In unserem Alltag gibt es viele
Möglichkeiten der Selbsterkenntnis, wenn wir den Mut haben, uns selbst ins Visier zu
nehmen: Wie verhalte ich mich zum Beispiel, wenn ich mich beobachtet fühle, und wie, wenn
ich mich unbeobachtet wähne? Was denke und tue ich, wenn mich auf der Straße ein
Fahrzeug verkehrswidrig überholt? Wie verhalte ich mich an der Kasse eines Kaufhauses
oder wenn mein Vorgesetzter mir einen neuen Arbeitskollegen vorstellt?
Einige kleine Experimente können uns einmal auf andere Weise zu
Erkenntnissen über uns selbst verhelfen:
Dazu setzen wir uns an einen einigermaßen ruhigen Ort und schließen die
Augen. Wir stellen uns vor, rund um uns ist es dunkel. Nichts regt sich, alles ist still.
Plötzlich vernehmen wir ein Geräusch. Diese Wahrnehmung regt in
uns Gefühle und Gedanken an. Das sind dann Aspekte unseres Ichs, die uns unser Gewissen
übermittelt. Gehen wir nun diesen Gefühlen und Gedanken auf den Grund, dann erhalten wir
Impulse aus den feinsten Bereichen unserer Gefühlsebene, die uns mahnen, über dies und
jenes nachzudenken bzw. es zu beachten und nicht mehr zu tun.
Oder wir riechen plötzlich etwas. Auch dieser Geruch ist ein
Impuls aus den feinen Schichten unserer Gefühlsebene. Es ist unser Gewissen. Lassen wir
zu, dass es in unsere Gedanken einspricht, und erforschen wir diese Gedanken, dann
erfahren wir, was wir jetzt, in diesem Augenblick, bereinigen sollten, um es künftig
nicht mehr zu tun.
Oder es bewegt sich zum Beispiel plötzlich unser linker Fuß. Eine
Zehe zuckt. Warum? Ein Gedanke pocht an unser Oberbewusstsein. Was will er uns sagen? Er
regt unsere feinen Gefühle und unsere Gedanken an und vermittelt uns, was eventuell jetzt
ansteht, es zu bereinigen und nicht mehr zu tun.
Wie geht das im Alltag? Hier ein Beispiel:
Ich setze mich kurz hin, schließe die Augen und versuche, an nichts
besonderes zu denken. Da ist mir, als würde jemand leise die Tür öffnen. Unmut steigt
in mir hoch und ein ungutes Gefühl. Was ist das? Ich halte still. Plötzlich sehe ich
eine längst vergangene und vergessene Situation vor mir: In einer Mittagspause klopfte
ein Arbeitskollege an meine Büro-Türe und öffnete sie leise. Er benötigte meine Hilfe.
Anstatt für ihn da zu sein, wies ich ihm - dem Störenfried - barsch die
Tür. Aber welchen "Frieden" hatte er gestört? Ich denke nach. Meine Familie
zeigte damals wenig Verständnis für mich und verweigerte mir ihre Hilfe; so war ich
gerade dabei, eine geballte Ladung von Vorwürfen gegen sie loszuschicken. "Das war
ja damals wirklich gerechtfertigt", versuche ich mich zu verteidigen, aber das ungute
Gefühl will nicht weichen.
Plötzlich klickt es. He, du hast es doch mit dem Bürokollegen genauso
gemacht! Hattest du denn Verständnis für ihn? Du hast ihm die Tür gewiesen. Wie mag er
sich dabei gefühlt haben? - Ich spüre, dass es mir leid tut, und ich erkenne,
dass ich
mich auch heute noch in manchen Situationen ähnlich verhalte. Ich werde es überprüfen
und ändern. Und ich werde meinen damaligen Bürokollegen anrufen und alles in Ordnung
bringen. Entschieden verlasse ich den Raum. Das Experiment hat sich gelohnt. ...
Auch wenn wir mitten im Dunkel dieser Welt leben, umgeben von ihrem
lauten, hektischen Getriebe, ist in uns eine Kraft, die an unser Herz pocht, die uns mahnt
und uns auf vieles aufmerksam macht, was wir bereinigen könnten, um dem unbelastbaren
Wesenskern in uns näher zu kommen und schließlich zu unserem Ursprung zu finden, der
göttlich ist.
Das Buch Ich Ich Ich. Die Spinne im Netz. Das
Entsprechungsgesetz und das Gesetz der Projektion bringt eine Fülle von bisher
nicht bekannten Zusammenhängen und von praktischen Beispielen, was unter uns Menschen
tagtäglich an Gegensätzlichem abläuft, welche Wirkungen als Folge unseres
Fehlverhaltens in diesem oder anderen Leben wieder auf uns zukommen und wie wir aus
unseren menschlichen Verstrickungen wieder herausfinden können.
Es heißt dort:
"Die Summe aller Programme in unserer Seele und in unserem Ober-
und Unterbewusstsein bildet unseren Bewusstseinsstand. Was wir sind, das strahlen wir aus,
und das strahlt uns auch aus allem entgegen ... Der unbelastbare Wesenskern, Gott, das
Gute in uns, sendet ebenfalls unermüdlich Signale.
Diese Impulse bilden neben weiteren göttlichen Hilfen durch
Schutzwesen des ewigen Seins unser Gewissen. Dieses schlägt an bei allen
ungöttlichen Regungen und Neigungen in uns ... Vielfach wirkt unser Gewissen, das sich
über die feinsten Schichten unserer Gefühlsebene offenbart, zuerst spürbar im
Sonnengeflecht. Dort merken wir dann ein Unwohlsein, das einem leichten Übelgefühl
gleichen kann. Gehen wir diesen feinsten Signalen nach, indem wir unsere Gefühlsebene
erforschen, dann öffnen wir gleichsam eine Pforte, durch welche die Impulse aus dem
Wesenskern, Gott, und die der Schutzwesen in unsere Gedankenwelt strömen. An den in uns
aufsteigenden Gedanken können wir dann ablesen, was uns das Gewissen signalisiert.