"Ich habe viele Fehler,
aber neidisch bin ich nicht – obwohl es mich nicht ganz kalt lässt, dass
mein bester Freund eine so tolle Villa mit eigenem Pool gebaut hat
... aber ich freue mich natürlich mit ihm, er hat es ja auch verdient;
unser Nachbar hat schon wieder ein neues Auto ... sein altes war ja
wirklich nicht mehr das flotteste (meines ist übrigens auch schon im
Endstadium); die Meiers schicken ihre Kinder auf eine gehobene
Privatschule ... schön für die Kinder, denn dort erhalten sie eine ganz
praxisnahe Ausbildung – das wäre auch für meine Kinder gut ... aber eine
konventionelle Schule hat ja auch ihre Vorteile ..."
Vielleicht schmunzeln wir jetzt, weil uns ähnliches auch bekannt ist.
Aber was kann eine solche versteckte Neidhaltung bewirken?

Das scheinbar positive Bild des Sich-mit-dem-anderen-Freuens wird nur vom
Oberbewusstsein registriert, nicht jedoch vom Unterbewusstsein. Dieses speichert die
darunter verborgenen wahren Inhalte: die Gefühle und Empfindungen von Neid, Selbstmitleid
und Selbstabwertung. Diese negativen Energien gibt das Unterbewusstsein an die Seele
weiter.
Was ich heute denke, fühle, spreche und tue, was ich also heute eingebe,
das prägt mich, und das kommt "morgen" zum Vorschein. Es nützt nichts,
scheinbar positiv zu denken oder gar negative Gefühle zu verdrängen gespeichert
wird immer der wirkliche Inhalt, das, was "unten drunter" vor sich geht. Das
Unterbewusstsein lässt sich nicht täuschen. Ob ich wirklich ehrlich bin, signalisiert
mir mein Gewissen. Wenn ich wachsam bin, werde ich die feinen Impulse wahrnehmen.
Was heißt eigentlich "das prägt mich"? Jeder Gedanke, jede
Empfindung, jedes Wort und jede Handlung teilt sich immer allem mit: nicht nur den
genannten Speichern, sondern zum Beispiel auch jeder Zelle unseres Körpers und unseren
fünf Sinnen.
In dem Buch "Ich Ich Ich. Die Spinne im Netz" lesen wir
dazu:
"Wer z. B. seine begüterten Mitmenschen beneidet, prägt damit
sein Sehorgan. Das Auge des Neides sieht immer nur wieder Begüterte, Menschen, die
besser gestellt sind als er. Das bringt sogleich Emotionen und Gedanken mit sich. Der
Betreffende sieht sich selbst als den Schon-immer-zu-kurz-Gekommenen, dem viele andere
manches, ja alles Erstrebenswerte vorenthielten und vorenthalten.
Die Welt des Neidischen ist voll von Beneidenswerten. Er ist immer wieder
erstaunt und empört, weil ihm durch seine Brille des Neides scheint: Die meisten haben
mehr als er, und dies - so meint er - unverdientermaßen. Sind wir voller Neid, so sehen,
so fühlen, so denken, so hören wir immer das, was uns der Neid eingibt."
Das so programmierte Sehorgan ist dann mein individuelles Sehbild und
wirkt auch auf mein Hörorgan ein. Dadurch wird das Gehörte entsprechend vorgeprägt, in
diesem Fall mit den Wahrnehmungen des Neides. Ich denke dann z. B.: "Der hat gut
reden! Er besitzt, was ich nicht habe, und lässt außerdem andere für sich arbeiten. Am
liebsten würde ich ihn nicht mehr hören und sehen." Ich kommuniziere also, ohne
dass mir dies bewusst wäre, ständig mit meinen negativen Eingaben, denn: Was der
Computer "Mensch" gespeichert hat, sendet er, und das empfängt er auch wieder;
so sieht und hört er letztlich alles wie durch eine Brille: seine Ego-Brille. Die auf
diese Weise produzierten Negativenergien potenzieren sich allmählich und entladen sich,
wenn sie nicht bereinigt wurden, schließlich in Schicksalsschlägen, Krankheiten, Not,
Leid und vielem mehr.
Es fängt scheinbar harmlos an mit Gedanken wie: "Ich bin immer
krank. Ich kann das nicht. Nichts gelingt mir. Mein Arbeitskollege ist viel besser und
natürlich auch beliebter als ich. Mich mag keiner. Ich bin immer der letzte. Er ist immer
vorne dran. Ich muss mir alles schwer erarbeiten. Er hat es viel leichter." Die
Eingabe, die, oft genug gedacht, zum Programm geworden ist, wirkt unerbittlich bis
es mir reicht und ich mich entscheide, diesen Wahnsinn Schritt für Schritt zu bereinigen.
Hier hilft zunächst ein entschiedener Gegenkurs: Halt! So nicht mehr! Ich schaue mich
selbst durch meine Neid-Brille an, um das zu analysieren, was zugrunde liegt
vielleicht eine Unzufriedenheit, eine Schwäche, eine unbereinigte Begebenheit.