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Die
Bekämpfung unbequemer Lehren (Teil 1): Das Alte Testament (AT)
Dem "Lügengriffel der Schreiber" auf
der Spur
Wie konnte Mose über seine
eigene Beerdigung berichten? (5. Mose 34) Wie ist es möglich,
dass
der Gott der Liebe, der Vater aller Menschen und Seelen, "rücksichtslos
Eroberungsfeldzüge befiehlt und zu Mord- und Totschlag, Plünderung und
Vergewaltigung aufruft"?
(1)
Dass Er verkündet: "Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert
soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen, von Köpfen streitbarer
Feinde"? (5. Mose 32, 42) Wie kann es Gottes Wille sein, dass schon auf geringe
"Vergehen" die Todesstrafe steht: Ehebruch, Ungehorsam gegenüber den Eltern
oder Priestern, Wahrsagen, Geisterbeschwörung, Homosexualität - so wurde es angeblich
von Mose angeordnet. (2) Offenbar fordert dieser grausame Gott nicht nur Tier-,
sondern sogar Menschenopfer: die Erstgeborenen jeder Familie, die dann mit Abgaben an den
Tempel ausgelöst werden konnten bzw. mussten (2. Mose 13).
Wie kann das alles stimmen? Diese Frage bewegte Menschen, seit es die
Schriften des Alten Testamentes gibt. Origenes, der große Theologe des 3. Jahrhunderts
(184-253), hatte mit einer textkritischen Methode bereits verschiedene Einschübe und
Veränderungen im ursprünglichen Text erkannt und kenntlich gemacht. Doch die Kirche
verurteilte ihn im 6. Jahrhundert als Ketzer - und seine Werke gingen zum großen Teil
verloren. Erst im 18. Jahrhundert, in der freieren Luft der Aufklärung, machten sich
kritische Geister wieder an die Arbeit. Dem Hildesheimer Pfarrer Bernhard Witter fiel 1711
auf, dass Gott in einem Teil der Schriften als "El", in einem anderen Teil als
"Jahwe" (Ich Bin, der Ich Bin) bezeichnet wird. Daraus schloss er, dass es zwei
unterschiedliche Quellen für die Texte gegeben haben muss.

Was der Griffel der Schriftsteller wohl alles
an der Wahrheit verdreht hat?
Heute geht die Forschung von vier Hauptsträngen der Überlieferung aus,
die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Der älteste Strang wird als
"Jahwist" bezeichnet. Dieser Jahwist scheint in der Zeit des Königs Salomo
(965-926 v. Chr.) gelebt zu haben, denn er beschreibt viele Vorgänge an dessen Hof. Der
Jahwist "schildert, wie Jahwe durch zurückhaltendes Eingreifen den auf der Suche
nach verloren gegangener Seligkeit immer wieder strauchelnden und vom rechten Weg
abkommenden Menschen" wieder zu Gott zurückführt.
(3) Der
Alttestamentler Gerhard von Rad bezeichnet "die künstlerische Meisterschaft dieses
Erzählers als eine der größten Leistungen der Geistesgeschichte aller Zeiten".
"Dieses Erzählen strömt ein überwältigendes Vertrauen in die Nähe Jahwes aus, in
die Unmittelbarkeit seines Waltens und die Möglichkeit, von dem allen aufs einfachste in
der neuen religiösen Sprache zu reden."
(4)
Wegen dieser einfachen Sprache und der Bescheidenheit des Schreibers hält
die Wissenschaft etwas Nahe liegendes nicht für möglich: Dass der Jahwist König Salomo
selbst war. Dies behauptet der Schweizer Historiker Robert Sträuli in seinem Buch
Salomo - die Königsquelle
(5).
Schon bald sei jedoch die klare Linie der Treue zu den Geboten Jahwes wieder verlassen
worden. Die Jahwetreuen gerieten im Volk der Israeliten immer mehr in die Minderheit.
