Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

 Ausgabe 12/99

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Das "gemeine Volk"
 und seine
"Führer"

Als der amerikanische Präsident jüngst in Deutschland landete, um die Moral seiner Truppen und des deutschen Bundeskanzlers zu inspizieren, beschrieb ein Radioreporter, wie auch das "gemeine Volk" dem "mächtigsten Mann der Welt" die Hand schütteln wollte.

Der Reporter meinte vermutlich nichts Böses: Er dachte an den "Mann von der Straße"; er hätte auch vom "allgemeinen" Volk im Gegensatz etwa zur "Prominenz" sprechen können. Doch wenn vom "gemeinen Volk" die Rede ist, schwingt eine Geringschätzung mit, an die sich das Volk in Jahrhunderten offensichtlich gewöhnt hat - obwohl es im Grunde viel mächtiger ist als seine sich allmächtig wähnenden Führer: Ohne die "Plebs" im alten Rom hätte es keinen Cäsar gegeben; ohne das Kirchenvolk keine Volkskirche; ohne den Ruf "Wir sind das Volk" keine Wiedervereinigung Deutschlands. Und in Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es gar: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." Welch ein Fortschritt - vom gemeinen Volk zum souveränen Volk! Doch von seinen Führern wird es immer noch gern als dummes Volk behandelt.

Boris Jelzin  Gerhard Schröder
Milosevic und seine Frau

Ist es ein Zufall, welches Volk von wem geführt wird?

Der "mächtigste Mann der Welt", der mitunter seiner selbst nicht ganz mächtig ist, hat da neue Maßstäbe gesetzt, als er sein Volk ein Jahr lang mit Unwahrheiten über sein umtriebiges Privatleben bediente und schließlich eine schwere Staatskrise provozierte. Doch eben dieser Präsident, dem sein Volk kaum noch etwas glaubt, mauserte sich über Nacht zum mächtigen Kriegsherrn, der ein europäisches Land in die Steinzeit zurückbomben lässt. Und schon schart das Volk sich wieder um ihn - wie gut, dass Krieg ist. Derweil tingelt seine Gespielin aus dem Oval-Office um die Welt, um aus ihren erotischen Erlebnissen mit dem mächtigen Mann Kapital zu schlagen. Auch ihr will das Volk die Hand schütteln ... Ist das Volk noch zu retten? Und während es sich als Voyeur eines Schmierenstücks gemein macht, spielt es zugleich in Umfrageergebnissen den Entscheidungshelfer für den jeweils nächsten Schritt des Kriegsherrn. Die Abhängigkeit von Führer und Verführten ist gespenstisch.

Gespenstisch ist die Szene auch in der anderen Machtzentrale: Schwerfällig wie ein kranker Bär schreitet der russische Präsident zu seinem Konferenztisch. Neben ihm nimmt sein Ministerpräsident Platz und senkt das Haupt. Auch er wird wohl demnächst wieder gefeuert, wie schon so viele vor ihm, weil sie nicht schafften, was unter diesem Präsidenten nicht zu schaffen ist, der nicht mehr regiert und auch nicht regieren lässt. Seine politische Kreativität erschöpft sich in Entlassungen und Ernennungen. Der zweitmächtigste Mann der Welt, Herr über ein riesiges Atomwaffenarsenals, ist seiner kaum mehr mächtig - von Krankheit gezeichnet, mitunter etwas verwirrt, wilde Drohungen ausstoßend, ein Kapitän, dessen Staatsschiff steuerlos dahin treibt und in Korruption und ökonomischem Chaos zu versinken droht. Sein Volk ist bettelarm und ohne Hoffnung, das Land vom politischen Kollaps bedroht. Und dennoch wird mancher froh sein, dass er noch da ist, weil sonst alles noch viel schlimmer würde. Das hilflose Volk ist auf seinen hilflosen Führer verwiesen und umgekehrt. Die Situation wirkt dämonisch.

Nur der tote Fisch schwimmt mit dem Strom. Dies gilt für Wirtschaft, Politik und Kirche und für jeden, der in diesem Kielwasser schwimmt.

