Das schlichte Schild auf einer
Einfallstraße nach Würzburg weist auf das Treffen der urchristlichen Gemeinde hin.
Friedlich und freundlich lädt es jeden Sonntag um 10.00 Uhr zum Treffen der Gottsucher
ein. Doch weil der Bischof von Würzburg es partout nicht leiden mag, soll es nun weg.

Merkwürdig, wie ein kleines Schild manche
Gemüter in Wallung bringen kann
»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen
Nachbarn nicht gefällt.« Friedrich Schiller hat bei diesem Vers wohl kaum an die
katholischen Priester gedacht. Denn deren Kirche, so das Programm, versteht sich als ein
Hort von Nächstenliebe und Toleranz.
Warum nur nicht in Würzburg? Kaum aufgestellt, war das friedfertige
Schild dem katholischen Goliath ein Dorn im Auge. Denn obwohl das Verhältnis der
Kirchtürme von Bischof und Urchristen 37 : 0 beträgt und Würzburg sogar das größte
Pfarrhaus Europas besitzt (die bekannte barocke Residenz), brannte seiner Exzellenz das
kleine Schild offensichtlich wie ein Stachel im Fleisch.
Welcher Anruf mag wohl im Rathaus eingegangen sein? Genaues weiß man
natürlich nicht. Ob die bewährte Formel "... sonst bist du kein Freund des Kaisers
mehr" auch diesmal ihre Wirkung nicht verfehlt hat? Doch vielleicht wars auch
einfacher. Denn der Antrag auf Verlängerung des urchristlichen Hinweisschildes wurde vor
allem mit den Stimmen der CSU abgelehnt: "C" steht für das Etikett
"christlich", das gleiche also, das auch der Bischof für sich reklamiert. Den
Rest kann man sich leicht ausmalen.
Nicht uninteressant ist die Ablehnungsbegründung des Würzburger
Ordnungsausschusses. Sie bedient sich nämlich einer so genannten Rationalisierung, das
heißt eines
psychischen Abwehrmechanismus, der sich vor allem bei Zwangsneurosen findet. Die
Begründung der Bürgervertreter lautet: "Eine immer größere Zahl von Religions-
und Weltanschauungsgemeinschaften" führe möglicherweise zu einer "Flut von
Anträgen" auf Hinweisschilder, was zu einem verkehrsbehindernden Schilderwald
führen werde ...