Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 19/99

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Die neuen "Lebensmittel" der Pharmakonzerne

Techno-Food für die Gesundheit?

Klingt es nicht einladend, wenn das Joghurt - laut Etikett - die natürlichen Abwehrkräfte steigert oder gar eine volle Mahlzeit ersetzt? Wenn der Müsli-Riegel den Cholesterinspiegel senkt und damit das Herzinfarkt-Risiko? Wenn "Aktivatoren" im Fruchtsaft die Leistungsfähigkeit steigern? "Kann ich gebrauchen", denkt so mancher und greift zu. Hinter solchen Produkten steckt die Pharma-Industrie, die immer mehr in den Lebensmittelmarkt eindringt und dort Milliarden-Gewinne machen will wie bei Medikamenten.
Gen-Labor
Guten Appetit?

Gesunde pflanzliche Lebensmittel enthalten von Natur aus alles, was der menschliche Körper an Nahrung braucht. Doch wie viele Menschen ernähren sich gesund und sind unabhängig von den Heilmitteln des Industriezeitalters, den Produkten der Pharma-Industrie?

Um den Lebensmittel- und den Pharmabereich abzugrenzen, verbieten die Ländergesetze weltweit Informationen, wonach ein Lebensmittel nachweislich gegen eine bestimmte Krankheit wirkt, so genannte "Hard Claims" (= harte Ansprüche). Erlaubt sind jedoch "Soft Claims" ( = weiche Ansprüche) mit allgemeineren Hinweisen, etwa der Stärkung der Abwehrkräfte. Doch ausgerechnet die Pharma-Industrie, deren Heilmittel-Monopol durch Gesetze geschützt wird, rüttelt jetzt an diesem Prinzip, z. B. in der Schweiz. Der Grund: Die Medikamenten-Giganten sind zunehmend auch Nahrungsmittelhersteller und sind gerade dabei, den Lebensmittelbereich grundlegend zu verändern.

Eine Zeitlang haben viele kleinere Produzenten kontrolliert-ökologischer Lebensmittel sich gefragt, ob die Multis vielleicht versuchen, den Öko-Markt an sich zu reißen. Doch es kommt offenbar anders. Während der umweltbewusste Verbraucher auf die immer schlechtere Qualität der Lebensmittel reagiert, indem er Erzeuger ausfindig macht, die mit der Natur arbeiten (z. B. ohne Pestizide, Insektizide, chemische Dünger, ohne Gentechnologie oder gar ohne Mist und Gülle) und hochwertigere Nahrung anbieten, reagiert die Großindustrie mit "Techno-Food" - sie gleicht den durch die "moderne" Landwirtschaft verursachten Mangel an Vitaminen, Mineralien und anderen Energieträgern durch Laborzusätze aus.

frisches Gemüse
Wo bekommt man noch unveränderte, gesunde Früchte? Z. B. bei Lebe-Gesund!

Damit aber nicht genug: Die Industrie fügt den Lebensmitteln in den Labors all jene Wirkstoffe hinzu, die nützlich erscheinen, z. B. Selen zur Krebsvorbeugung. Das Frühstücksei bei Migros in der Schweiz ist deshalb nicht mehr nur ein Ei, sondern ein Ei mit zugesetzten ungesättigten Fettsäuren. Und der US-Pharma-Multi Johnson & Johnson plant unter dem Namen "Benecol" eine ganze Produktpalette cholesterinsenkender Lebensmittel; ähnlich der Schweizer Novartis-Konzern, wo an 24 Projekten für die neue "Aviva"-Reihe gearbeitet wird. Konkurrent Nestle entwickelt derweil Nahrungsmittel gegen Osteoporose (Knochenschwund) usw. usw. - daher auch der Name "Functional-Food" (Cash Nr. 34/1999).

