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"Meme"
oder wie Gedanken ein Eigenleben führen
Da staunt der Kundige nicht schlecht: Susan Blackmore, eine britische
Psychologin, vertritt in ihrem Buch The Meme Machine die These, dass
Gedanken, Ideen und Verhaltensmuster - Meme genannt - ein Eigenleben führen. Der Mensch
diene ihnen lediglich zur ihrer Verbreitung.*
Der Wort "Mem" ist eine Begriffsbildung des englischen Biologen
Richard Dawkins, in seinem Buch Das egoistische Gen, das inzwischen als
Klassiker der biologischen Evolutionsforschung gilt. Darin vertrat er die These,
dass es
bei Mensch und Tier ein egoistisches Gen gebe, dem es lediglich um die eigene Verbreitung
gehe. Eine weitere These Dawkins war: So wie Gene den Gesetzen der
biologischen Evolution unterworfen sind, so seien es auch Gedanken und
Verhaltensweisen, die er Meme nannte. Bekanntlich "sterben" schlechte Witze aus, gute Pointen leben länger. Was Dawkins nur halb ernst gemeint hatte, haben Philosophen und andere Wissenschaftler
inzwischen in ihr Denksystem eingebaut. Auch das ehrwürdige Oxford English Dictionary
hat den Begriff Mem aufgenommen.
Susan Blackmore, die sich bisher kritisch mit paranormalen Phänomenen
befasst hatte, sieht in den Memen ein praktisches Erklärungsmuster für vielerlei
Phänomene, von Musik über Religion bis zur Empfängnisverhütung. Meme - so die
Theorie - vermehren sich, indem ein Mensch Gedanken eines anderen übernimmt, ob es sich
dabei um ein mathematischen Lehrsatz handelt oder um einen Witz.
Wie das so ist: Glaubt man, den Baustein zur Erklärung der Welt gefunden
zu haben, dann dient er als Erklärungsprinzip für fast alles. So geschah es mit dem
Sexualtrieb Freuds, mit dem bedingten Reflex Pawlows oder der Konditionierung Skinners,
und nun tut die Autorin ähnliches mit dem "Mem". So ist Religion jetzt ein
Memplex, bestehend aus vielen Memen. Die christliche Religion habe sich besonders
wirksamer Meme bedient, um ihre Verbreitung zu sichern, z. B. in ihrem Anspruch, die einzig
wahre Religion zu sein. Wer daran glaube, erhalte ewige Seligkeit, wer nicht, ewige
Verdammnis.
Besonders erfolgreich verbreiteten sich die Sex-Meme, weil der Mensch von
alters her für sie besonders empfänglich sei. Schrift, Buchdruck, Radio seien
Instrumente der Mem-Verbreitung. Der Mensch schließlich sei nichts anderes als eine
"Mem-Maschine". An ein menschliches Bewusstsein glaubt Frau Blackmore
überraschender nicht: "Das Selbst ist ein gigantischer Memplex - wohl das
heimtückischste und durchdringendste aller Memplexe. Im Laufe von Jahrtausenden
habe die Evolution im Feuchtbiotop des Schädels jene Meme hervorgebracht, die die
trügerische Vorstellung eines handelnden Subjekts erzeugten"
(zit. nach Spiegel Nr. 21/1999).
Noch erklärt aber keiner der Mem-Theoretiker, wie man die Einheit eines
Mems definieren kann, wie Meme sich kopieren, wie sie gespeichert werden und wie sie sich
im Evolutionsprozess wandeln.
Gedankenkontrolle ist
eine zentrale Aufgabe
Ein Frage an die Autorin wäre, welchen Memen sie denn ihre eigene
Existenz zu verdanken glaubt und welche sie zum Schreiben ihres Buches veranlassten.
Sieht man von den skurrilen Spekulationen der Autorin ab, so wird im
Begriff des Mems offensichtlich ein Stück der geistigen Realität eingefangen, das
schlicht und einfach lautet: Gedanken sind geistige Realität. Sie sind
Energien, sie haben eine bestimme Form und wirken. Sie werden gespeichert im Gehirn, in
der Seele und in den Gestirnen, und sie kehren zum Sender zurück - nach dem Prinzip
Senden und Empfangen. Es gibt das Phänomen der Gedankenübertragung, über Raum und Zeit
hinweg.
Gedanken - häufiger gedacht - bauen sich zu einem Gedanken-Kraftfeld
auf, das zur Verwirklichung drängt. Sie haben z. B. Angstgedanken die Tendenz, das
anzuziehen, wovor der Mensch Angst hat.
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