Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 21/99

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Sie haben es in der Hand:

Nur bedrückt oder schon depressiv?

Etwa acht Millionen Bundesbürger leiden an einer depressiven Störung. Jeder fünfte, so die Statistiker, erkrankt in seinem Leben an einer schwereren, d. h. länger dauernden Depression. Sind wir einer Depression hilflos ausgeliefert?

Nebelverhangene Landschaft
Jeder Nebel weicht irgendwann dem Licht

Jedenfalls ist die Depression, wenn gegen sie nichts unternommen wird, nicht ungefährlich. So nehmen sich ca. 12.000 Bundesbürger jährlich das Leben, darunter überdurchschnittlich viele Ärzte und Pfarrer. Eine Depression kann viele Ursachen haben: eine einschneidende Lebensveränderung, Trennung oder Tod eines geliebten Menschen, Erschöpfung durch Überarbeitung, Arbeitslosigkeit, Stress in Familie oder Beruf. Symptome einer Depression sind Antriebslosigkeit, fehlende Lebensfreude, Überempfindlichkeit, Pessimismus, ständige Traurigkeit, innere Leere, Selbstmordäußerungen. Nicht selten wird durch die Negativität das Familienleben stark in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommt, dass Betroffene und Angehörige die Krankheit am liebsten verschweigen möchten.

Depression: Mangel an Serotonin?

Man weiß seit längerem, dass bei Depressiven eine Fehlregulation der Hormone vorliegt. So haben Depressive etwa einen Mangel an Serotonin, einem Botenstoff, der für die Übermittlung von Impulsen von Nervenzelle zu Nervenzelle zuständig ist.

Aus Leid und Unglück
gibt es den einen Weg:

Bereue und bitte um Vergebung
und tue Gleiches oder Ähnliches nicht mehr!

Dann können die
kosmischen Kräfte wirken,
und aus Leid wird Freude,
und aus Unglück wird Glück.

Aus: Für Dich zum Nachdenken, S. 161
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.
cgi?article=s311de&type=desc

Serotonin ist für vieles in unserem Körper verantwortlich. Es steuert unser Wohlbefinden über den Tag hinweg. Es hat auch etwas mit dem Gefühl von Würde und Selbstwert zu tun. Über Nacht baut der Körper Serotonin in das verwandte Hormon Melatonin um. Am Morgen ist unser Serotoninspiegel daher niedrig. Wir versuchen ihn wieder aufzubauen, indem wir z. B. ein Frühstücksbrötchen mit Marmelade essen. Dem gleichen Zweck dient eine Tasse frisch gebrühter Kaffee. Denn Koffein regt nicht nur an, es wirkt sogar leicht euphorisierend. Zudem bringt es unseren Serotoninspiegel weiter nach oben. Auch die zweite Kaffeepause, wenn mit dem Tageslicht auch das Serotonin schwindet, soll den Stoff wieder aufbauen. Koffein stoppt zwar nicht den Abbau des Serotonins, regt aber dessen Neubildung an.

An eben dem Serotonin-Mangel setzen die chemischen Mittel zur Bekämpfung der Depression an, die Antidepressiva, z. B. die US-"Wunderdroge" Prozac (in Deutschland "Fluctin"). Sie erhöhen den Serotoninspiegel im Gehirn. Ein solches Medikament beseitigt zwar die akute Depression. Doch es hat auch Nebenwirkungen: Die Substanzen wirken oftmals erst nach drei Wochen, der Patient hat jedoch sofort einen trockenen Mund, ist müde, hat Verdauungsstörungen. Auch die Rückfallquote ist hoch, und der Wirkmechanismus ist letztlich immer noch unbekannt.

Depression durch mangelnde Stressbewältigung?

Eine andere These ist, dass die Disharmonie im Hormonsystem bei schweren Depressionen etwas mit Stress zu tun hat. Bekanntlich wird bei Stress das Hormon Cortisol bzw. CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) ausgeschüttet, ein Stoff, der den Organismus in Alarmbereitschaft versetzt. Wenn z. B. plötzlich vor uns ein großer, grimmiger Hund auftaucht, dann führt die Hormonausschüttung zu verstärktem Blutdruck, Atmung und Blutdurchfluss, damit der Körper entweder kämpfen oder fliehen kann. Ist die Gefahr vorbei, normalisiert sich der Hormonhaushalt wieder, und Entspannung setzt ein. Nicht so bei Depressiven. Sie bleiben in einer Art Dauerstress, für die es keinen erkennbaren Anlass gibt. Bei ihnen bleiben die Stresshormone ständig erhöht.

Ziel der medizinischen Depressionstherapie ist deshalb, das Stresshormon-System zu normalisieren. Da man die Produktion von zuviel CRH bisher nicht unterdrücken konnte, suchte man nach einem Weg, das CRH im Gehirn an seiner Wirkung zu hindern. Man entwickelte einen Stoff, der die Aufnahme von CRH an den Rezeptoren unterdrückt. Dadurch wird die Stressreaktion unterbrochen, mit der Folge, dass Angst und Unruhe schwinden. Der neue Stoff, der noch keinen Namen hat, ist noch in der Erprobung. Im Jahre 2002 soll er auf dem Markt sein. Das Mittel soll jedoch schon jetzt Angst- und Stressgefühle nahezu auf Null bringen und weder müde noch süchtig machen. Rosige Aussichten auf dauerhafte Euphorie?

Das Glück
des Menschen
hängt von der
Beschaffenheit seiner
Gedanken ab.

