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Sie haben es in der
Hand:Nur
bedrückt oder schon depressiv?
Etwa acht Millionen Bundesbürger
leiden an einer depressiven Störung. Jeder fünfte, so die Statistiker, erkrankt in
seinem Leben an einer schwereren, d. h. länger dauernden Depression. Sind wir einer
Depression hilflos ausgeliefert?

Jeder Nebel weicht irgendwann dem Licht
Jedenfalls ist die Depression, wenn gegen sie nichts unternommen wird,
nicht ungefährlich. So nehmen sich ca. 12.000 Bundesbürger jährlich das Leben, darunter
überdurchschnittlich viele Ärzte und Pfarrer. Eine Depression kann viele Ursachen haben:
eine einschneidende Lebensveränderung, Trennung oder Tod eines geliebten Menschen,
Erschöpfung durch Überarbeitung, Arbeitslosigkeit, Stress in Familie oder Beruf.
Symptome einer Depression sind Antriebslosigkeit, fehlende Lebensfreude,
Überempfindlichkeit, Pessimismus, ständige Traurigkeit, innere Leere,
Selbstmordäußerungen. Nicht selten wird durch die Negativität das Familienleben stark
in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommt, dass Betroffene und Angehörige die Krankheit am
liebsten verschweigen möchten.
Depression:
Mangel an Serotonin?
Man weiß seit längerem,
dass bei Depressiven eine Fehlregulation der Hormone vorliegt. So haben Depressive etwa
einen Mangel an Serotonin, einem Botenstoff, der für die Übermittlung von Impulsen von
Nervenzelle zu Nervenzelle zuständig ist.
Serotonin ist für vieles in unserem Körper verantwortlich. Es steuert
unser Wohlbefinden über den Tag hinweg. Es hat auch etwas mit dem Gefühl von Würde und
Selbstwert zu tun. Über Nacht baut der Körper Serotonin in das verwandte Hormon
Melatonin um. Am Morgen ist unser Serotoninspiegel daher niedrig. Wir versuchen ihn wieder
aufzubauen, indem wir z. B. ein Frühstücksbrötchen mit Marmelade essen. Dem gleichen
Zweck dient eine Tasse frisch gebrühter Kaffee. Denn Koffein regt nicht nur an, es wirkt
sogar leicht euphorisierend. Zudem bringt es unseren Serotoninspiegel weiter nach oben.
Auch die zweite Kaffeepause, wenn mit dem Tageslicht auch das Serotonin schwindet, soll
den Stoff wieder aufbauen. Koffein stoppt zwar nicht den Abbau des Serotonins, regt aber
dessen Neubildung an.
An eben dem Serotonin-Mangel setzen die chemischen Mittel zur Bekämpfung
der Depression an, die Antidepressiva, z. B. die US-"Wunderdroge" Prozac
(in Deutschland "Fluctin"). Sie erhöhen den Serotoninspiegel im Gehirn. Ein solches
Medikament beseitigt zwar die akute Depression. Doch es hat auch Nebenwirkungen: Die
Substanzen wirken oftmals erst nach drei Wochen, der Patient hat jedoch sofort einen
trockenen Mund, ist müde, hat Verdauungsstörungen. Auch die Rückfallquote ist hoch, und
der Wirkmechanismus ist letztlich immer noch unbekannt.
Depression durch
mangelnde Stressbewältigung?
Eine andere These ist,
dass
die Disharmonie im Hormonsystem bei schweren Depressionen etwas mit Stress zu tun hat.
Bekanntlich wird bei Stress das Hormon Cortisol bzw. CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon)
ausgeschüttet, ein Stoff, der den Organismus in Alarmbereitschaft versetzt. Wenn z. B.
plötzlich vor uns ein großer, grimmiger Hund auftaucht, dann führt die
Hormonausschüttung zu verstärktem Blutdruck, Atmung und Blutdurchfluss, damit der
Körper entweder kämpfen oder fliehen kann. Ist die Gefahr vorbei, normalisiert sich der
Hormonhaushalt wieder, und Entspannung setzt ein. Nicht so bei Depressiven. Sie bleiben in
einer Art Dauerstress, für die es keinen erkennbaren Anlass gibt. Bei ihnen bleiben die
Stresshormone ständig erhöht.
Ziel der medizinischen Depressionstherapie ist deshalb, das
Stresshormon-System zu normalisieren. Da man die Produktion von zuviel CRH bisher nicht
unterdrücken konnte, suchte man nach einem Weg, das CRH im Gehirn an seiner Wirkung zu
hindern. Man entwickelte einen Stoff, der die Aufnahme von CRH an den Rezeptoren
unterdrückt. Dadurch wird die Stressreaktion unterbrochen, mit der Folge,
dass Angst und
Unruhe schwinden. Der neue Stoff, der noch keinen Namen hat, ist noch in der Erprobung. Im
Jahre 2002 soll er auf dem Markt sein. Das Mittel soll jedoch schon jetzt Angst- und
Stressgefühle nahezu auf Null bringen und weder müde noch süchtig machen. Rosige
Aussichten auf dauerhafte Euphorie?
Das
Glück
des Menschen
hängt von der
Beschaffenheit seiner
Gedanken ab.
