Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 18/99

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Das Inferno von Waco und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Im April 1993 ging eine schreckliche Nachricht um die Welt: 80 Anhänger (darunter 25 Kinder) einer "amerikanischen Sekte", genannt die "Davidianer" hätten sich in einem Anfall von Fanatismus selbst verbrannt. Da ein Teil der Toten Schussverletzungen aufwies, sei davon auszugehen, dass der Anführer der Gruppe, ein gewisser David Coresh, beim Massenselbstmord mit Schusswaffen nachgeholfen habe.

Was bei dieser Meldung von Anfang an nachdenklich stimmte, war der Umstand, dass das FBI, die US-amerikanische Bundespolizei, das Camp der Davidianer in Waco/Texas in einem martialischen Einsatz beschossen und gestürmt hat. Nunmehr scheinen behördliche Ermittlungen einen alten Verdacht zu bestätigen: Dass es sich nicht um den Selbstmord unglücklicher Fanatiker handelte, sondern dass das FBI es war, das die Behausung der Leute mit brennbaren Tränengasgranaten in Brand geschossen hat. Videoaufnahmen sollen das beweisen; den Abschuss von zwei solchen Raketen hat das FBI inzwischen selbst zugegeben. Umfangreiches Beweismaterial wurde beschlagnahmt, und die amerikanische Justizministerin Janet Reno gerät ins Schleudern, weil sie nach der Tat die Öffentlichkeit falsch informiert hat bzw. auch selbst falsch informiert war.

Ins Schleudern kommen nun auch der Evangelisch-Lutherische Landesbischof in Bayern, Hermann von Loewenich, und sein Vorgänger, Johannes Hanselmann, die es billigten, dass ihr Sektenbeauftragter Dr. Wolfgang Behnk jahrelang den Feuersturm von Texas dazu benutzte, um in Deutschland einen Feuersturm der Hysterie gegen religiöse Konkurrenten zu entfachen. Was in Waco passierte, sei ein "Sektenselbstmord" gewesen; und das könne auch in Würzburg passieren. Bei der dortigen Gemeinschaft der Urchristen im Universellen Leben sei ebenfalls ein "Massenselbstmord" möglich, verkündete der kirchliche Beauftragte Behnk landauf landab. Er wusste zwar, dass derartiges der Lehre des Universellen Lebens erklärtermaßen widerspricht. Er wusste auch, wie umstritten die Selbstmordthese von Waco war. Aber die verleumderische Verdächtigung erschien dem Pfarrer eben zu schön und zu wirkungsvoll, um darauf verzichten zu wollen. Ganze Heerscharen von Rundfunk- und Fernsehreportern fielen über einen unterfränkischen Bauernhof her, um dort das deutsche "Waco" ausfindig zu machen. Die Arbeit Behnks gilt im Landeskirchenamt als "Seelsorge", für die er ausdrücklich belobigt wurde. Davon wurde auch diese Schlammschlacht nicht ausgenommen. Für einen rechten Nachfolger Martin Luthers, der zur Brandschatzung jüdischer Synagogen aufgerufen hatte, war Behnks Aufwiegelung der Öffentlichkeit gewissermaßen nur das kleine Einmaleins der Ketzerbekämpfung.

Was machen der Bischof und sein Mann fürs Grobe eigentlich jetzt, nachdem die Waco-Lüge bereits in Waco zusammenbricht? Wollen sie sich bei den als potentielle Selbstmörder Gebrandmarkten entschuldigen? Oder lässt man es dabei bewenden, dass man sich eben geirrt habe - mit klammheimlicher Freude über diesen Irrtum, der für die "Seelsorge" so hilfreich war? Oder hatte man sich am Ende gar nicht geirrt, sondern gewusst, dass es in Waco um Mord und nicht um Selbstmord ging? Die Kirchen haben schließlich weltweite Verbindungen und zeichnen weltweit verantwortlich für gesellschaftliche Ausgrenzung und Dämonisierung von "Sektierern". Ohne sie hätte man den angeblich verbotenen Waffenbesitz des David Coresh in dem waffenversessenen USA wohl mit einer schlichten Polizeimaßnahme gegen den sich frei bewegenden Mann beantwortet, aber nicht mit einem kriegsähnlichen Einsatz gegen eine ganze Gemeinschaft.

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Luther, der zum Totschlag von Bauern und zur Hinrichtung von Wiedertäufern aufrief, hätte die Auslöschung der "Sektierer" von Waco vermutlich befürwortet. Seine Nachfolger Behnk und von Loewenich, die die Tradition Luthers bewusst hochhalten, suggerierten der Öffentlichkeit wider besseres Wissen, dass es in Deutschland eine Gemeinschaft gebe, die ähnlich gefährdet sei, wie man es bislang bei den Davidianern von Waco vermutete. Spielten die beiden Lutheraner vielleicht unbewusst mit dem Gedanken, dass es hier zu ähnlichen Verwicklungen zwischen ausgegrenzten Ketzern und der bewaffneten Staatsmacht kommen könnte wie in Texas? Eine öffentliche Klarstellung bzw. Entschuldigung wäre jetzt Christenpflicht. Ob ihre Erfüllung noch dem Seelsorgeverständnis der Evangelischen Kirche in Bayern entspricht, ist angesichts der bisherigen Erfahrungen allerdings fraglich.

Literatur:
- Hubertus Mynarek, Die neuen Inquisition

- Christian Sailer, Luthers totalitäres Regime vor Gericht


 



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