Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 16/99

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Genforschung und Gentechnik

Schöner neuer Mensch?

Ab 1. September 1999 können menschliche Gene und Zellen sowie gentechnisch veränderte Tiere und Pflanzen auch in Europa patentiert werden. Genforscher und Pharmafirmen rechtfertigen dies als Voraussetzung für die gewerbliche Nutzung der Bausteine des Lebens zum Wohle der Menschheit. Skeptiker fragen, welches Wohl die Bioingenieure dabei im Auge haben, wenn sie das Leben zur Ware machen.

Bild von PicassoSpiegelt Picassos Bild die Zerrissenheit des neuen Menschen? Statt innerer Wandlung erstrebt er äußere Änderungen.

Dr. Frankensteins Werkzeugkasten

Seit einigen Jahren arbeiten Tausende von Wissenschaftlern mit Hunderten von Computern an der Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Eine gigantische Datenbank ist im Entstehen, aus der man die Werkzeuge für gentechnische Diagnosen und Therapien entnehmen will. Die ersten Patentanmeldungen in Amerika nehmen sich noch relativ harmlos aus - Glatzen-Gene, Arthritis- und Bluthochdruck-Gene ... Doch bald werden Intelligenz-Gene, Gefühls-Gene, Gedächtnis-Gene und andere Merkmale der menschlichen Persönlichkeit gentechnisch identifiziert, katalogisiert und patentiert sein. Und dann gilt, was in der Militärtechnik schon hundertfach bewiesen wurde: Die Werkzeuge, über die der Mensch verfügt, wendet er auch an.

Das Experimentierfeld

Zunächst war nur von gentechnischen Eingriffen in die Körperzellen erwachsener Menschen die Rede. Doch immer ungenierter kommt nun zum Vorschein, worum es wirklich geht. Auf einem Symposium der Universität von Kalifornien in Los Angeles ließ der Gen-Forscher, John Campbell, die Katze aus dem Sack: "Wir haben jetzt die Fähigkeit, Techniken zu entwickeln, mit denen wir schon in den Keimzellen genetische Erkrankungen bekämpfen und die Qualität des menschlichen Lebens verbessern können. Es wird Zeit, die Früchte von einem Jahrhundert Genforschung zu ernten."

Die Versuche mit der Zeugung und Reifung von Embryonen im Labor, teils vertuscht, teils offen eingestanden, sind der Schritt, die letzten Tabus zu brechen. Die Gen-Ingenieure lassen menschliche Eier außerhalb des Körpers reifen, klonen einstweilen Schafe, flicken Tieren fremde Gene in die Keimbahn, transplantieren Hirngewebe, suchen das Intelligenz-Gen und diskutieren immer offener auch die Möglichkeit der Menschenklonung. Der Homunkulus in der Retorte wird immer wahrscheinlicher.

In manchen Forschungsinstituten will man dem Kunstprodukt Mensch sogar Mikrochips implantieren, um seine Kommunikationsfähigkeit zu erhöhen. Immerhin ist dies an der Universität Tokio bei Küchenschaben bereits gelungen, die man zu fernsteuerbaren Biorobotern umrüstete - einsetzbar zur Pflanzenbestäubung oder als Mini-Spione für Nachrichtendienste. Sollte das Horrorszenario einer Verbindung von Elektronik und menschlichem Organismus eines Tages Wirklichkeit werden, wäre dieser Zwitter der natürliche Partner der künstlichen Intelligenz hoch gezüchteter Roboter.

Der "optimierte" Mensch

Der bekannte Physiker Stephen Hawking konstatiert: "In gewisser Hinsicht muss die Menschheit ihre geistigen und physischen Fähigkeiten verbessern, wenn sie sich mit einer zunehmend komplexen Welt um sie herum auseinandersetzen will ... Wenn biologische Systeme ihren Vorsprung vor elektronischen behalten wollen, müssen diese ohnehin ihre Komplexität erhöhen. Hawking prophezeit, dass der Mensch einen "optimierten Menschen erschaffen" werde.

Dieser werde gewaltige soziale und politische Probleme mit sich bringen. Aber er wird kommen, "ob wir wollen oder nicht". Hermann Josef Muller, Nobelpreisträger und Entdecker der DNA, des Stoffs, aus dem die Gene sind, schwärmte bereits vor Jahrzehnten von der "Idee der Kontrolle der menschlichen Evolution durch den Menschen selbst". Und der kalifornische Biologe Gregory Stock stellte die Frage: "Wer wird dann nicht ein Kind mit einer zusätzlichen Lebenserwartung von 10 oder 20 Jahren haben wollen? "Extraausstattungen" werden eine große Zukunft haben, schreibt Lee Silver in seinem Bestseller Das geklonte Paradies: "Niemand will doch ein durchschnittliches Kind haben. Ist es eine (unzulässige) Verbesserung, wenn ich mein Kind mit etwas ausstatte, das andere Kinder von Natur aus haben?" Und der eingangs zitierte Genetiker John Campbell forderte mit sieben weiteren prominenten US-Wissenschaftlern auf dem Symposium in Los Angeles, die Keimbahntherapie endlich freizugeben.

