Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 16/99

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Jedes Feld ist ein lebendiger Organismus:
Getreideernte auf den Höfen Neu Jerusalem

Auch das "Unkraut"
 arbeitet mit

Während der Getreideernte einen Landwirt der Güter Neu-Jerusalem ausfindig zu machen, ist fast unmöglich - jeder ist irgendwo auf einem der zahlreichen Felder unterwegs. Doch es gibt ja die Technik. Wir rufen Florian auf seinem Handy an, während er gerade auf dem Mähdrescher sitzt.

Frage: Wie sieht die Ernte aus? Seid ihr zufrieden?

Im großen und ganzen: Ja. Nur beim Roggen haben wir etwas weniger Ertrag als geplant. Während der Saat im letzten Herbst war das Wetter sehr ungünstig, es regnete zuviel, wir kamen nur schwer in die Äcker hinein, das wirkt sich auch auf die Ernte aus.

Mähdrescher bei der GetreideernteVorher regnete es mehr als üblich - doch zur Ernte blieb es trocken

Frage: Man redet ja heutzutage viel von Klimaveränderung. Hat sich beim Wetter während der Erntezeit auch schon etwas geändert?

Ja, das Klima ändert sich. Es fällt auf, dass es im letzten Herbst und auch in diesem Jahr feuchter als sonst war. Die "Regenzeit" im Winterhalbjahr beginnt im Herbst früher und hört im Frühjahr später auf als früher üblich. Wir hatten dieses Jahr schon doppelt soviel Regen, als sonst in einem ganzen Jahr fällt. Aber das kann nächstes Jahr schon wieder ganz anders sein. Das Wetter scheint großen Schwankungen zu unterliegen; es weicht stark von den Erfahrungswerten ab. Seit Beginn der Ernte, die heuer sehr früh stattfindet, ist es jedoch konstant trocken und warm, wofür wir sehr dankbar sind.

Frage: Und wie sieht es mit dem Unkraut, oder besser gesagt: Beikraut, aus? Das wird ja in der ökologischen Landwirtschaft nicht weggespritzt. Gab es viel dieses Jahr?

Durch die starke Feuchtigkeit ist natürlich einiges gewachsen. Aber es steht tiefer als das Getreide. Die Felder sind hier unterschiedlich betroffen. Es hängt zum einen davon ab, wie der Boden behandelt wurde, bevor wir ihn übernommen haben. Zum anderen aber auch, wie wir damit umgehen. Fahren wir z. B. zum Säen in ein Feld hinein, das noch sehr nass ist, dann wird der Boden zerfurcht und verdichtet sich. Dann kann man schon davon ausgehen, dass dort im Frühjahr verstärkt Kamille oder Distel wachsen werden, die den Boden wieder lockern. Alle Beikräuter haben also auch eine Funktion.

Frage: Ihr habt auf den Gütern "Neu Jerusalem" vor einigen Jahren damit begonnen, nach dem Grundsatz der Dreifelderwirtschaft zu arbeiten: Nachdem das Feld zwei Jahre lang bebaut wurde, bleibt es ein Jahr brach liegen und kann sich erholen. Kann sich das ein Betrieb heutzutage finanziell überhaupt leisten?

Kurzfristig ist es natürlich ein finanzieller Verlust, wenn man den Boden nicht jedes Jahr beansprucht. Doch wir können über einige Jahre hinweg schon feststellen, dass es sich langfristig auszahlt. Auf lange Sicht steigen auf solchen Feldern die Erträge an. Die Felder werden stabiler und sind besser für Wetterschwankungen gerüstet - ähnlich wie ein Mensch, der gesund ist, schwierige Situationen leichter verkraftet als ein überlasteter oder kranker.

Frage: Die Bäckerei Lebe Gesund bäckt das ganze Jahr über fast ausschließlich mit eigenem Getreide von euren Höfen. Gibt es da keine Lagerverluste?

Nur geringe. Das liegt an der modernen Lagertechnik, die wir einsetzen. Wir reinigen das Getreide, trocknen es und halten es kühl. Dadurch haben Pilze und Käfer keine Chance, sich zu entwickeln, denn die brauchen ein bestimmtes Klima, z. B. warm und feucht. Durch die Reinigung entfernen wir mit den Beikräutern und dem Schmutz auch zahlreiche Keime und Sporen - und wir verringern die Schadstoffe ganz erheblich, die etwa über die Luft auf den Acker gelangt sind. Dadurch leisten wir auch einen zusätzlichen Beitrag zur Gesundheit des Endverbrauchers, der letztendlich das Brot isst. - Aber jetzt muss ich aufhören, weil ich gerade das Getreide vom Mähdrescher auf den Hänger lade.

Das Weisse Pferd: Wir sind auch schon durch - vielen Dank für das Gespräch und weiterhin gutes Wetter!

Eine Frage hatten wir doch noch, aber die wollten wir ohnehin Josef stellen, einem der Geschäftsführer der Firma Gut zum Leben, die für die Weiterverarbeitung und den Vertrieb der im Gütesiegelverbund ökologisch angebauten Lebensmittel zuständig ist.

Frage: Josef, in letzter Zeit werden immer mehr Lebensmittelskandale bekannt, wie z. B. die Dioxin-Eier in Belgien, die Futtermittelskandale bei Tiermästereien. Steigt dadurch die Nachfrage nach ökologisch angebauten Lebensmitteln auch bei euch?

Ja, die Nachfrage steigt stetig an. Die Belgier - wir sind seit kurzem mit unseren Produkten auch in Belgien - sind sehr verunsichert. Aber auch bei uns werden die Menschen immer sensibler, vor allem auch Familien mit Kindern oder Menschen mit Allergien. Sie suchen Lebensmittel, zu denen sie Vertrauen haben können. Und wir haben eben den Vorteil, dass bei uns von der Saat bis zum Verkauf der Produkte alles aus unserem Gütesiegelverbund ist. Wir können also für die Qualität garantieren.

Frage: Welche Rolle spielt dabei, dass ihr auch auf Mist und Gülle verzichtet?

Wir haben im Gütesiegelverbund keine Nutztierhaltung. Die Tiere sind unsere Übernächsten. Wir achten sie und töten sie nicht. Folglich gibt es bei uns keinen Mist und keine Gülle. Davon abgesehen spricht es sich immer mehr herum, dass die Tiere mit Medikamenten behandelt werden, nicht mehr gesund sind und diese Keime sich in der Gülle befinden bzw. im Mist.

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All das kommt in den Boden, von dort in die Pflanze und über die wieder in den Magen des Menschen. Wenn man bedenkt, dass die tierischen Fäkalien lange gelagert werden, bis sie auf die Felder gebracht werden, wird einem auch klar, dass sie sich mit Fäulnisbakterien anreichern, die wiederum in den Boden gelangen. Gerade an diesem Beispiel sehen wir, dass alles wieder auf uns zurückkommt. Was wir den Tieren antun, tun wir letztlich uns selber an. Es ist eine Frage der Zeit, bis all das immer mehr ins Bewusstsein der Menschen gelangt, die gesundheitsbewusst leben möchten.

Das Weisse Pferd: Vielen Dank!


Die Landwirtschaft auf den Höfen Neu Jerusalem bzw. Terra Nova wird auch als "Friedfertiger Landbau" bezeichnet.
Mehr dazu unter: http://www.lebegesund.info/info/derfriedfertigelandbau/index.html


 

 

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