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Vom ursprünglichen
Sinn blieb nichts übrig:Das katholische Jubeljahr: Mose, auf den Kopf gestellt
"Bitte kommt
nicht!" So
flehten römische Medien, als anlässlich der Seligsprechung Pater Pios
eine erneute Masseninvasion in die ewige Stadt Rom bevorstand. Genützt
hat es wenig, und der Vatikan war verärgert. Aber den Römern gehen
allmählich die Nerven durch: Ihre Stadt ist eine einzige Baustelle. Mit
Milliardenaufwand (über drei Milliarden DM) wird die Stadt umgebaut, um für
das Jahr der Jahre gerüstet zu sein: für das "Heilige Jahr"
2000.

Jubeljahr im früheren Israel: Die Reichen geben
den Armen ihr ursprüngliches Grundeigentum
zurück, Schulden werden erlassen.
Allerdings ist schon absehbar, dass die Tiefgaragen, Tunnels und
Metrolinien nicht rechtzeitig zu Weihnachten 1999 fertig werden, wenn der Papst feierlich
eine bestimmte vermauerte Pforte mit einem Hammer beklopft, bevor sie geöffnet und für
die erwarteten 30 (dreißig) Millionen Pilger freigegeben wird, die sie bis Dreikönig
2001 durchschreiten werden.
Aber sie beschreiten eben nicht nur die Pforte, die ihnen angeblich
Ablass
ihrer Sünden beschert, sie hinterlassen auch, abgesehen von einem unvorstellbaren
Verkehrschaos, täglich mindestens 120 Tonnen zusätzlichen Abfall und trinken pro Tag 300.000
Liter Wasser (und lassen sie wieder).
Und wem nützt das alles? Der Stadt Rom und ihren Bewohnern unter dem
Strich wohl kaum, sieht man von den Hoteliers einmal ab. Wohl aber dem Vatikan. Und das
war schon immer so, wenn "Heilige Jahre" oder "Jubeljahre"
stattfanden. Als erster kam Papst Bonifaz VIII. im Jahre 1300 auf die Idee, ein solches
"Giubileo" auszurufen. Den Gläubigen wurde damals versprochen, sie würden
durch eine Wallfahrt nach Rom und - nicht zu vergessen! - ein (Geld-) Opfer auf dem Altar
der Peterskirche einen vollkommenen Ablass für alle während ihres Lebens begangenen
Sünden empfangen.
Dieses erste "Heilige Jahr" verlief so erfolgreich,
dass das
zweite nicht erst, wie geplant, für 1400, sondern bereits für 1350 angesetzt wurde.
Später wurden die Abstände auf 25 Jahre verkürzt und weitere Sonderjubeljahre
eingeschoben, zuletzt 1983 zum 1950.Todesjahr von Jesus von Nazareth.

Jubeljahr in Rom: Arme Gläubige zahlen an die reiche Kirche für den angeblichen
Erlass
einer seelischen Schuld
Wer nicht in der Lage war, eine Romreise anzutreten, konnte einen ebenso
vollständigen Ablass erreichen, wenn er den dritten Teil der Reisekosten an einen
päpstlichen Vertreter zahlte. Oder der Pilger konnte die Pforte noch einmal für seine
Angehörigen passieren - selbstverständlich unter Wiederholung des Zahlungsvorganges.
Auch für das Jahr 2000 hatte der Papst am 1. Adventssonntag 1998 wieder
einen "vollkommenen Jubiläumsablass" in Aussicht gestellt. Zwar ist heute keine
Geldsumme dafür genannt, aber die Opferstöcke der römischen Kirchen werden sicher
genauso wenig leer bleiben wie im Mittelalter. Auch wenn die Mehrzahl der Pilger, so
vermutet man, nicht gerade zu den Reichsten gehören werden.
Rechtzeitig zum Jubiläum hat der Vatikan, dem in Rom etwa jedes vierte
Haus gehört, einige Immobilien in attraktiver Lage zu Hotels umbauen lassen. Unter diesen
Gebäuden war auch eine katholische Schule, die man kurzerhand schloss.
Der angebliche Erlass von Sündenstrafen hat dabei
nicht das Geringste mit Jesus von Nazareth zu tun und wird von Kritikern
als Betrug und Scharlatanerie gewertet (siehe dazu auch
www.theologe.de/theologe2.htm#24 und
www.das-weisse-pferd.com/00_20/kirche_geld_6.html).
Auch die Juden hatten
Jubeljahre
Der heutige Papst bezog sich bei seiner Ankündigung des
"Jubeljahres" im November 1994 ausdrücklich auf die Tradition des Alten
Testamentes. Auch die Juden feierten regelmäßig "Jubeljahre". Das hebräische
Wort "Jowel" ist mit "Jubel" verwandt.
Doch bei den Juden hatten diese Jahre einen ganz anderen Sinn. Alle
fünfzig Jahre, so bestimmte es Mose, mussten alle Felder, alles Eigentum an Boden an die
ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Zusätzlich wurden alle sieben Jahre die
Schulden erlassen, und das Ackerland konnte sich für ein Jahr ausruhen. Außerdem wurden
die durch Verschuldung zu Taglöhnern herabgesunkenen Bauern aus ihrer Abhängigkeit
befreit.
Das Ziel war, dass immer wieder ein sozialer Ausgleich stattfand. Ohne
regulierende Eingriffe würden nämlich die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer
werden. Da z. B. der Boden nicht vermehrbar ist, reagiert er auf steigende Nachfrage (z. B.
durch Bevölkerungszunahme) mit steigenden Preisen. Die Folge ist Bodenspekulation und
eine nicht durch Leistung gerechtfertigte Bereicherung der Bodenbesitzer. Ähnlich ist es
bei den Schulden: Weil das Geld nicht rosten oder verderben kann, ist es den Waren
überlegen und erzwingt ebenfalls höhere Preise, die sich als Zinsen ausdrücken und den,
der einmal in die Zinseszinsspirale gerät, auf Generationen ins Unglück stürzen
können. Das Zinsnehmen war deshalb unter den Juden verboten, wie übrigens auch noch in
der Kirche bis zum Beginn der Neuzeit.
Und schließlich: Auch der Boden braucht Ruhe. Wenn er ständig nur
ausgebeutet wird, erschöpft sich seine Kraft früher oder später. "Moderne"
Kunstdünger können diesen Prozess allenfalls hinausschieben.
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