Von Anfang an hatte es unter den Israeliten unterschiedliche Strömungen
gegeben. Auch in den einzelnen Menschen rangen, wie in jedem von uns, verschiedene
Bestrebungen und Gene miteinander. Abram, später Abraham genannt, stammte aus einer
Familie, die Sklavenhandel betrieb. Er selbst distanzierte sich davon - doch seine
Urenkel, die Söhne des Jakob, verkauften ihren Stiefbruder Josef in die Sklaverei nach
Ägypten. Als Josef dort zu Macht und Ansehen aufstieg, ließ er selbst Menschen
versklaven, die im zweiten Hungerjahr nichts mehr zu essen hatten (1. Mose 47, 18). Ähnlich
war es mit anderen Charakterzügen - Gewalt, Vielweiberei, oder die Vorstellung, einen
heidnischen Gott durch blutige Schlachtopfer besänftigen zu müssen. Am Berg Sinai
tanzten die Israeliten um das goldene Kalb fremder Götter.
Tieropfer
sind Gott ein Gräuel
Die
Propheten Jahwes hatten in Seinem Namen Blut- und Brandopfer immer abgelehnt. "Was
soll mir die Menge eurer Schlachtopfer?" sprach Gott durch Jesaja. "Satt habe
Ich die Brandopfer von Widdern und das Fett der Mastkälber, das Blut der Stiere und
Lämmer und Böcke mag Ich nicht ... Bringt nicht mehr unnütze Gaben - ein Gräuelopfer
ist es Mir! ... Hört auf, Böses zu tun, lernt Gutes zu tun!" (Jes. 1, 11-17) Die
Religion Jahwes war also eine Innere Religion, bei der es auf Selbsterkenntnis und gute
Taten ankam, nicht auf äußere Rituale. In der assyrischen und babylonischen
Gefangenschaft, in die die Israeliten verschleppt wurden, verstärkte sich jedoch die
Neigung zu heidnischen Bräuchen. Der Jude Esra war in der Kanzlei des persischen Königs
beschäftigt, der Babylon erobert hatte (539 v. Chr.). Esra erhielt vom Perserkönig Kyros
die Erlaubnis und den Auftrag, in Jerusalem den Tempel wieder aufzubauen, den die
Babylonier zerstört hatten. Es sollte ein Tempel sein, in dem Schlacht- und Brandopfer
dargebracht werden. Zuvor war es wohl Esra, der möglicherweise auf Geheiß des
Perserkönigs die Schriften der Israeliten "überarbeitet" hat - man spricht
auch von einer so genannten "Priesterschrift". Viele der für uns heute
unverständlichen "Gesetze" der Bücher Mose stammen wahrscheinlich von Esra. Er
brachte an vielen Stellen babylonische Rituale und Bräuche in die Texte hinein, die in
ihrer Gesamtheit ein Kultsystem einer äußeren Religion ergeben, deren Durchführung von
einer Priesterkaste streng kontrolliert wird. Außerdem wurde die Stellung der Frau stark
verschlechtert.
Die
Finsternis darf sich am Licht messen
Wer von den Israeliten unter
diesen Umständen nicht in die alte Heimat zurückkehren wollte, wurde mit dem Tod durch
Pfählung bestraft (Esra 6, 11). Später bezahlten auch Johannes der Täufer und Jesus von
Nazareth ihren Protest gegen die Herrschaft der Priesterkaste mit dem Leben. Die
Samariter, die sich weigerten, die Rituale und Vorschriften des Zweiten Tempels
anzuerkennen, wurden seit dieser Zeit verachtet und ausgestoßen.
Dass wichtige Teile der Schriften der Bibel verfälscht waren, war den
Hebräern lange Zeit noch bewusst. Die großen Gottespropheten wiesen sie immer wieder
darauf hin. So steht bei Jeremia zu lesen: "Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir, und
das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber hat es zur
Lüge gemacht" (Jeremia 8, 8).
Wenn Gott durch
Seine Wortträger und durch erleuchtete Menschen Seine Botschaft auf die Erde bringt, so
darf sich die Finsternis an diesem Licht messen. Es gelingt ihr um so eher, je weniger die
wahren Gesetze Gottes von den Menschen im Alltag befolgt werden. Dies war nicht nur im
Alten Testament so - auch das frühe Christentum wurde auf ähnliche Weise verfälscht.