Marc Aurel

Oder kann mit solchen Mitteln beliebig in den menschlichen Gefühlshaushalt eingegriffen werden, mit schwerwiegenden Folgen? So fragt z. B. die Süddeutsche Zeitung: "Besteht nicht die Gefahr, dass Gesunde das Medikament missbrauchen, um besser mit ihren Ängsten umgehen zu können? Ist es dann nicht der nächste Schritt, Angst gleich zu blockieren, bevor sie überhaupt entstehen kann? Haben Gefahren bald nichts Abschreckendes mehr, ist der Angstpegel dann nur noch eine Frage der Dosierung? Der Soldat vor einem Angriff ... der Bankräuber vor einem Überfall ..." (8.10.1999) Kommt also mit der modernen Psycho-Neuro-Chemie der "programmierte Unmensch"? Ein Mensch, dessen Gefühlsebene "abgeklemmt" ist, der zu Einfühlung und Mitleiden nicht mehr fähig ist?

Depression ist Folge negativen Denkens

Nicht jede depressive Reaktion - sei es Niedergeschlagenheit, Bedrücktheit, Pessimismus oder Resignation - ist sogleich eine seelische Krankheit. Denn im Leben jedes Menschen gibt es immer wieder das Auf und Ab. Entscheidend ist, wie man den Herausforderungen begegnet.

Interessant ist, dass die Forscher die Frage, was früher ist - das erhöhte CRH oder die Depression -, auslassen. Sie wissen keine Antwort - vielleicht, weil sie die Seele und den Geist außen vor lassen? Ihnen reicht es, die Depression chemisch zu bekämpfen.

Eines ist jedoch unstreitig: Jede Niedergeschlagenheit, jede depressive Verstimmung zeugt von Energieverlust. Und die Frage ist, wie es zum Verlust seelischer Energie bzw. zum Abfall der Schwingung kommt.

Es ist bekannt, dass Gedanken Energien sind, Kräfte also, die das bewirken, was sie transportieren. Positive, lebensbejahende Gedanken bauen auf, negative bauen ab. Auch andauernde grüblerische Gedanken ohne klare Entscheidungen. "Das Glück des Menschen hängt von der Beschaffenheit seiner Gedanken ab", wusste schon Marc Aurel. Es ist also letztlich die innere Einstellung, die über Glück oder Unglück in uns entscheidet.

Das Positive in der depressiven Reaktion

Jeder wird wohl manchmal auf die Schwierigkeiten und Probleme in seinem Leben niedergeschlagen reagieren. Die Frage ist nur, "nähre" ich das seelische Tief, das Selbstmitleid und die Erwartungsangst, oder frage ich, was das Leben mich hier lehren will?

Selbst in der Psychotherapie gilt, dass Leidensdruck und Krankheitseinsicht eine Voraussetzung für die Aufnahme der Therapie sind. Und warum Leidensdruck? Macht der nicht depressiv? Es kommt drauf an: Lasse ich mich hängen, resigniere ich? Oder nehme ich die Depression nur zur Kenntnis und gehe dem Energieverlust auf den Grund? Und werde ich trotzdem aktiv und lasse mir eventuell bei der seelischen Gesundung helfen?

Sich rechtzeitig abfangen

In unserem Leben gibt es also immer wieder das Auf und Ab. Wenn nun Anzeichen von Niedergeschlagenheit, Unzufriedenheit, Melancholie, Resignation kommen, dann sollten wir dies als Achtungszeichen ansehen, gewissermaßen als einen Impuls der Seele.

Die Aufgabe heißt dann, sich rechtzeitig abzufangen, um nicht in eine tiefere Unzufriedenheit oder Depression abzugleiten. Wir sollten uns nicht absacken lassen, sondern aktiv dagegen etwas unternehmen. Wir könnten uns z. B. selbst eine Freude machen, um Abstand zu gewinnen. Mit etwas Distanz kann die Welt gleich ganz anders aussehen. Es gibt auch naturheilkundliche Medikamente, die den Umkehrprozess unterstützen können. Vor allem sollten wir nicht den Fehler machen, zu meinen, dass es wieder mal die anderen sind, die unseren Zustand verursacht hätten. Statt dessen könnten wir uns fragen: "Was will mir die Unzufriedenheit oder die Niedergeschlagenheit sagen?" Wer sich ehrlich befragt, den kann der Geist seines Inneren, Christus, führen. Dazu sollten wir die Vorstellungen und Bilder anschauen, die in der Unzufriedenheit bzw. Niedergeschlagenheit liegen. Oftmals kommen sie aus unserer Erwartungs- oder Wunschwelt. Wir sollten sie bereinigen, wenn sie nicht gesetzmäßig oder nicht erfüllbar sind. Zugleich könnten wir beginnen, das zu geben, was wir erwarten.

Fangen wir uns nicht rechtzeitig ab, hören wir nicht auf den Impuls der Seele, dann kann unser allmählich Gemüt stumpf werden und womöglich stumm. Dann wird die Rückkehr ins Positive schwerer. Es kann dann ein Kampf sein Gedanke gegen Gedanke, Empfindung gegen Empfindung. Aber auch hier gibt es eine Lösung für den, der in seinem Kampf gegen das Negative in sich selbst nicht nachlässt. Dazu braucht es Disziplin und Ausdauer. Und die Ausrichtung auf den inneren Arzt und Heiler, Christus in uns, den größten Psychotherapeuten.
 

Menschliches Glück
ist nicht von Dauer

"Normalerweise sind Glück und Unglück nicht von Dauer. Die Endorphine im Gehirn, die uns ein Hochgefühl geben, haben eine Halbwertszeit von nur fünf Minuten. Wir können uns nicht lange freuen, nicht lange Angst haben. Das Gehirn tut alles, um wieder in den Zustand der Normalität zurückzukehren."
(Florian Holsboer, Depressionsforscher, in der Süddeutschen Zeitung)

Konfuzius sagte:
»Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.«

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