Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 16/99

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Der Schein heiligt die Mittel

Die Schild-Bürger im Rathaus von Würzburg

Das schlichte Schild auf einer Einfallstraße nach Würzburg weist auf das Treffen der urchristlichen Gemeinde hin. Friedlich und freundlich lädt es jeden Sonntag um 10.00 Uhr zum Treffen der Gottsucher ein. Doch weil der Bischof von Würzburg es partout nicht leiden mag, soll es nun weg.

Schild Urchristliche Gemeinde
Merkwürdig, wie ein kleines Schild manche Gemüter in Wallung bringen kann

»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.« Friedrich Schiller hat bei diesem Vers wohl kaum an die katholischen Priester gedacht. Denn deren Kirche, so das Programm, versteht sich als ein Hort von Nächstenliebe und Toleranz.

Warum nur nicht in Würzburg? Kaum aufgestellt, war das friedfertige Schild dem katholischen Goliath ein Dorn im Auge. Denn obwohl das Verhältnis der Kirchtürme von Bischof und Urchristen 37 : 0 beträgt und Würzburg sogar das größte Pfarrhaus Europas besitzt (die bekannte barocke Residenz), brannte seiner Exzellenz das kleine Schild offensichtlich wie ein Stachel im Fleisch.

Welcher Anruf mag wohl im Rathaus eingegangen sein? Genaues weiß man natürlich nicht. Ob die bewährte Formel "... sonst bist du kein Freund des Kaisers mehr" auch diesmal ihre Wirkung nicht verfehlt hat? Doch vielleicht war’s auch einfacher. Denn der Antrag auf Verlängerung des urchristlichen Hinweisschildes wurde vor allem mit den Stimmen der CSU abgelehnt: "C" steht für das Etikett "christlich", das gleiche also, das auch der Bischof für sich reklamiert. Den Rest kann man sich leicht ausmalen.

Nicht uninteressant ist die Ablehnungsbegründung des Würzburger Ordnungsausschusses. Sie bedient sich nämlich einer so genannten Rationalisierung, das heißt eines psychischen Abwehrmechanismus, der sich vor allem bei Zwangsneurosen findet. Die Begründung der Bürgervertreter lautet: "Eine immer größere Zahl von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften" führe möglicherweise zu einer "Flut von Anträgen" auf Hinweisschilder, was zu einem verkehrsbehindernden Schilderwald führen werde ...

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Zwar ist mit dem Beschluss des Stadtrates die Gefahr der Verunzierung Würzburger Straßen durch die Invasion eines Schilderwaldes erst einmal abgewehrt. Um jedoch jedem Verdacht von Engstirnigkeit oder gar klerikaler Abhängigkeit entgegenzutreten, sollen jetzt acht "Mega Light Großflächen-Werbetafeln" an Würzburgs Straßen aufgestellt werden. Diese unterhaltsamen Reklameschilder in der Größe einer Plakatwand bieten nach Art der Kinowerbung wechselnde Motive. Ob die Urchristen ihren Hinweis nun hier unterbringen werden, ist noch nicht bekannt.

Dass selbst fränkische Tageszeitungen angesichts der Weisheit des Stadtrates verdutzt sind, geht aus folgender Notiz hervor: "Warum die Großtafeln allerdings im Unterschied zu den Hinweisschildern auf Gottesdienste des UL keine Verkehrsgefährdung darstellen sollen, bleibt ein Geheimnis der Stadtverwaltung" (Main-Echo 28.7.1999).

Später entschied das Amtsgericht.
Lesen Sie dazu: Der Schild-Bürgerstreit von Würzburg - Hinweisschild des Universellen Lebens bleibt


 



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