Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 22/99

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Die Bekämpfung unbequemer Lehren (Teil 2)

Sokrates und Plato -
Wegweiser zu Christus?

Im Olymp lebten alle Geschöpfe in Seligkeit und Harmonie - bis ein hohes Wesen des Olymps mit Namen Eosphoros (der Lichtträger) sich gegen diese Ordnung des Schönen und Guten auflehnte und selbst die Leitung der Schöpfung übernehmen wollte. Es gelang Eosphoros, einen Teil der Wesenheiten des Olymps für sich zu gewinnen. Doch Zeus befahl, dass der abtrünnige Geist und seine Anhänger aus dem Olymp verbannt und in den Hades (die Unterwelt) gestoßen wurden. Die Rückkehr in den Olymp wird ihnen erst dann wieder möglich sein, wenn ein anderes hohes Wesen des Himmels in die Unterwelt eindringt und deren Herrscher besiegt.
Soweit ein (weniger bekannter) Ausschnitt aus der Mythologie der alten Griechen. Wer die Bibel kennt, müsste eigentlich stutzig geworden sein: Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, steht eine ähnliche Geschichte, die ebenfalls von einem Engelsturz berichtet:

“Und es entstand Krieg im Himmel, so dass Michael und seine Engel Krieg führten mit dem Drachen. ... Und geworfen wurde der große Drache, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen” (Ofb. 12, 7-9).
Der Michael der biblischen Geschichte heißt bei den Griechen Kronos. Der “Teufel” wird in der christlichen Geisteswelt auch als Luzifer (Lichtträger) bezeichnet - die wörtliche Übersetzung von Eosphoros ins Lateinische. Und der “Hohe aus dem Olymp”, der in das Reich des Luzifer vordringen wird, wäre dann niemand anderer als der “Gesalbte” - griechisch Christos. Dieser verkörpert den Logos, das “leibhaftige Wort Gottes” (Sokrates) oder “das Gesetz, dem der Mensch und der ganze Kosmos unterworfen sind” (Plato). Plato setzte dieses Gesetz mit der Weisheit (Sophia) gleich. Unwillkürlich denkt man an den Beginn des Johannes-Evangeliums: “Im Anfang war das Wort (der Logos) ...” In unserer Zeit trägt das Hauptwerk des Christus-Gottesgeistes, der sich durch Prophetenmund wieder offenbart und den Menschen den Weg zurück zu Gott weist, den Titel: Das ist Mein Wort (siehe http://www.das-wort.com/deutsch/).

Der Logos und der Sohn Gottes

Plato (427-347 v. Chr.), der Schüler des Sokrates (469-399 v. Chr.), spricht an einer Stelle vom Logos sogar als dem “Bildner des wunderbar geordneten Weltalls, der Sohn des über allen waltenden Gottes“. Von daher verwundert es nicht, wenn der frühchristliche Philosoph Justin der Märtyrer (gestorben in Rom um 165 n. Chr.) Sokrates als einen “Christen” bezeichnet, da er im Besitz der Wahrheit um den Logos gewesen sei. Origenes sagt Ähnliches über Plato.
Die frappierende Übereinstimmung der Glaubensinhalte zwischen einem Teil des griechischen Volkes und der frühen Christenheit erleichterte die Ausbreitung des christlichen Glaubens in der damaligen Griechisch sprechenden Welt. Diese Übereinstimmung bestätigt indirekt auch ein Bannfluch, der im Jahre 543 anlässlich einer Synode in Konstantinopel von Kaiser Justinian ausgesprochen wurde:
“Wer behauptet, glaubt oder für möglich hält, die Seele des Herrn habe schon vor dessen Menschwerdung und vor seiner Geburt aus der Jungfrau Maria bestanden und sei der göttliche Logos gewesen - den treffe der Bannfluch!”
Auf derselben Synode wurde indirekt auch die Lehre der Wiederverkörperung von der Kirche verworfen. An diese glaubten nicht nur Sokrates und Plato, sondern schon der Philosoph Pythagoras (geb. um 600 v. Chr.). Dieser wurde für über zehn Jahre (525-514) an den Hof des Königs von Babylon verschleppt. Dort hielten sich damals noch zahlreiche Israeliten auf, so dass Pythagoras auch die Schriften der späteren Bibel kennen gelernt haben könnte, die dort als das Werk Salomos bezeichnet werden (vgl. Das Weisse Pferd Nr. 21/1999). Im Buch der Weisheit wird der Gedanke “... und keiner kommt zurück” (aus dem Reich des Todes) als “verkehrter Gedanke” bezeichnet! (Weisheit 2, 5)

