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Die Bekämpfung
unbequemer Lehren (Teil 2)
Sokrates und
Plato -
Wegweiser zu Christus?
Im Olymp lebten alle Geschöpfe in Seligkeit und
Harmonie - bis ein hohes Wesen des Olymps mit Namen Eosphoros (der
Lichtträger) sich gegen diese Ordnung des Schönen und Guten auflehnte
und selbst die Leitung der Schöpfung übernehmen wollte. Es gelang
Eosphoros, einen Teil der Wesenheiten des Olymps für sich zu gewinnen.
Doch Zeus befahl, dass der abtrünnige Geist und seine Anhänger aus dem
Olymp verbannt und in den Hades (die Unterwelt) gestoßen wurden. Die
Rückkehr in den Olymp wird ihnen erst dann wieder möglich sein, wenn ein
anderes hohes Wesen des Himmels in die Unterwelt eindringt und deren
Herrscher besiegt.
Soweit ein (weniger bekannter) Ausschnitt aus der Mythologie der alten
Griechen. Wer die Bibel kennt, müsste eigentlich stutzig geworden sein:
Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, steht
eine ähnliche Geschichte, die ebenfalls von einem “Engelsturz”
berichtet:
“Und es entstand Krieg im Himmel, so dass Michael und seine Engel Krieg
führten mit dem Drachen. ... Und geworfen wurde der große Drache, die
alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis
verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm
geworfen” (Ofb. 12, 7-9).
Der Michael der biblischen Geschichte heißt bei den Griechen Kronos. Der
“Teufel” wird in der christlichen Geisteswelt auch als Luzifer
(Lichtträger) bezeichnet - die wörtliche Übersetzung von Eosphoros ins
Lateinische. Und der “Hohe aus dem Olymp”, der in das Reich des Luzifer
vordringen wird, wäre dann niemand anderer als der “Gesalbte” -
griechisch Christos. Dieser verkörpert den Logos, das “leibhaftige Wort
Gottes” (Sokrates) oder “das Gesetz, dem der Mensch und der ganze Kosmos
unterworfen sind” (Plato). Plato setzte dieses Gesetz mit der Weisheit
(Sophia) gleich. Unwillkürlich denkt man an den Beginn des
Johannes-Evangeliums: “Im Anfang war das Wort (der Logos) ...” In
unserer Zeit trägt das Hauptwerk des Christus-Gottesgeistes, der sich
durch Prophetenmund wieder offenbart und den Menschen den Weg zurück zu
Gott weist, den Titel: Das ist Mein Wort (siehe
http://www.das-wort.com/deutsch/).
Der Logos
und der Sohn
Gottes
Plato (427-347 v. Chr.), der Schüler des Sokrates
(469-399 v. Chr.), spricht an einer Stelle vom Logos sogar als dem
“Bildner des wunderbar geordneten Weltalls, der Sohn des über allen
waltenden Gottes“. Von daher verwundert es nicht, wenn der
frühchristliche Philosoph Justin der Märtyrer (gestorben in Rom um 165
n. Chr.) Sokrates als einen “Christen” bezeichnet, da er im Besitz der
Wahrheit um den Logos gewesen sei. Origenes sagt Ähnliches über Plato.
Die frappierende Übereinstimmung der Glaubensinhalte zwischen einem Teil
des griechischen Volkes und der frühen Christenheit erleichterte die
Ausbreitung des christlichen Glaubens in der damaligen Griechisch
sprechenden Welt. Diese Übereinstimmung bestätigt indirekt auch ein
Bannfluch, der im Jahre 543 anlässlich einer Synode in Konstantinopel
von Kaiser Justinian ausgesprochen wurde:
“Wer behauptet, glaubt oder für möglich hält, die Seele des Herrn habe
schon vor dessen Menschwerdung und vor seiner Geburt aus der Jungfrau
Maria bestanden und sei der göttliche Logos gewesen - den treffe der
Bannfluch!”