Er stellt sich vor, dass in jeder Generation die Eltern ihre Kinder mit den neuesten und besten genetischen Errungenschaften ausstatten wollen. Fehlerhafte Einbauten würden dadurch auch ihre Schrecken verlieren. Man bastelt sich seine Kinder nach Gutdünken zurecht. Doch wenn man in die Keimbahn eingreift, werden diese Manipulationen an die nachfolgenden Generationen weitergereicht.

Wird der Mensch zum Monstrum?

Was sich hier abzeichnet, ist das alte Programm, sein zu wollen wie Gott. Es verkleidet sich als "Fortschritt zum Wohle der Menschheit" und ist im Grunde nichts anderes als die dämonische Kampfansage einer rein materialistischen Denkweise gegen ein gottbezogenes Menschenbild. Das gentechnisch geschaffene Kunstprodukt namens Mensch wird zur Marionette genetischer Fremdprogramme.

Es wird sich selbst kaum mehr spüren, seine Gefühle und Empfindungen; es wird sich deshalb selbst nicht mehr erkennen und sein Gewissen mehr und mehr verlieren. Es wird Krankheit und Leid künstlich eliminieren, seine natürlichen Lebenszyklen verlängern, sich selbst, seinen Mitgeschöpfen und Gott gegenüber immer fremder werden. Denn ein solches manipuliertes Wesen erfasst nicht mehr, welche Aufgabe die im Körper einverleibte Seele hat: In genau dieser Lebens-Situation zu wachsen und zu reifen, um Gott und dem Nächsten näher zu kommen.

Die derzeitige weltweite Zunahme von Krankheiten und Seuchen macht es den Drahtziehern dieser Entwicklung leichter, ihre Ideen durchzusetzen. Denn die herkömmliche Medizin stößt immer häufiger an ihre Grenzen und lässt den Ruf nach neuen Wegen lauter werden. Es ist kein Zufall, dass Klonforscher Richard Seed betont, vor allem verzweifelte Eltern todkranker Kinder hätten ihn bestärkt, weiterzumachen. Solche und ähnliche Argumentationen werden in Zukunft noch zunehmen - immer dann, wenn es darum geht, ein weiteres ethisches Tabu zu brechen, ob es um den genetisch veränderten "Menschen nach Maß" geht, um Züchtung von menschlichen Organen oder um das Klonen ganzer Menschen.

In dem Buch Sein Auge*  ist aufgezeigt, was letztlich hinter dieser Entwicklung steht: Der "Dämon" bzw. die "Drahtzieher" aus jenseitigen Bereichen nutzen das Leid der Menschen für ihre Zwecke. Es heißt: "Der Dämon gibt seine wahren Absichten nicht denen preis, die durchführen sollen, was er geplant hat. Vordergründig beauftragt er seine Helfershelfer, seine ihm Hörigen, das zu reparieren, was die gesamte Menschheit einschließlich der Naturwissenschaften im Laufe der Jahrhunderte an der Natur verübt hat. Das erscheint vielen begründet und vernünftig; sie meinen, es sei eine gute und vernünftige Aufgabe."

Der innere Schutz

Während die Lehre des Jesus von Nazareth dem gottfernen Menschen sagt: Werde wieder vollkommen, bereue dein Fehlverhalten, bereinige es und tue Gleiches und Ähnliches nicht mehr, stellt ihm der "Dämon" neue Gene, Organe und Mikrochips in Aussicht. Anstelle der inneren Vervollkommnung tritt eine äußere Perfektionierung ohne Rücksicht auf die inneren Folgen. Während Jesus von Nazareth seine Botschaft an alle Menschen guten Willens richtet, sind die Errungenschaften der Medizin- und Computertechnik nur für reiche Menschen erschwinglich.

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Immer mehr Menschen sehen die Gefahren und möchten nicht mit in den Sog dieser Entwicklung hineingezogen werden. Einen dauerhaft wirksamen äußeren Schutz vor der "neuen Welt" des Dämon gibt es zwar nicht. Doch jeder kann einen inneren Schutz aufbauen, indem er durch den Weg der Bereinigung seines Fehlverhaltens die Beziehung zu Gott aufbaut. Gott liebt uns und zeigt uns den Weg heraus aus jeder Not. Dabei hilft uns unser Gewissen, das uns täglich zur Wachsamkeit mahnt, wo wir z. B. in Gefahr stehen, unsere Mitmenschen zu manipulieren oder zu beherrschen. Denn auch hier gilt: Wer selbst nicht manipuliert, kann nicht manipuliert werden. Und in wessen Seele die Liebe zu Gott und zum Nächsten aktiv ist, der braucht sich vor "seelenlosen" Menschen nicht zu fürchten.


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