Und mithilfe des angeblichen Rachegottes des Alten Testamentes rechtfertigten die Kirchen
über Jahrhunderte hinweg Kriege und Grausamkeiten. Das falsche Bild des strafenden
Gottes, das ungezählte Generationen von Kirchenchristen bis heute in Angst und Neurosen
gefangen hielt und hält, ist noch immer in Kraft - denn beide Kirchen halten die gesamte
Bibel für von Gott inspiriert. Laut katholischem Katechismus wird das Alte Testament
sogar im Neuen "vollendet" (Lehrsatz Nr. 140). Ist damit die Steigerung an Kriegen und
Katastrophen gemeint, die im 20. Jahrhundert durch Menschen verübt wurden, die sich
Christen nennen?
(1) Christian Sailer, Der
Feldzug der Schlange und das Wirken der Taube, Verlag DAS
WORT 1998, S. 97
(2) 3. Mose 20, 10; 21, 18; 5. Mose 17, 12; 3. Mose 20, 27; 20, 11-17
(3) Robert Sträuli, "Die Textgeschichte der Bibel", in: Museion 2000, 5/1997
(4) zit. ebenda
(5) ABZ-Verlag Zürich, 1989
Christus heute: "Ich Bin gekommen,
die Opfer und Blutfeste abzuschaffen"
"Ich Bin gekommen, die Opfer und
Blutfeste abzuschaffen heißt": Ich Bin gekommen,
euch das Evangelium, das Gesetz der Liebe, zu lehren und es euch
vorzuleben, damit ihr erkennt, dass nur jener Mensch im Inneren reich
an geistiger Kraft ist, der die Gesetze Gottes hält. ... Menschen mit inneren Werten sind auch mit der Tier- und Pflanzenwelt
und nicht gegen die Schöpfungen Gottes. Wer gegen seinen Nächsten ist, wird gegen ihn
kämpfen und ihn töten. Und wer gegen seinen Nächsten ist, der wird auch nicht für
anderes Leben sein - weder für das der Tiere noch das der Pflanzen und Steine. ... Gott,
dem Ewigen, sind auch Tieropfer ein Gräuel. Er will nicht, dass Ihm Tiere geopfert oder
geweiht werden. Gott hat allen Formen des Seins das Leben gegeben, also auch den Tieren.
Wozu sollen sie Ihm geopfert werden, wenn doch Er, das Leben, selbst in ihnen wohnt?
Wenn der Mensch jedoch sein menschliches Ich, seine Leidenschaften und
Begierden Mir, dem Christus, opfern und ein gottgewolltes, also gottgeweihtes Leben
anstreben und führen würde, so würde dies zur Einheit aller Lebensformen beitragen.
Aus: Das ist Mein Wort, Alpha und Omega. Das Evangelium Jesu. Die
Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt, S. 215 f. (http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.
cgi?article=s007de&type=desc) |
Wie die Brandopfer
gerechtfertigt wurden
Zur Rechtfertigung des
heidnischen Tieropferbrauches, der die Menschen abstumpft und verrohen lässt, wurden von
späteren "Verbesserern" der Texte unter anderem David und Salomo Tieropfer
angehängt. Außerdem berief man sich auf Abraham, der seinen Sohn opfern wollte. Abraham
hatte eine Weisung Gottes, seinen Sohn nicht zu vergöttern, missverstanden, weil er von
heidnischen Vorstellungen noch nicht frei war. Ein Engel Gottes verhinderte die Bluttat.
Eine andere Rechtfertigung nimmt den Propheten Elias zum angeblichen
Kronzeugen. Dieser soll den ihm feindlich gesinnten König Ahab zu einem
"Gottesurteil" aufgefordert und seinem Gott Jahwe ein Tieropfer dargebracht
haben. Als er gegen 450 Baalspriester "gewann", soll er diese auch noch
umgebracht haben. (1. Könige 16-19) Wahrscheinlich wurde jedoch die Gewalttat des späteren
Königs Josia einfach 200 Jahre auf Elia zurückprojiziert und damit gerechtfertigt.
Möglich wäre auch, dass es sich um einen Traum des Königs Ahab handelte, der darüber
dem Wahnsinn verfiel und dies als Realität ausgab.
Mehr zu Elia: Siehe
www.theologe.de/theologe20.htm |
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