Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

 Ausgabe 14/99

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Heute vor 900 Jahren: Eroberung von Jerusalem

Freudentränen nach dem Massaker

Gegen Mittag senkt sich die hölzerne Fallbrücke des Belagerungsturms auf die Stadtmauer hernieder. Es entbrennt ein Kampf Mann gegen Mann. Gleichzeitig werden Sturmleitern an die Mauern gelegt. Am frühen Nachmittag ist es um die Stadt geschehen: Von mehreren Seiten dringen die "Franken" in die Stadt ein.

Die blutige Eroberung Jerusalems durch christlicher Kreuzritter

Die Kreuzfahrer dringen in die Stadt Jerusalem ein und veranstalten dort ein grauenhaftes Blutbad - Miniatur von 1450.

Was dann geschah, gehört zu den schwärzesten Stunden der so genannten Christenheit: die Eroberung Jerusalems. Aus der damaligen Sicht der europäischen Kreuzritter war es einer der glanzvollsten Augenblicke.

Man schrieb den 15. Juli 1099. Zwei Tage zuvor waren die Belagerungstürme gegen die Mauer vorgeschoben worden. Seit fünf Wochen lagen die Kreuzfahrer vor der Stadt, die das Ziel ihrer Träume war. Drei Jahre zuvor waren sie aufgebrochen - doch von den ursprünglich etwa 300.000 "bewaffneten Wallfahrern", die mit dem Schlachtruf "Gott will es!" ausgezogen waren, erreichte nur ein Zehntel das Ziel der Reise durch Wüste und Feindesland.

Jetzt wollten sie für die Strapazen entschädigt werden. Und die Menschen umbringen, die ihnen von der päpstlichen Propaganda als "Untermenschen", als "ungläubige Hunde" dargestellt worden waren.

Kreuzfahrer-Versammlung in ClermontEin Massenmörder bei der Vorbereitung seiner Taten: Papst Urban II. ruft 1095 in Clermont zur bewaffneten Wallfahrt auf.

Und das taten sie mit kaum geahnter Gründlichkeit. Ein Augenzeuge und Chronist schrieb unter anderem: "Am Mittwoch und am Donnerstag griffen wir die Stadt mit Gottes Hilfe von allen Seiten Tag und Nacht an. Bevor wir jedoch zu stürmen begannen, bestimmten Bischöfe und Priester durch Predigen und Ermahnen, dass alle für Gott eine Prozession um Jerusalem herum unternehmen und nach Kräften beten, Almosen geben und fasten sollen. Am frühen Morgen des Freitag wurde das Zeichen zum Generalangriff gegeben; ... Als aber die Stunde herankam, in der unser Herr Jesus Christus für uns die Schmach des Kreuzes auf sich nahm ... ergriffen alle Verteidiger die Flucht. Unsere Leute verfolgten sie auf der Mauer und durch die Stadt und töteten und verstümmelten sie. Das ging bis zum Tempel Salomos; dort gab es dann ein solches Gemetzel, dass wir bis zu den Knöcheln tief im Blut der Feinde standen ... Bald liefen unsere Leute durch die ganze Stadt und machten Beute von Gold, Silber, Pferden und Maultieren, indem sie Häuser voller Güter plünderten. Dann kamen sie alle voll Begeisterung und vor lauter Freude weinend am Grab unseres Heilandes Jesus zusammen; sie beteten es an und weihten ihm ihr Leben. Am darauf folgenden Morgen stiegen sie leise auf das Dach des Tempels, griffen die Männer und Frauen der Sarazenen an und schlugen ihnen mit dem blanken Schwert die Köpfe ab" (Gesta Francorum et aliorum Hierosolomitanorum lib.10, c 37f., herausgegeben von R. Hill, London 1962, zitiert nach Reinhold Mokrosch, Herbert Walz, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Band II, Mittelalter, Neukirchen 1980) - eine besonders bestialische Verhöhnung des friedfertigen Mannes aus Nazareth durch die römisch-katholische Kirche.

"Vieles, was man einst schrieb, liest sich heute wie Satire", schreibt Karlheinz Deschner im sechsten Band seiner Kriminalgeschichte des Christentums* über die Eroberung Jerusalems. Eine bittere Satire. Das Blutbad im Namen Christi dauerte einen halben Tag und eine Nacht. Die einzigen Überlebenden sind einige Sarazenen um den fatimidischen Statthalter Iftikar al-Daula, die sich in die Davidsburg retten und gegen eine große Summe Goldes freies Geleit erhalten.

Die Juden werden in der Synagoge hingemetzelt - "ein gerechtes Gottesurteil" nannte es ein Erzbischof. An die fünftausend Sarazenen starben in der Al-Aqsa-Moschee, wohin sie sich geflüchtet hatten. "Die Ritter Christi", schreibt ein Augenzeuge nach der Ermordung von 60.000 - 70.000 Menschen, troffen "vom Scheitel bis zur Sohle vom Blut".

"Leichenhaufen wie Häuser" meldet ein Berichterstatter; andere versichern, dass noch ein halbes Jahr oder gar ein Jahr später "die Luft vom Leichengestank verpestet war". "Kein zeitgenössischer christlicher Chronist indes äußert im geringsten Gewissensbisse", so Deschner. Auch nicht über die Raffgier, mit der die angeblich christlichen Krieger die gesamte Stadt aufs gründlichste plünderten und alle Gebäude in Besitz nahmen.

