Wer wachsam durch den Tag geht,
stößt immer wieder mal auf eine Schwierigkeit und entdeckt einen Fehler oder eine
Fehlhaltung bei sich selbst - z. B. den Wunsch, unbedingt irgendwo dabei sein
zu müssen, oder eine "beleidigte" Reaktion auf Kritik oder
eine kleinere oder größere Lieblosigkeit gegenüber einem Mitmenschen.
Jetzt ist die Frage: Wie reagiere ich auf diese nicht immer angenehme
Selbsterkenntnis?
Mache ich mich deswegen schlecht? Oder soll ich mich gar bedauern? Sicher
nicht. Ich nehme stattdessen Kontakt auf mit der inneren Kraft - mit Christus in
mir. Alle weiteren Schritte tue ich dann aus dieser Kraft heraus: bereuen, bereinigen, um
Vergebung bitten, wiedergutmachen und das Nicht-mehr-Tun.
Das Bereuen sollte also kein Sich-Niedermachen, Sich-Runterziehen sein.
Solches lehren die äußeren, autoritären Religionen, um den Menschen Schuldgefühle
einzuflößen und sie dadurch in Abhängigkeit zu halten. In der inneren
Religion bedeutet Reue, sich in den anderen einzufühlen, der unter meinem Verhalten zu
leiden hatte, seinen Schmerz in mir zu spüren - und darin die Kraft der Umkehr zu
ergreifen.
Hat man seinen Nächsten um Vergebung gebeten und ihm vergeben, dann
sollte man auch sich selbst vergeben - ebenfalls aus der inneren Stärke - und sich danach
das Vergangene nicht mehr nachtragen.
Wir schauen also oftmals zu sehr auf das Negative und machen uns nieder.
Zwar sollten wir unseren Anteil herausarbeiten, doch sollten wir uns deshalb nicht
anklagen. Wir sagen z. B.: Wir sind Sünder! Besser ist es, sich bewusst zu machen:
"Mein
Vater und Ich sind eins." Denn unser Kern ist gesund, und in unserer Tiefe sind wir
rein. Durch die Bereinigung unserer täglich erkannten Fehler kommen wir diesem hohen
Bewusstsein in uns näher. Eine Hilfe können auch Gebetsworte sein, etwa:
"Mein Vater
und ich sind eins. Komme was mag: Ich lasse Dich nicht, denn Du segnest mich."
Zugleich können wir im tiefen Atem die Kraft und die Nähe Gottes spüren.
Was ist die innere Stärke? Die innere Stärke ist die Kraft des Guten, es
ist die Kraft des Christus in uns. Sie allein kann Negatives in positive Kraft umwandeln.
In dem kleinen Buch Selbsterforschtes und Selbsterlebtes lesen wir
hierzu:
"Verliere nie den Mut, wenn du immer und immer
wieder versagst. Vergeude keine Zeit mit beständigem Bereuen, es
schwächt. Bitte deinen Herrn und Gott um Vergebung und auch deinen Nächsten,
dann fasse erneut den festen Entschluss, ich will es nicht wieder tun. Fehlst du wieder,
dann wiederhole aufs neue: Ich will es nicht wieder tun, bis der Tag kommt, an dem du
durch die Wiederholung dieser Bewusstseinsstütze über deine Schwächen
gesiegt hast." (Verlag Das Wort,
www.das-wort.com,
S. 38)