Auf derselben Synode wurde indirekt auch die Lehre der
Wiederverkörperung von der Kirche verworfen. An diese glaubten nicht nur
Sokrates und Plato, sondern schon der Philosoph Pythagoras (geb. um 600
v. Chr.). Dieser wurde für über zehn Jahre (525-514) an den Hof des
Königs von Babylon verschleppt. Dort hielten sich damals noch zahlreiche
Israeliten auf, so dass Pythagoras auch die Schriften der späteren Bibel
kennen gelernt haben könnte, die dort als das Werk Salomos bezeichnet
werden (vgl. Das Weisse Pferd
Nr. 21/1999). Im Buch der Weisheit wird
der Gedanke “... und keiner kommt zurück” (aus dem Reich des Todes) als
“verkehrter Gedanke” bezeichnet! (Weisheit 2, 5)
Vegetarismus und
Wiedergeburt
Pythagoras warb übrigens auch für eine vegetarische
Ernährung, und zwar aus ethischen Gründen. Die hohe Ethik der ionischen
Griechen, die wir auch bei Homer, Hesiod, Heraklit und vielen anderen
finden, stammt aber sicherlich auch aus eigenen, inneren Quellen.
Sokrates berief sich z. B. auf eine “innere göttliche Stimme”. Er sprach
von dem verborgenen Gott, der in der unsterblichen Seele jedes Menschen
lebt.
Doch weshalb wurde Sokrates zum Tode verurteilt? Weshalb wurde im 6.
Jahrhundert nach Christus der letzte Rest griechischer Geistigkeit, die
Origenes (184-253 n. Chr.) in genialer Weise mit dem frühen Christentum
in Verbindung gebracht hatte, von der Kirche verdammt?
Wir haben es hier offenbar mit einem geistigen Kampf zu tun, der immer
wieder in der Geschichte der Menschheit auftrat: Das Wissen um den Sinn
des Erdenlebens und um die höhere Ethik und Moral, die den Menschen Gott
wieder näher bringt, wurde von Gegensatzkräften bekämpft. Dies gelingt
umso mehr, je weniger wir Menschen das im täglichen Leben verwirklichen,
was an geistigem Gut in den einzelnen Zeitepochen gelehrt wurde und
wird. Ähnlich wie im Alten Testament (Das Weisse Pferd Nr. 21/1999),
und ähnlich wie im Falle des Jesus von Nazareth war es wiederum die
Kaste der Priester, die in diesem Kampf die Hauptrolle spielte. Sokrates
wurde wegen angeblicher Gotteslästerung angeklagt und musste den
Schierlingsbecher trinken. Doch welche Götter waren es, die Sokrates
angriff?
Der Gott der Unterwelt
Neben der - oder vielmehr gegen die - Auffassung
eines himmlischen Gottvaters Zeus, der als der Inbegriff des Guten und
Schönen galt, machte sich unter den Griechen auch eine entgegen gesetzte
Auffassung breit: Der Zeus, der sich von menschlichen Schwächen
beherrschen lässt, der unberechenbar ist. Unter verschiedenen (Götter-)
Masken schlich sich der Gott der Unterwelt in den Olymp ein: der
bocksbeinige Dionysos (man denke an die Redensart: “den Bock zum Gärtner
machen”), der sich und andere berauschte; der scheinbar schöngeistige
Apollo, dessen Name (von Abullu) dem babylonischen Baal, dem Gott der
Unterwelt, verdächtig ähnlich klang; der Keulen schwingende Herkules -
ein verdächtig brutaler “Held” fürwahr. Diese drei Götter bildeten eine
“Dreifaltigkeit” - ähnlich der kirchlichen Dreifaltigkeit späterer
Jahrhunderte. Während Pythagoras blutige Opfer ablehnte und auf die
klare Vernunft des Menschen setzte, wurden andernorts in
geheimnisumwitterten Orakelstätten mit Opfertieren und Rauschmitteln
angebliche Zukunftsvisionen ermittelt. Bei den Kretern und den
Spartanern waren zeitweise sogar Menschopfer üblich; die Spartaner
setzten schwächliche Kinder einfach aus oder warfen sie in Abgründe.