"Börsen-Food"

Wenn Gesetzgeber und Verbraucher mitmachen, sollen sich die Supermärkte nach dem Wunsch der Konzerne allmählich in Apotheken mit "leckerer Medizin" verwandeln. Der Schweizer Aktien-Fonds-Manager Alois Zimmermann setzt deshalb an der Börse voll auf die "Functional-Food-Producer"-Firmen. Bis zum Jahr 2005 soll damit ein Jahresumsatz von 35 Milliarden Franken erzielt werden. Um die Durchsetzungschancen der neuen "funktionalen Lebensmittel" am Markt zu erhöhen, wird derzeit auch die Verbindung von Function-Food mit bekannten Markennamen wie Coca-Cola oder Mars erwogen ... So könnten Sie sich an der Tankstelle vielleicht demnächst entscheiden zwischen Produkten "ohne" und "mit" Leistung steigerndem Aktivator. Nun - wie würden Sie sich entscheiden?

Schon hört man, wie Functional- bzw. Techno-Food-Optimisten sich fragen: "Wie konnte die Menschheit nur Jahrtausende mit Milch, Brot und Brei ... überleben?" (Cash Nr. 34/1999)

Die Alternative

Doch das neue Geschäft steckt erst in den Anfängen und wird vor allem von Natur- und Umweltschützern kritisiert. Man setze z. B. einseitig nur auf das Schlagwort "Gesundheit" und seinen Werbeeffekt, ohne sich die Basis dafür zu erarbeiten, nämlich eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Natur- und Umweltschützer wollen demgegenüber keine Symptombekämpfung, sondern sie wollen dem Übel an die Wurzel. Nahrungsmittel ohne Geschmack und gesundheitlichem Wert sind nämlich die Folge einer langen Fehlentwicklung im gesamten Nahrungsmittelbereich, bei der vor allem aus Profitgründen die Natur dem Chemielabor geopfert wurde. Anstatt hier anzusetzen, kommt in der Großindustrie immer mehr die Gentechnik zum Zuge - was erst vor kurzem wieder ins Rampenlicht der schweizerischen Öffentlichkeit rückte. Da hatte der Pharma-Gigant La Roche 1,8 Milliarden (!) Franken Strafe wegen unzulässiger Preisabsprachen im Vitaminmarkt zahlen müssen. Diese Summe finanzierte er mit dem Spekulationsgewinn, der sich einstellte, als man 17 % der Aktien seiner US-Tochter Gentech erheblich teurer verkaufen konnte, als man sie eingekauft hatte. Gentech zählt mit 3500 Mitarbeitern zu den bedeutendsten Firmen seiner Art, und worum es dort geht, sagt schon der Name.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die gesamte industrielle Lebensmittelproduktion. Dort lässt sich der Weg des Nahrungsmittels bis zum Endverbraucher oft kaum mehr nachvollziehen, und vielfach kommen zwischenzeitlich alle möglichen Abfälle in die Nahrungskette hinein, die sich anderweitig nicht mehr verarbeiten lassen. Schließlich: Was nützen möglicherweise gesunde Zusätze, wenn schon die "Grundprodukte" nicht mehr gesund sind?

Und von diesen wird der Mensch immer mehr entfremdet. In Jahrmilliarden formten sich z. B. Karotten, Rettiche, Rote Rüben usw., und sie sind vergleichbar einem gut aufeinander abgestimmten "Orchester" an Wirkstoffen. Jetzt werden durch den "Schöpfer" Mensch einzelne isolierte "Töne" hinzugefügt - doch wer überblickt alle Wirkungen?

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Die Alternative ist eine "Umkehr zur Natur" in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelverarbeitung und die Rückkehr zu einer natürlichen gesunden Ernährungsweise. Wer - wenn auch unter Mehraufwand - die Früchte des Feldes natürlich anbaut, den Boden gut pflegt und ihm auch mal Ruhe gönnt, und wer die Kommunikation mit allen Lebensformen aufbaut, der ist und bleibt ohne Konkurrenz.


 



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