Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

 Ausgabe 17/99

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Visionen sind gefragt

Mut zu einer besseren, gerechten Welt

Von "Kindern ohne Visionen und Hoffnung" spricht die Welt, wenn sie die Gewaltausbrüche z. B. amerikanischer Jugendlicher zu erklären versucht.

Vision einer besseren, gerechten Welt
Gesunde Nahrungsmittel, Kleidung, Obdach - und Friede allen Menschen, Tieren und Naturreichen! Wie wird aus dieser Vision Wirklichkeit?

Und nach einer Spiegel-Umfrage (Nr. 28/1999) ist mit der Generation der heutigen Jugendlichen "keine Vision zu verbinden". Die Jugend ist jedoch auch der Spiegel der Alten. Hat also niemand mehr Visionen?

Karriere machen, Spaß haben, etwas erleben - das sind die Trends der Zeit. Doch die Flucht ins Angepasst-Sein, ins Private überdeckt vielfach nur das Gefühl des Ausgeliefert-Seins gegenüber scheinbar unabänderlichen Bedrohungen: Wirtschaftsmultis fusionieren zu immer gigantischeren Gebilden - und spucken dabei wie selbstverständlich Tausende von Arbeitern auf die Straße, die nicht genügend Profit bringen. Viele Jugendliche finden von vorneherein keine Arbeitsplätze. Spekulanten können sogar die Währungen ganzer Länder kippen. Wann kommt der nächste Börsenkrach? In Politik und Wirtschaft herrschen Korruption. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird auch in den Industrieländern immer breiter. Und wo das täglich Brot noch gesichert scheint, kann man nicht sicher sein, ob es nicht vergiftet ist - weil insbesondere in der Tierzucht ein Lebensmittelskandal nach dem anderen aufgedeckt wird. Bei immer mehr Menschen macht sich Ratlosigkeit breit: Was kann man überhaupt noch essen? Gibt es für unsere Kinder noch eine lebenswerte Zukunft? Und woher ist Hilfe zu erwarten?

Auf rechtzeitige Hilfe warteten viele verschüttete Menschen beim Erdbeben in der Türkei vergeblich. Diese tragische Katastrophe kann man auch als Warnung für alle Menschen verstehen. Häuser, die solide gebaut sind, blieben oftmals stehen. Andere Gebäude, die aus Profitgier der Bauunternehmer in unzulänglicher Weise hochgezogen wurden, stürzten in sich zusammen. Gilt das nicht für die gesamte Wirtschaft? Was auf rücksichtsloser Profitsucht beruht, wird früher oder später in sich zusammenfallen.

Die Katastrophe in der Türkei könnte auch ein Symbol für Menschen sein, die nicht betroffen sind. Habe ich mein "Lebenshaus" auf solide gute Fundamente gebaut oder nicht? Wird es in den Beben oder Stürmen der Gegenwart und Zukunft wie ein Kartenhaus zusammenfallen oder standhalten?

Der einzelne fühlt sich gesellschaftlichen Entwicklungen meist ohnmächtig ausgeliefert. Bei einem Miteinander gleich gesinnter Menschen können sich jedoch neue Wege erschließen.

Zu allen Zeiten gab es Bewegungen, die, meist aus einem ethisch-moralischen Impuls heraus, ihr Leben gemeinsam in die Hand nahmen, um ein Beispiel für eine gerechtere Welt zu geben: Die ersten christlichen Gemeinden etwa, die ihre Güter zusammenlegten und sich als Handwerker oder Bauern von der Willkür der Feudalherren unabhängig machten. Oder die Katharer, Beginen oder Waldenser des Mittelalters, die oft in Hausgemeinschaften als Weber oder Schuster für ein gemeinsames Auskommen sorgten und für ihre ehrliche und zuverlässige Arbeit bekannt waren - und die wegen ihres Glaubens und Lebens oft verfolgt und umgebracht wurden. Oder die Täufer der Reformationszeit, die wegen ihres Glaubens von Land zu Land weiterziehen mussten und sich nicht entmutigen ließen, trotz Verfolgung immer wieder neu anzufangen. Oder die Pioniere der israelischen Kibbuzim, die aus einem politischen Impuls heraus das Gemeinschaftsleben anstrebten.

