Wie tritt man aus?
1.) Sie gehen mit Ihrem Personalausweis (oder
Reisepass oder Führerschein) zu dem für Sie zuständigen Amtsgericht
(in Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Teilen von
Rheinland-Pfalz), zum Kreisgericht (in Thüringen und Brandenburg)
oder zum Standesamt (im übrigen Deutschland). Eine Voranmeldung
ist nicht nötig. Erkundigen Sie sich einfach nach den Öffnungszeiten!
Achtung: Wenn Sie verheiratet sind, brauchen Sie in
Hamburg, Berlin, Bayern, Niedersachsen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen
auch Ihre Heiratsurkunde.

Taufschein, Konfirmationsurkunde oder dergleichen
sind nicht nötig. Denn: Der Austritt erfolgt beim Staat, nicht bei der
Kirche - noch.
Schon als Jugendlicher mit 14 Jahren kann man
selbständig - ohne Zustimmung der Eltern - aus der Kirche austreten.
2.) In jeder Behörde gibt es Formulare für den
Austritt. Dort tragen Sie Ihren Namen und Ihre bisherige Konfession ein.
Der Beamte sagt Ihnen genau, was Sie ausfüllen müssen, und liest Ihnen
Ihre Angaben noch einmal vor - das gilt als Protokoll. Die Gründe für
den Austritt will er nicht wissen. Schlimmstenfalls müssen Sie ca. 50 €
zahlen. Meist ist der Austritt
gebührenfrei. In Mecklenburg gibt´s "Rabatt": Der Austritt kostete
vor der Währungsumstellung 20
DM, Ehepartner zahlten zusammen aber nur 30 DM.
Nicht vergessen: Lassen Sie sich Ihren Austritt schriftlich
bestätigen und bitten Sie um eine Bescheinigung. Dies wird nicht
überall automatisch gemacht. Wenn Sie aber nach Berlin oder Brandenburg
ziehen und keine Austrittsbescheinigung vorlegen können, werden Sie dort
unter Umständen wieder zur Kirchensteuerzahlung verpflichtet (mehr zu
diesem Skandal siehe
hier).
3.) Ihre Kirchensteuerpflicht endet je nach
Bundesland in dem Monat, in dem Sie ausgetreten sind, oder erst im
darauf folgenden Monat. Den werden Sie auch noch überstehen.
Sie müssen keine Ersatzsteuer oder ähnliches zahlen,
ihr bisheriger Kirchensteuerabzug fällt ersatzlos weg.
4.) Wenn Sie vielleicht nach einigen Tagen oder
Wochen einen Brief vom ehemaligen Pfarramt bekommen, keine Angst!
Sie haben nichts falsch gemacht. Mittlerweile hat der Staat die Kirche
über Ihren Austritt informiert. In den Amtsstuben der Kirchen liegen
vielfach vorformulierte Briefe, in denen der Pfarrer sein Bedauern über
Ihren Schritt ausdrückt. Was auch immer man dort über Sie denkt - eins
ist gewiss: Wer verliert schon gern die Kuh, die er bisher gemolken hat!
Meistens bietet Ihnen der Pfarrer ein Gespräch an, das Sie höflich und
bestimmt ausschlagen können, wenn Sie nicht mit dem Pfarrer reden
wollen. Sie brauchen überhaupt nicht reagieren, wenn Sie nicht wollen,
es passiert Ihnen nichts! Sie haben keine Verpflichtungen mehr gegenüber
der Kirche und brauchen sich von niemandem ein schlechtes Gewissen oder
Ängste einreden zu lassen. Sie haben den Austritt geschafft.
Sollten Ihnen dennoch Zweifel kommen, können Sie sich
folgendes bewusst machen:
Jesus von Nazareth wollte keine mit dem
Staat verfilzten Kirchen und schon gar keine Kirchensteuer. Er wollte
überhaupt keine Kirchen aus Stein mit Pfarrern, Priestern, Kanzeln,
Dogmen, Altären, Zeremonien usw. Jesus war ein freier Geist. Und der
Schritt aus der Kirche heraus kann für jeden ein Schritt in Richtung
Freiheit sein. So haben es viele erlebt.
Wenn Sie der Kirche den Rücken kehren, aber Gott
die Treue halten wollen, bedenken Sie: "Gott ja, Kirche nein, damit sind
Sie nicht allein!" Schon in der Bibel, in der Johannesoffenbarung, heißt
es: "Ziehet aus von ihr, mein Volk!" - gemeint ist der Auszug aus der
verweltlichten Kirche.
Sie können mit der eingesparten Kirchensteuer so
viel Gutes tun, wie Sie wollen - und zwar genau das, was Sie
für sinnvoll halten und nicht das, was die Kirche will.
Sie brauchen weder einen kirchlichen
Hochzeitssegen für Ihr Eheglück noch einen kirchlichen
Sterbesegen für Ihr Seelenheil. Die Lehre von der ewigen Verdammnis
stammt nicht von Jesus, sondern ist eine Irreführung der Kirche, um Sie
einzuschüchtern. Damit ist es jetzt vorbei. Keine Sorge wegen der
Bestattung: Sie bekommen mittlerweile über fast jeden Bestatter eine
Begräbnisfeier ohne Kirche vermittelt.