Für nicht einmal neunzig Jahre. Am 2. Oktober 1187 kapituliert die Stadt vor den Truppen des aus Kurdistan stammenden Heerführers Saladin. Dieser nimmt allerdings keine Rache, im Gegenteil. Er erlaubt den Unterlegenen nicht nur, sich loszukaufen, sondern sichert gefangenen Familienvätern und Ehemännern auch noch sicheres Geleit zum Hafen, zwingt sogar die skrupellosen (christlichen) Schiffskapitäne, die den Besiegten ihre letzte Habe nehmen wollen, sie kostenlos mitzunehmen. Sein Bruder "kauft" viele und lässt sie frei.

Belagerung Jerusalems
Ehe der Belagerungsturm die Mauer erreichen kann, muss der Graben aufgefüllt werden.

Dass dennoch Ungezählte in die Sklaverei verkauft werden, liegt an dem beschämenden Egoismus der "Christen": Die Reichen unter ihnen helfen ihren armen Brüdern nicht; auch der hohe Klerus zieht mit Schätzen beladen davon, ohne seine "Schafe" vor der Sklaverei zu bewahren.

Die Muslime waren toleranter

Als ob dies alles noch nicht genügt hätte, um die moralische Kluft zwischen den Muslimen - deren Fanatismus sich allerdings im Verlauf der Kreuzzüge ebenfalls steigerte - und den "Christen" aufzuzeigen: Unmittelbar nach dem Fall Jerusalems ruft Papst Gregor VIII. zu einem weiteren Kreuzzug auf - obwohl Saladin das "heilige Grab" vor Brandstiftern schützen ließ und allen unbewaffneten Christen weiterhin den Zugang zur Stadt gestattete.

Dies war übrigens auch schon vor dem ersten Kreuzzug so gewesen. Ein einziger Kalif, der wahnsinnige Al-Tahir, hatte 1009 die Grabeskirche zerstören lassen - doch sein Sohn baute sie wieder auf. Was Papst Urban II. am 27. November 1095 in Clermont den dort versammelten Menschenmassen von der Schändung der "heiligen Stätten" und der Ermordung der dort lebenden Christen erzählte, war skrupellose Propaganda.

Die eigentlichen Motive für die Kreuzzüge liegen zum einen in einer ideologischen Stärkung des Papsttums, das gerade im Streit mit dem deutschen Kaisertum lag und nun seine Fähigkeit zur Mobilisierung der Massen unter Beweis stellen konnte.

Zum anderen ging es um die Erschließung neuer Handelswege sowie um die Schwächung des byzantinischen Reiches, das sich kurz zuvor (1054) endgültig von der römischen Kirche losgesagt hatte. Konstantinopel wurde dann auch tatsächlich während des vierten Kreuzzugs 1202 von "lateinischen" Truppen erobert und geplündert, wovon es sich bis zur Eroberung durch die Osmanen 1492 nicht mehr erholte.

Schließlich sollten die zahlreichen Fehden in Europa beendet und auf ein äußeres Ziel gelenkt werden. Die Kirche verdiente dabei - wie auch sonst in der Geschichte - nicht schlecht. Kreuzzugssteuern wurden erhoben, Ablassgelder entgegengenommen - wer nicht am Kreuzzug teilnehmen konnte, dem wurde gegen entsprechende Zahlung ebenfalls, wie allen Teilnehmern an der "Pilgerfahrt", die Vergebung seiner Sünden und das ewige Leben versprochen. Und die Klöster erwiesen sich als besonders geschäftstüchtig: Sie vergaben Kredite, mit denen sich die Ritter ihre Ausrüstung besorgten - und nahmen dafür deren Ländereien in Zahlung. Kam der Ritter nicht oder ohne Beute nach Hause (wofür die Wahrscheinlichkeit weit über 90 % betrug), fiel der Besitz an das Kloster.

Wann wird Christus rehabilitiert?

Was blieb am Ende? Allein der erste Kreuzzug kostete einer Million Menschen das Leben - nicht nur Sarazenen und Christen, sondern auch Tausenden von Juden vor allem im Rheinland, die von den Kreuzfahrern gleich zu Beginn der Wallfahrt als erste abgeschlachtet wurden.

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Hans Wollschläger (Die bewaffneten Wallfahrten nach Jerusalem) schätzt die Zahl der Toten aller Kreuzzüge auf 22 Millionen. Zurück blieb auch bis heute das Entsetzen der Muslime über das, was hier im Namen Christi angerichtet wurde. Die heute so augenfällige fundamentalistische Strömung innerhalb des Islam wäre historisch ohne die Kreuzzüge kaum denkbar.

Bis heute steht der Name Christus in den Köpfen vieler Muslime (und in den Seelen der damals hingemordeten und eventuell heute wiedergeborenen Sarazenen) für unvorstellbare Verbrechen statt für Seine wirkliche Botschaft der Feindesliebe. Statt Seinen Namen zu rehabilitieren, rechtfertigen auch heute noch "christliche" Politiker und Kirchenobere ihre Kriege mit "humanitären" Erwägungen - wie Papst Urban vor über 900 Jahren.

Missbrauch des Namens Christi

"Auf schändliche Art und Weise wurde Mein Name missbraucht und verkauft. Nicht nur in den so genannten Kreuzzügen versuchten Menschen, die sich Christen nannten, jedoch nicht christlich lebten, Andersgläubige mit dem Schwert in der Hand zu christianisieren. Kirchliche Obrigkeiten missbrauchten und missbrauchen Meinen Namen, fesselten und fesseln ihn in ihre Dogmen und behaupten, dass sie die allein seligmachende Gnade hätten, weil sie Mich, Christus, im Joch ihrer Dogmen gefangen glauben."

Das ist Mein Wort - Alpha und Omega - das Evangelium Jesu. Die Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt, S. 799, http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/das-ist-mein-wort---alpha-und-omega.php


 





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