlich und freundlich umher springt,
dann habe ich eine positive Einstellung - und gerate nicht in
Stress.
Lernen, sich zu entspannen
Auch wenn mir etwas nicht gelingt, ist meine innere
Reaktion entscheidend. Denke ich: "Du bist ein Versager?" oder sage ich mir:
"Es gibt eine
Lösung. Ich gebe mein Bestes. Irgendwie habe ich es immer noch geschafft!" Ob
Stress
oder Nicht-Stress hängt also nicht zuletzt von meiner Einstellung ab, meiner Deutung bzw.
Interpretation der Situation.
Auch meine körperliche Verfassung hat einen Einfluss darauf, wie ich auf
eine Stress-Situation reagiere. Bin ich angespannt, dann neige ich zu einer
dramatisierenden Reaktion. In der Entspannung finde ich eventuell eine positivere Sicht
der Situation. Deshalb ist es wichtig, zu lernen, sich körperlich zu entspannen. Dazu
sollte ich mich zurückzunehmen, um ganz bei mir zu sein. Dadurch bekomme ich Distanz zur
Stress-Situation.
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