Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 20/99

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Schuldgefühle helfen niemandem

Bejahe nicht die Schwäche - bejahe die Stärke!

Wer wachsam durch den Tag geht, stößt immer wieder mal auf eine Schwierigkeit und entdeckt einen Fehler oder eine Fehlhaltung bei sich selbst - z. B. den Wunsch, unbedingt irgendwo dabei sein zu müssen, oder eine "beleidigte" Reaktion auf Kritik oder eine kleinere oder größere Lieblosigkeit gegenüber einem Mitmenschen. Jetzt ist die Frage: Wie reagiere ich auf diese nicht immer angenehme Selbsterkenntnis?

Mache ich mich deswegen schlecht? Oder soll ich mich gar bedauern? Sicher nicht. Ich nehme stattdessen Kontakt auf mit der inneren Kraft - mit Christus in mir. Alle weiteren Schritte tue ich dann aus dieser Kraft heraus: bereuen, bereinigen, um Vergebung bitten, wiedergutmachen und das Nicht-mehr-Tun.

Das Bereuen sollte also kein Sich-Niedermachen, Sich-Runterziehen sein. Solches lehren die äußeren, autoritären Religionen, um den Menschen Schuldgefühle einzuflößen und sie dadurch in Abhängigkeit zu halten. In der inneren Religion bedeutet Reue, sich in den anderen einzufühlen, der unter meinem Verhalten zu leiden hatte, seinen Schmerz in mir zu spüren - und darin die Kraft der Umkehr zu ergreifen.

Hat man seinen Nächsten um Vergebung gebeten und ihm vergeben, dann sollte man auch sich selbst vergeben - ebenfalls aus der inneren Stärke - und sich danach das Vergangene nicht mehr nachtragen.

Wir schauen also oftmals zu sehr auf das Negative und machen uns nieder. Zwar sollten wir unseren Anteil herausarbeiten, doch sollten wir uns deshalb nicht anklagen. Wir sagen z. B.: Wir sind Sünder! Besser ist es, sich bewusst zu machen: "Mein Vater und Ich sind eins." Denn unser Kern ist gesund, und in unserer Tiefe sind wir rein. Durch die Bereinigung unserer täglich erkannten Fehler kommen wir diesem hohen Bewusstsein in uns näher. Eine Hilfe können auch Gebetsworte sein, etwa: "Mein Vater und ich sind eins. Komme was mag: Ich lasse Dich nicht, denn Du segnest mich." Zugleich können wir im tiefen Atem die Kraft und die Nähe Gottes spüren.

Was ist die innere Stärke? Die innere Stärke ist die Kraft des Guten, es ist die Kraft des Christus in uns. Sie allein kann Negatives in positive Kraft umwandeln.

In dem kleinen Buch Selbsterforschtes und Selbsterlebtes lesen wir hierzu:

"Verliere nie den Mut, wenn du immer und immer wieder versagst. Vergeude keine Zeit mit beständigem Bereuen, es schwächt. Bitte deinen Herrn und Gott um Vergebung und auch deinen Nächsten, dann fasse erneut den festen Entschluss, ich will es nicht wieder tun. Fehlst du wieder, dann wiederhole aufs neue: Ich will es nicht wieder tun, bis der Tag kommt, an dem du durch die Wiederholung dieser Bewusstseinsstütze über deine Schwächen gesiegt hast." (Verlag Das Wort, www.das-wort.com, S. 38)

In der Schwäche die Stärke finden

Wir sollten aus einer Schwäche die Stärke herausarbeiten. Wenn wir uns zum Beispiel an unseren Partner anlehnen wollen, so könnten wir uns fragen: In welchen Punkten suchen wir die Anlehnung? Dann wissen wir zugleich, was wir zu entwickeln haben.

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Ein Beispiel: Ich lehne mich an meinen Partner an, weil ich mich oftmals nicht entscheiden kann. Er soll - selbst in Kleinigkeiten - für mich entscheiden. Jetzt heißt die Aufgabe: Das nehme ich selbst in die Hand. Ich entscheide jetzt in all den Punkten selbst, wo ich mich bisher angelehnt habe. In einer solchen Entscheidung liegt zugleich die Kraft und der Mut, auch in weiteren Situationen Entscheidungen zu treffen. Damit habe ich mir letztlich ein neues Lebensprinzip vorgegeben: Ich nehme mein Leben in die Hand und entscheide von nun an selbst.

Wer aus einer Entscheidungsschwäche die Entscheidungskraft entwickelt, in dem wächst die innere Stärke. Es ist die Kraft des Göttlichen in uns.


 



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