Aufbruchsstimmung

Auch heute gibt es an manchen Orten Aufbruchsstimmung und Menschen mit einer Vision einer besseren und gerechten Welt, z. B. Urchristen im Universellen Leben. Nachdem sie die Bergpredigt des Jesus von Nazareth in ihren Anfangsschritten privat in ihrem Alltag erprobt hatten, gingen sie nach einigen Jahren einen Schritt weiter und taten sich auch im Berufsleben zusammen: "Eine kleine Gruppe von Menschen hat sich vor 15 Jahren aufgemacht, die Vision von einer besseren, gerechten Welt in die Tat umzusetzen", lesen wir im Spessart-Marktboten, der Kundenzeitschrift der Firma Gut zum Leben (PS: Heute [2008] werden die Produkte auch über Versand angeboten unter www.lebegesund.de). "Wir bieten eine Alternative an, die den Mächtigen ein Dorn im Auge ist - für viele Menschen aber Rettungsanker in einer wüsten Zeit darstellt. Wir drängen diese Alternative niemandem auf. Wir sind keine Besserwisser oder Missionare, denn wir achten die Freiheit des Menschen als das höchste Gut."



"Tut alles in der rechten Liebe und mit Verständnis, denn alles lebt."

Die betriebliche Alternative ist eine neue Wirtschafts- und Lebensweise z. B. in ökologisch bewirtschafteten Bauernhöfen, in Handwerksbetrieben, in einer staatlich genehmigten Privatschule, in mehreren Kindergärten, in einer Klinik und einer Sozialstation und in vielen weiteren Betrieben, die gemeinsam aufgebaut wurden. Die geistige Grundlage hierfür ist eine höhere Ethik im Sinne des Jesus von Nazareth, ein Miteinander auf der Basis des gegenseitigen Verstehens und Vergebens. Ganz praktisch geht es z. B. darum, die Fehler, die mich am anderen stören, zuerst bei mir selbst in Ordnung zu bringen. Ich achte keinen höher oder geringer als mich selbst, und anstatt von meinen Mitmenschen etwas zu erwarten, lerne ich - so weit es möglich und sinnvoll ist - dies selbst zu tun. Und wenn ich berechtigte Kritik vorbringe, tue ich es so, wie ich selbst kritisiert werden möchte. Auch wenn die Urchristen bei der Verwirklichung noch fehlerhaft zu Werke gehen, die Anfänge sind gemacht. Und viele, die diese Lebensweise einmal ausprobiert haben, fühlen sich durch jeden kleinen "Erfolg" angespornt, auf diesem Weg weiterzumachen.

Das gilt auch für das Verhältnis zur Natur, zu den Pflanzen und Tieren. Jesus, der Christus, liebte die Natur. Er sagte: "Fühlt die Verbindung mit jeglicher Kreatur und mit allen Steinen und Pflanzen und schützt das Leben, das euch anvertraut ist ... Tut alles in der rechten Liebe und mit Verständnis, denn alles lebt" (Das ist Mein Wort, S. 187, http://www.das-wort.com/deutsch.html). Aus diesem Grund ernähren sich die Urchristen vegetarisch, allerdings ohne Fanatismus, und betreiben eine friedfertige Landwirtschaft ohne Chemie und ohne Mist und Gülle. Dank der Dreifelderwirtschaft bekommt der Boden in jedem dritten Jahr die verdiente Erholung und belohnt es in den beiden anderen Jahren mit desto höheren Erträgen.