Vegetarismus und Wiedergeburt

Pythagoras warb übrigens auch für eine vegetarische Ernährung, und zwar aus ethischen Gründen. Die hohe Ethik der ionischen Griechen, die wir auch bei Homer, Hesiod, Heraklit und vielen anderen finden, stammt aber sicherlich auch aus eigenen, inneren Quellen. Sokrates berief sich z. B. auf eine “innere göttliche Stimme”. Er sprach von dem verborgenen Gott, der in der unsterblichen Seele jedes Menschen lebt.
Doch weshalb wurde Sokrates zum Tode verurteilt? Weshalb wurde im 6. Jahrhundert nach Christus der letzte Rest griechischer Geistigkeit, die Origenes (184-253 n. Chr.) in genialer Weise mit dem frühen Christentum in Verbindung gebracht hatte, von der Kirche verdammt?
Wir haben es hier offenbar mit einem geistigen Kampf zu tun, der immer wieder in der Geschichte der Menschheit auftrat: Das Wissen um den Sinn des Erdenlebens und um die höhere Ethik und Moral, die den Menschen Gott wieder näher bringt, wurde von Gegensatzkräften bekämpft. Dies gelingt umso mehr, je weniger wir Menschen das im täglichen Leben verwirklichen, was an geistigem Gut in den einzelnen Zeitepochen gelehrt wurde und wird. Ähnlich wie im Alten Testament (Das Weisse Pferd Nr. 21/1999), und ähnlich wie im Falle des Jesus von Nazareth war es wiederum die Kaste der Priester, die in diesem Kampf die Hauptrolle spielte. Sokrates wurde wegen angeblicher Gotteslästerung angeklagt und musste den Schierlingsbecher trinken. Doch welche Götter waren es, die Sokrates angriff?

Der Gott der Unterwelt

Neben der - oder vielmehr gegen die - Auffassung eines himmlischen Gottvaters Zeus, der als der Inbegriff des Guten und Schönen galt, machte sich unter den Griechen auch eine entgegen gesetzte Auffassung breit: Der Zeus, der sich von menschlichen Schwächen beherrschen lässt, der unberechenbar ist. Unter verschiedenen (Götter-) Masken schlich sich der Gott der Unterwelt in den Olymp ein: der bocksbeinige Dionysos (man denke an die Redensart: “den Bock zum Gärtner machen”), der sich und andere berauschte; der scheinbar schöngeistige Apollo, dessen Name (von Abullu) dem babylonischen Baal, dem Gott der Unterwelt, verdächtig ähnlich klang; der Keulen schwingende Herkules - ein verdächtig brutaler “Held” fürwahr. Diese drei Götter bildeten eine “Dreifaltigkeit” - ähnlich der kirchlichen Dreifaltigkeit späterer Jahrhunderte. Während Pythagoras blutige Opfer ablehnte und auf die klare Vernunft des Menschen setzte, wurden andernorts in geheimnisumwitterten Orakelstätten mit Opfertieren und Rauschmitteln angebliche Zukunftsvisionen ermittelt. Bei den Kretern und den Spartanern waren zeitweise sogar Menschopfer üblich; die Spartaner setzten schwächliche Kinder einfach aus oder warfen sie in Abgründe.
Die Ordnung schaffende “Engelsgestalt” Kronos/Michael, dessen Symbol ein Stier war, wurde symbolisch in Form lebendiger Stiere gequält und getötet. Bis heute haben sich möglicherweise Reste dieses Brauches, über Jahrhunderte weiter verbreitet, im spanischen Stierkampf erhalten.
Solche heidnischen Bräuche und Göttervorstellungen bekämpfte Sokrates mit feinem Spott und tiefgründigen Fragen. Deshalb musste er sterben. Das ionische Griechentum unterlag dem dorischen Griechentum (siehe unten).  Dennoch blieb vieles von der hoch stehenden Botschaft erhalten, die das freie Griechenland der Menschheit vermachte. In späteren Jahrhunderten, als die Macht der Kirche nachließ, kam es wieder an die Oberfläche. Seine eigentliche Botschaft ist heute aktueller denn je. (Matthias Holzbauer)