Die Ordnung schaffende “Engelsgestalt” Kronos/Michael, dessen Symbol ein
Stier war, wurde symbolisch in Form lebendiger Stiere gequält und
getötet. Bis heute haben sich möglicherweise Reste dieses Brauches, über
Jahrhunderte weiter verbreitet, im spanischen Stierkampf erhalten.
Solche heidnischen Bräuche und Göttervorstellungen bekämpfte Sokrates
mit feinem Spott und tiefgründigen Fragen. Deshalb musste er sterben.
Das ionische Griechentum unterlag dem dorischen Griechentum (siehe
unten). Dennoch blieb vieles von der hoch stehenden Botschaft
erhalten, die das freie Griechenland der Menschheit vermachte. In
späteren Jahrhunderten, als die Macht der Kirche nachließ, kam es wieder
an die Oberfläche. Seine eigentliche Botschaft ist heute aktueller denn
je. (Matthias Holzbauer)
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Stelle dir vier Fragen
am Abend
Lasse die Sonne
nicht den westlichen Horizont erreichen,
noch lass den Schlummer nah’n
deinen sinkenden Lidern,
eh’ du nicht die Ereignisse
des eben vergangenen Tages überprüft
und die folgenden Fragen gestellt hast:
Was habe ich heute getan, das gut war?
Was habe ich heute getan, das schlecht war?
Habe ich jemanden versetzt?
Habe ich meine Pflicht versäumt?
Lasse die untergehende Sonne
nicht den westlichen Horizont erreichen,
noch schließe die Augen zum Schlaf,
ehe du nicht dir dreimal
diese Fragen gestellt hast.
(Pythagoras) |
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Der geistige und
irdische Kampf
in Griechenland
Im antiken Griechenland standen sich zwei
Strömungen gegenüber: die Ionier und die Dorer. Während die Ionier
sich als Bauern und freie Stadtbürger sesshaft machten, trugen die
später eintreffenden Dorer eher nomadische Züge. Die erste Welle von
Dorern erreichte die Ägäis um etwa 2000 v. Chr. Vermutlich handelte
es sich zunächst um Söldner, die im Auftrag der kretischen Minoer in
Griechenland einfielen und “Minyer” genannt wurden. Sie stammten
möglicherweise aus Assyrien, also aus Gebieten südlich des Kaukasus.
Später schüttelten sie die kretische Herrschaft ab, nahmen die
griechische Sprache an und nannten sich “Dorer”. Ihre Herrschaft war
auf Versklavung aufgebaut - ein Beispiel dafür ist die Kultur von
Mykene auf dem Peloponnes, die Homer in seinem Epos “Ilias”
beschrieb. Nach dem Fall von Troja, etwa um 1200 v. Chr., kam eine
zweite Welle von räuberischen Horden nach Griechenland, diesmal aus
dem Norden. Im Laufe von Jahrhunderten setzten sie sich vor allem
auf dem Peloponnes fest, gründeten Sparta und versklavten nach und
nach die umliegenden Siedler.
Später gewannen die Dorer in ganz Griechenland die Oberhand. Sie
profitierten von den Kriegen der Griechen gegen die Perser, deren
Blutzoll hauptsächlich die Ionier trugen. Sie unterwanderten auch
die ionische Hauptstadt Athen und sorgten dafür, dass dieses sich im
ionischen Städtebund zur Großmacht aufspielte und seine
Bündnispartner unterdrückte und betrog. Perikles, später der
Veruntreuung von Geldern überführt, ließ auf der Akropolis eine
riesige prunkvolle Statue der Pallas Athene aufstellen, was durchaus
nicht im Sinne der eher bescheidenen Ionier war. Am Ende provozierte
Athen die Spartaner und gab damit den Persern einen Vorwand zum
erneuten Eingreifen. Die freie ionische Stadtkultur ging unter. Den
Schlusspunkt setzten die Römer: Sulla zerstörte 87 v. Chr. die
Akademie Platos in Athen. |
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