Ein Reich des Friedens

Die größte Vision überhaupt hatte Jesus von Nazareth. Ihm ging es darum, ein Reich des Friedens auf dieser Erde aufzubauen. Dieses "Reich Gottes", wie es in der Bibel heißt, entwickelt sich zunächst in Menschen, die "friedfertig" oder "barmherzig" sind oder die "nach der Gerechtigkeit" "hungern und dürsten", und es verhält sich so wie bei einem Senfkorn: Anfangs ist es ganz klein, allmählich wächst es dann zu einem Baum heran, "so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen" (Bibel, Mt. 5 und 13). Der Seher Johannes prophezeit, dass in diesem Reich "weder Leid noch Geschrei" mehr sein wird (Ofb. 21, 4).

Diese Vision begeisterte Menschen zu allen Zeiten, doch setzt jeder äußere Aufbau voraus, dass man zuerst an sich arbeitet und im Miteinander einer Gemeinschaft seinen Egoismus abbaut, so wie es Jesus lehrte. Auf diese Weise schafft man gute Fundamente. Für Urchristen sind hierfür die Prinzipien Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit (= Geschwisterlichkeit), Gerechtigkeit wichtig (vgl. dazu "Das Friedensreich", Ausgabe Nr. 2/2001).

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So gibt es dort keine Chefs und Untergebenen, alle sind gleich verantwortlich, und sie verdienen auch alle annähernd gleich. Das ehrliche Miteinander kennt kein Übervorteilen des Nächsten und schließt auch die Gerechtigkeit dem Staat gegenüber ein, entsprechend dem Gebot "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört." Offenheit, Verständnis und gegenseitige Hilfe führen nach und nach in die Einheit. Dabei ist es wichtig, dass die gemeinschaftlichen Unternehmungen überschaubar bleiben, denn jeder Mitarbeiter soll die Möglichkeit haben, den Betrieb zu durchdringen. Kommuniziert jeder mit jedem, entwickelt sich ein positiver Energiekreislauf, der insgesamt eine gute Leistung für den Nächsten und für das Gemeinwohl ermöglicht.

Jeder kann etwas tun

Auch wenn jemand nicht in einem solchen Betrieb arbeitet - jeder, der dies möchte, gleich, wo er lebt, kann Schritte in diese Richtung gehen, um die Bergpredigt in seinem Alltagsleben mehr und mehr zu verwirklichen. Dazu braucht es manchmal Mut - indem ich z. B. nicht der Stärke meiner Ellenbogen vertraue, sondern dem Miteinander, bei dem man für alle eine gute Lösung finden kann. Auch bei Meinungsverschiedenheiten bin ich nicht derjenige, der es am besten weiß, sondern ich bejahe die Lösung, die sich aus den positiven Beiträgen aller Beteiligten ergibt. Komme ich in Situationen, wo die Gebote Gebotes nicht erfüllt werden, fasse ich Mut, auf mein Gewissen zu hören und diese Stimme einzubringen bzw. für mich konsequent zu bleiben. Und sagt mir der Nächste einmal ehrlich die Meinung, dann nehme ich ihm das nicht übel, sondern finde darin die Wahrheit, die mich weiterbringt.

Viele Menschen in unserer Gesellschaft beten das "Vaterunser", teils aus Tradition, teils aus Überzeugung, und sie beten "Dein Reich komme, Dein Wille geschehe". Weil diese Vision keine Utopie bleiben soll, heißt es in diesem Gebet weiter "wie im Himmel, so auf Erden". Wann diese Vision Wirklichkeit wird, hängt von uns allen ab. Jeder kann dazu etwas beitragen.

 

Betriebsführung
 aus urchristlicher Sicht

Die Broschüre Der Prophet Nr. 4 trägt den Titel: Der Aufbau des göttlichen Werkes und die Tat - die Betriebswirtschaft nach der Bergpredigt. Nachfolgend ein Auszug:

Wir alle sind noch in den alten Mustern des morbiden Systems der Wirtschaft befangen: der Ellbogenhaltung, des Aushöhlens der Betriebe, der Machtkämpfe, der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberhaltung. Das Aushöhlen eines Betriebes erfolgt nicht dadurch, dass zu wenig gearbeitet wird, sondern es kommt darauf an, wie gearbeitet wird und wo sich der einzelne während der Arbeit gedanklich befindet.

