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Die Folgen der
NATO-Angriffe in JugoslawienGezielte ökologische Kriegsführung führt zu
langfristiger Verseuchung
"Um die Produktion in einer
Ölraffinerie oder einer Düngemittelfabrik lahm zu legen, genügt es, die Elektronik
auszuschalten. Doch auch als die Arbeit längst stillstand, zerstörte die NATO noch
gezielt jeden einzelnen Öltank. Sie wollten alles zerstören." Diese sinngemäße
Aussage eines Ingenieurs aus der jugoslawischen Industriestadt Pancevo wurde in dem
Fernsehbericht "Bomben auf Chemiewerke" (ARTE, 20.9.1999)
durch eine
Chronologie der Ereignisse bestätigt. Allein die Ölraffinerie von Pancevo brannte
zwei Wochen lang. In einer Düngemittelfabrik verbrannten 450 Tonnen des krebserregenden
Gases VCM (Venylchloridmonomere) und überzogen den Ort mit einer 20 km langen Pestwolke.
40.000 Menschen mussten evakuiert werden. Hätte man nicht aufgrund von Vorwarnungen
einige Tanks mit Chlorverbindungen abtransportiert oder neutralisiert, so hätte es
zusätzlich Tausende von Todesopfern gegeben.
Wissenschaftler
entsetzt
Prof. Knut Krusewitz von der
TU Berlin war entsetzt, als er die Zerstörungen in Augenschein nahm: "In diesen
Fabriken ist das Gefährlichste, Umweltschädlichste, was es in der Chemie gibt. Man
muss
es gewusst haben!"

"Sie wollten alles
zerstören."
Diese Raffinerie ist nur noch Schrott.
Einer der wenigen in der zerstörten Fabrik noch beschäftigten Arbeiter
äußerte sich zu den Zerstörungen der NATO: "Das kommt für die NATO noch, wenn der
liebe Gott es will!" Er meinte wohl das Gesetz von Saat und Ernte, das früher oder
später die Verursacher und deren Helfershelfer treffen wird - wenn sie nicht zuvor ihr
Tun erkennen und soweit wie möglich wiedergutmachen.
Das zerstörte Land ist gar nicht in der Lage, die gezielten
Umweltschäden der NATO zu beseitigen. Vordringlich ist der Wiederaufbau der
Energieversorgung, um einer Kälte- und Hungersnot im Winter zuvorzukommen. Um die
Ölseen, die das Grundwasser bedrohen, um ausgelaufenes Quecksilber oder die vergiftete
Donau kann sich niemand kümmern. Jetzt kamen wenigstens einige westliche Experten zum
Erfassen der Schäden ins Land. Allein in einem Nebenkanal der Donau fanden sie 26
Milligramm Quecksilber pro Liter.
Seit 1977 ist ökologische Kriegführung international geächtet.
Nach Art. 35 der Genfer Konvention sind seither "Waffen und Methoden der
Kriegführung untersagt, die ... ausgedehnte, lang anhaltende und schwere Schäden der
natürlichen Umwelt verursachen" und die den Menschen "überflüssige
Verletzungen und unnötige Leiden" zufügen. Wobei ohnehin schon jedes im Krieg
verursachte Leid "überflüssig und unnötig" wäre.
Tribunal gegen die NATO
Die NATO hat gegen diese
Konvention verstoßen. Ein solcher Verstoß ist jedoch ein Kriegsverbrechen, wie der
ehemalige amerikanische Justizminister Ramsey Clark darlegt. Deshalb bereitet er ein
internationales Tribunal gegen die NATO vor.
Insgesamt wurden 100 Fabriken in 30 Städten angegriffen. Offenbar gingen
der NATO sehr bald die militärischen Angriffsziele aus; immer mehr zivile Einrichtungen
wurden bombardiert. In Kragujevac wurde zwar die Autofabrik völlig zerstört, die
Waffenfabrik am selben Ort arbeitet jedoch bis heute.
In Pancevo leiden heute Hunderte von Menschen unter Atemwegs- und
Hauterkrankungen. In der Nähe der Stadt fiel schwarzer Regen auf Bäume und Felder - die
Ernte ist ungenießbar. Auch in Rumänien, im Grenzgebiet zu Serbien, sind Teile der
Gemüse- und Obsternte verdorben. In einigen Dörfern fielen nach dem Regen die
Blätter von den Bäumen.
Ähnlich wie im Kosovo wurden auch in Serbien so
genannte Clusterbomben abgeworfen,
auch in Wohnvierteln. Dabei lösen sich viele kleine Bomben aus einer größeren. Die
nicht explodierten bilden auf Jahre hinaus eine Minengefahr für die Bevölkerung. Ramsey
Clark bezeichnet den Einsatz solcher Bomben auf Zivilisten als "Zynismus". Durch
die Angriffe der NATO seien mehr Menschen ums Leben gekommen als durch die Verbrechen im
Kosovo, die sie angeblich verhindern sollten.
Gefährliche
Virenverseuchung
Das Schweizer Franz-Weber-Journal
macht in seiner Juli-Ausgabe auf ein weiteres Problem aufmerksam: Die NATO
musste nach
anfänglichem Leugnen zugeben, dass sie bei ihren Angriffen uranhaltige Geschosse verwendete,
weil diese eine größere Durchschlagskraft haben. Solche Geschosse wurden auch im
Golfkrieg 1991 eingesetzt - mit der Folge, dass von 690.000 alliierten Soldaten mehr als
200.000 schwere gesundheitliche Schäden davontrugen: Allergien, Ausschläge,
Immunschwäche, Leber- oder Nierenschäden, Krebs. Diese Krankheit, deren eigentliche
Ursache in den Jahren danach systematisch verschwiegen worden sei, so das Journal, wird
als "Golfkriegssyndrom" bezeichnet.
Ist diese hohe Erkrankungsrate mit ein Grund dafür,
dass im Kosovokrieg
keine Bodentruppen eingesetzt wurden?
Was Soldaten krank macht, die nur kurze Zeit im angegriffenen Land
verbrachten, befällt natürlich erst recht die Einwohner dieses Landes. So treten im Irak
im Sommer beispielsweise verstärkt Cholera-Erkrankungen auf, es gibt unter anderem
vermehrt Fälle von Gürtelrose, grauem Star, Leukämie. Missbildungen bei Neugeborenen
seien in irakischen Kliniken "an der Tagesordnung". "Im August hatten wir
drei Babies ohne Kopf", berichtet eine Ärztin aus Bagdad.
Das ganze Ausmaß der Verseuchung im Kosovo und in Serbien ist demnach
noch gar nicht abzusehen. Es ist zu befürchten, dass verschiedenste Gifte in den
Nahrungskreislauf gelangt sind und ihre Wirkung erst noch entfalten werden. Radioaktive
Verseuchung ist zudem extrem langlebig; sie wird erst im Verlaufe von Jahrtausenden
allmählich geringer.
"Ein
langsames Dahinsiechen"
Das Franz-Weber-Journal
spricht im Zusammenhang mit den "modernen" Kriegen der
NATO von einem "langsamen Dahinsiechen und Sterben für das
gesamte Leben auf dem Planeten, in all seinen Formen und Reichweiten.
Heimtückisch und schleichend hat die Apokalypse bereits begonnen."
Übertrieben? |