Marc Aurel |
Oder kann mit solchen Mitteln beliebig in den menschlichen
Gefühlshaushalt eingegriffen werden, mit schwerwiegenden Folgen? So fragt z. B. die
Süddeutsche Zeitung: "Besteht
nicht die Gefahr, dass Gesunde das Medikament missbrauchen, um besser mit ihren Ängsten
umgehen zu können? Ist es dann nicht der nächste Schritt, Angst gleich zu blockieren,
bevor sie überhaupt entstehen kann? Haben Gefahren bald nichts Abschreckendes mehr, ist
der Angstpegel dann nur noch eine Frage der Dosierung? Der Soldat vor einem Angriff ...
der Bankräuber vor einem Überfall ..." (8.10.1999) Kommt
also mit der modernen Psycho-Neuro-Chemie der "programmierte Unmensch"? Ein Mensch, dessen
Gefühlsebene "abgeklemmt" ist, der zu Einfühlung und Mitleiden nicht mehr
fähig ist?
Depression
ist Folge negativen Denkens
Nicht jede depressive
Reaktion - sei es Niedergeschlagenheit, Bedrücktheit, Pessimismus oder Resignation - ist
sogleich eine seelische Krankheit. Denn im Leben jedes Menschen gibt es immer wieder das
Auf und Ab. Entscheidend ist, wie man den Herausforderungen begegnet.
Interessant ist, dass die Forscher die Frage, was früher ist - das
erhöhte CRH oder die Depression -, auslassen. Sie wissen keine Antwort - vielleicht, weil
sie die Seele und den Geist außen vor lassen? Ihnen reicht es, die Depression chemisch zu
bekämpfen.
Eines ist jedoch unstreitig: Jede Niedergeschlagenheit, jede depressive
Verstimmung zeugt von Energieverlust. Und die Frage ist, wie es zum Verlust seelischer
Energie bzw. zum Abfall der Schwingung kommt.
Es ist bekannt, dass Gedanken Energien sind, Kräfte
also, die das bewirken, was sie transportieren. Positive,
lebensbejahende Gedanken bauen auf, negative bauen ab. Auch andauernde
grüblerische Gedanken ohne klare Entscheidungen. "Das Glück des Menschen hängt von der Beschaffenheit seiner Gedanken
ab", wusste schon Marc Aurel. Es ist also letztlich die innere Einstellung, die über
Glück oder Unglück in uns entscheidet.
Das Positive in der depressiven Reaktion
Jeder
wird wohl manchmal auf die Schwierigkeiten und Probleme in seinem Leben
niedergeschlagen reagieren. Die Frage ist nur, "nähre" ich das seelische Tief, das Selbstmitleid und die Erwartungsangst,
oder frage ich, was das Leben mich hier lehren will?
Selbst in der Psychotherapie gilt, dass Leidensdruck und
Krankheitseinsicht eine Voraussetzung für die Aufnahme der Therapie sind. Und warum
Leidensdruck? Macht der nicht depressiv? Es kommt drauf an: Lasse ich mich hängen,
resigniere ich? Oder nehme ich die Depression nur zur Kenntnis und gehe
dem Energieverlust auf den Grund? Und werde ich trotzdem aktiv
und lasse mir eventuell bei der seelischen Gesundung helfen?
Sich
rechtzeitig abfangen
In unserem Leben gibt es also
immer wieder das Auf und Ab. Wenn nun Anzeichen von Niedergeschlagenheit, Unzufriedenheit,
Melancholie, Resignation kommen, dann sollten wir dies als Achtungszeichen ansehen,
gewissermaßen als einen Impuls der Seele.
Die Aufgabe heißt
dann, sich rechtzeitig abzufangen, um nicht in eine tiefere Unzufriedenheit oder
Depression abzugleiten. Wir sollten uns nicht absacken lassen, sondern aktiv dagegen etwas
unternehmen. Wir könnten uns z. B. selbst eine Freude machen, um Abstand zu gewinnen. Mit
etwas Distanz kann die Welt gleich ganz anders aussehen. Es gibt auch naturheilkundliche
Medikamente, die den Umkehrprozess unterstützen können. Vor allem sollten wir nicht den
Fehler machen, zu meinen, dass es wieder mal die anderen sind, die
unseren Zustand verursacht hätten. Statt dessen könnten wir uns fragen:
"Was will mir die
Unzufriedenheit oder die Niedergeschlagenheit sagen?" Wer sich ehrlich befragt, den kann der Geist seines Inneren,
Christus, führen. Dazu sollten wir die Vorstellungen und Bilder anschauen, die in der
Unzufriedenheit bzw. Niedergeschlagenheit liegen. Oftmals kommen sie aus unserer Erwartungs- oder Wunschwelt. Wir
sollten sie bereinigen, wenn sie nicht gesetzmäßig oder nicht erfüllbar sind. Zugleich
könnten wir beginnen, das zu geben, was wir erwarten.
Fangen wir uns nicht rechtzeitig ab, hören wir nicht auf den Impuls der
Seele, dann kann unser allmählich Gemüt stumpf werden und womöglich stumm. Dann wird die Rückkehr
ins Positive schwerer. Es kann dann ein Kampf sein Gedanke gegen Gedanke, Empfindung gegen
Empfindung. Aber auch hier gibt es eine Lösung für den, der in seinem Kampf gegen das
Negative in sich selbst nicht nachlässt. Dazu braucht es Disziplin und Ausdauer. Und die
Ausrichtung auf den inneren Arzt und Heiler, Christus in uns, den größten
Psychotherapeuten.
Menschliches Glück
ist nicht von Dauer
"Normalerweise sind
Glück und Unglück nicht von Dauer. Die Endorphine im Gehirn, die uns ein Hochgefühl
geben, haben eine Halbwertszeit von nur fünf Minuten. Wir können uns nicht lange freuen,
nicht lange Angst haben. Das Gehirn tut alles, um wieder in den Zustand der Normalität
zurückzukehren."
(Florian Holsboer, Depressionsforscher, in der Süddeutschen
Zeitung)
Konfuzius sagte:
»Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.« |
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