Stelle dir vier Fragen am Abend
Lasse die Sonne
nicht den westlichen Horizont erreichen,
noch lass den Schlummer nah’n
deinen sinkenden Lidern,
eh’ du nicht die Ereignisse
des eben vergangenen Tages überprüft
und die folgenden Fragen gestellt hast:
Was habe ich heute getan, das gut war?
Was habe ich heute getan, das schlecht war?
Habe ich jemanden versetzt?
Habe ich meine Pflicht versäumt?

Lasse die untergehende Sonne
nicht den westlichen Horizont erreichen,
noch schließe die Augen zum Schlaf,
ehe du nicht dir dreimal
diese Fragen gestellt hast.


(Pythagoras)

Der geistige und irdische Kampf
in Griechenland

Im antiken Griechenland standen sich zwei Strömungen gegenüber: die Ionier und die Dorer. Während die Ionier sich als Bauern und freie Stadtbürger sesshaft machten, trugen die später eintreffenden Dorer eher nomadische Züge. Die erste Welle von Dorern erreichte die Ägäis um etwa 2000 v. Chr. Vermutlich handelte es sich zunächst um Söldner, die im Auftrag der kretischen Minoer in Griechenland einfielen und “Minyer” genannt wurden. Sie stammten möglicherweise aus Assyrien, also aus Gebieten südlich des Kaukasus. Später schüttelten sie die kretische Herrschaft ab, nahmen die griechische Sprache an und nannten sich “Dorer”. Ihre Herrschaft war auf Versklavung aufgebaut - ein Beispiel dafür ist die Kultur von Mykene auf dem Peloponnes, die Homer in seinem Epos “Ilias” beschrieb. Nach dem Fall von Troja, etwa um 1200 v. Chr., kam eine zweite Welle von räuberischen Horden nach Griechenland, diesmal aus dem Norden. Im Laufe von Jahrhunderten setzten sie sich vor allem auf dem Peloponnes fest, gründeten Sparta und versklavten nach und nach die umliegenden Siedler.
Später gewannen die Dorer in ganz Griechenland die Oberhand. Sie profitierten von den Kriegen der Griechen gegen die Perser, deren Blutzoll hauptsächlich die Ionier trugen. Sie unterwanderten auch die ionische Hauptstadt Athen und sorgten dafür, dass dieses sich im ionischen Städtebund zur Großmacht aufspielte und seine Bündnispartner unterdrückte und betrog. Perikles, später der Veruntreuung von Geldern überführt, ließ auf der Akropolis eine riesige prunkvolle Statue der Pallas Athene aufstellen, was durchaus nicht im Sinne der eher bescheidenen Ionier war. Am Ende provozierte Athen die Spartaner und gab damit den Persern einen Vorwand zum erneuten Eingreifen. Die freie ionische Stadtkultur ging unter. Den Schlusspunkt setzten die Römer: Sulla zerstörte 87 v. Chr. die Akademie Platos in Athen.

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