Ein anderer Führer empfängt trotzig Diplomaten aus aller Herren Länder in seinem Salon, während seine Soldateska im Kosovo brandschatzt, mordet und Hunderttausende vertreibt. Kenner schildern ihn als eine Marionette seiner politischen Koalitionspartnerin, die zugleich seine Ehefrau ist und jedes Verhandlungsergebnis über Nacht kippt, wenn es ihr nicht gefällt. Wieder ein Machthaber, der seiner nicht mächtig ist und seine Schwäche durch Gewalttätigkeit kompensiert. Sein Volk, das bereits dabei war, sich gegen ihn zu erheben, schart sich im Bombenhagel der NATO wieder um ihn - wie gut, dass Krieg ist.

Bill Clinton

Die Mächtigen dieser Welt - sind sie ihrer selbst immer mächtig?

Die Hauptdarsteller des gegenwärtigen Welttheaters gleichen dem Ensemble eines grotesken Possenspiels, doch ein dämonischer Regisseur inszeniert mit ihnen eine Tragödie mit offenem Ausgang - bis hin zu einem Dritten Weltkrieg. Sind die Unzulänglichkeit der Hauptakteure des Weltgeschehens und der Abgrund, an dem sie sich bewegen, purer Zufall? Oder stolperte das Personal der Weltgeschichte nicht schon immer von einer Katastrophe zur anderen, in die es die Völker mit hineinriss? Ging etwa Karl der Große mit den Sachsen weniger brutal um als Slobodan Milosevic mit den Kosovo-Albanern? Vielleicht hätte Tony Blair, dem in diesem Jahr der Karlspreis verliehen wurde, gut daran getan, in einem ehrlichen (und nicht "christlich" geschönten) Geschichtsbuch nachzulesen, welch zweifelhafte Ehre ihm damit widerfuhr.

Haben sich die Kreuzfahrer, die im mittelalterlichen Jerusalem ein Blutbad anrichteten, besser benommen als die marodierenden Truppen eines Mobutu in Zaire oder eines Karadczic in Bosnien? Und wie steht es mit den amerikanischen Menschenrechtsfreunden, deren Präsident Truman vor 54 Jahren Hunderttausende von Japanern tötete bzw. verkrüppelte, um gegenüber Stalin seine atomare Zerstörungskraft zu demonstrieren?

Führer sind Produkte ihrer Völker

Doch die Führer, die die Welt immer wieder ins Unglück stürzen, fallen nicht vom Himmel, sondern sind Produkte ihrer Völker, auch wenn diese ihre Herrscher nicht demokratisch gewählt haben. Das "gemeine" Volk schafft das Energiefeld von Friedlosigkeit und Gewalttätigkeit, das sich dann personifiziert. Und das Volk lehnt sich an seine Führer an und projiziert die eigenen Sehnsüchte auf die Mächtigen, gleich ob es sich um Staatsmänner, Kirchenfürsten, Wirtschaftsführer oder Prinzessinnen handelt. Sie alle werden zu Idolen der Schwachen.

Jesus wollte weder Untertanen noch Obrigkeiten

Im "christlichen Abendland" wirkt dies besonders peinlich, denn derjenige, von dem die Christen ihren Namen ableiten, hat sie gelehrt, dass sie Kinder Gottes sind, zur Freiheit im Geiste Gottes geboren und nicht zur Knechtschaft der Finsternis. Hätte die Menschheit die Lehren des Nazareners befolgt, Seine Bergpredigt und die Zehn Gebote Mose, gäbe es weder gemeine Untertanen noch allmächtige Obrigkeiten.

Es wäre ein Volk von Freien und Gleichen, von Brüdern und Schwestern, die sich nicht an Idole anlehnen müssen, sondern aus ihrer inneren, göttlichen Souveränität heraus leben würden. Es gäbe Staaten, die den Namen "Gemeinwesen" verdienten, weil alle sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlten. Es gäbe keine Kriege zwischen den Völkern. Und der Mensch würde die Natur nicht zerstören, sondern in der Einheit mit seinen Mitgeschöpfen leben. Die Erde und ihre Bewohner würden sich allmählich verwandeln und auf die geistige Wiederkunft des Christus Gottes vorbereiten, die Jesus von Nazareth angekündigt hat.

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Der Christus-Gottes-Geist stellt diese Chance durch das Prophetische Wort für die Jetztzeit erneut in Aussicht. Wann werden wir sie endlich wahrnehmen? Jeder einzelne kann dazu beitragen, indem er seine negativen Seiten erkennt, sich läutert und mit seinem Nächsten Frieden schließt. Packen wir es an! Werden wir vom "gemeinen Volk" zum Gottesvolk - das ist der Sinn unseres Lebens und der Sinn der Menschheitsgeschichte. (cs)


 



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