Viele Arbeitnehmer, aber ebenso viele Arbeitgeber haben eine typische Nehmerhaltung. Vielfach geht es den einzelnen nur darum, dass ihr Arbeitsplatz und ihre Position gesichert sind. Für den Aufbau der positiven Betriebsenergie leisten sie sehr wenig; das wird deutlich, wenn man in die Gedanken- und Wunschwelt des einzelnen zu blicken vermag. ...

Der Betrieb als Organismus

Jeder Betrieb kann als Organismus gesehen werden. Jeder einzelne Mitarbeiter ist gleichsam ein Organ oder ein Teil, eine Zelle eines Organs. Der Organismus des Betriebes kann nur gesunden und gesund bleiben, gute Umsätze und Gewinne erzielen, wenn jedes Organ mit den anderen kommuniziert, also wenn die Betriebsangehörigen friedlich zusammenarbeiten. Weil alles Energie ist, so kann ein Betrieb auf Dauer nur bestehen, wenn die Betriebsangehörigen verantwortungsbewusste, aufbauende und betriebszielstrebige Gedanken bei der Arbeit haben. ...

Wenn jeder Betriebsangehörige - also Arbeitnehmer und Arbeitgeber - ein Teil des Organismus »Unternehmen« ist, so gilt auch die Frage, ob es wohl nützlich für den Gesamtorganismus ist, wenn ein oder mehrere Organe mehr Energie beanspruchen als sie zu einem gesunden und gedeihlichen Leben benötigen. Würden z. B. die Gehirnzellen sagen: »Wir sind die wichtigsten Zellen des ganzen Organismus und benötigen deshalb 80 % der gesamten Betriebsenergie« - was würde geschehen? Die Gehirnzellen würden immer üppiger und die übrigen Körperzellen immer schwächer. Das Gleichgewicht ginge verloren, der Organismus würde krank, und unter Umständen stürbe er. Beanspruchen also Unternehmer oder Mitarbeiter eine zu hohe Lohnquote, ohne Rücksicht auf das Gleichgewicht oder die betriebswirtschaftliche Situation des Unternehmens, so wird auch im Organismus »Unternehmen« gleiches geschehen.

Verantwortungsträger werden

Auch die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerhaltung wirken trennend, denn in diesen liegt die Unterscheidung in Hochgestellte und Untergebene, also Befehlsgeber und Befehlsempfänger. In Unternehmen, wo es das Oben und Unten, das Hoch und Nieder, also die Ungleichwertigkeit gibt, wird das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter nicht gefördert.

Der Geist Gottes offenbarte uns, dass jeder Mensch in seiner Bewusstseinsanlage unterschiedlich ist. Der eine hat ein größeres Verantwortungsvolumen, der andere noch ein kleineres; der eine hat qualitative Fähigkeiten, der andere ist nur bedingt qualifiziert. Der eine hat Führungsqualitäten, der andere steht noch in der Position, sich führen zu lassen. Doch jeder, der zum Verantwortungsträger heranwachsen möchte, kann sein Bewusstsein erweitern, wenn er die Möglichkeiten zur Erweiterung seines Erfahrungshorizontes wahrnimmt, die ihm in einem gut geführten Betrieb offen stehen. So wird er in den Betrieb als Verantwortungsträger hineinwachsen, weil er mit der Zeit nicht nur seine seitherigen Qualitäten einbringt, sondern weitere Fähigkeiten erschließt, die sich allmählich weiter entwickeln. ...

"Der Prophet Nr. 4" kann kostenlos bestellt werden beim Verlag DAS WORT, Tel. 09391/504-135;
Siehe dazu auch:
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html


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