Hochrangige Finanzfachleute aus fünf Ländern sehen das Weltfinanzsystem
in einem alarmierenden Zustand und "in starkem Kontrast zu dem, was das
Publikum gewöhnlich vorgesetzt bekommt". Dies berichtet der
Wirtschafts-Informationsdienst Geld&Money Intelligence.
In den USA bestehe eine "Finanzblase", wie sie in
Japan 1989 aufgetreten sei - also eine künstliche Aufblähung des
Spekulationssektors und der Aktienmärkte, denen keine realen
volkswirtschaftlichen Werte gegenüberstünden. Jeder wisse es, doch "die
Banken operieren unter der Prämisse, dass sie im Ernstfall die ersten am
Ausgang sein werden".
Die Gewinne vieler US-Unternehmen seien durch
statistische Tricks verzerrt und lägen in Wirklichkeit niedriger. Ein
Teil des Lohnes werde in Aktienoptionen ausbezahlt, die nur auf dem
Papier ein so hoher Wert seien - und bei der nächsten Aktienbaisse
verschwinden. Die Banken - nicht nur in den USA - erwirtschaften ihre
Gewinne zunehmend aus Spekulation. Auch Zentralbanken beteiligen sich an
riskanten Hedge-Fonds, die eine Art Wetten über mögliche Kursverläufe
abschließen. Die Notenbanken von Italien und Spanien waren in den
Zusammenbruch des LTCM-Fonds verwickelt. Fazit: "Heute stehen wir am
Abgrund, morgen sind wir schon einen Schritt weiter."