Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 23/99

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Zur Strategie der Gentechnik-Konzerne

"Functional Food" - das neue Zauberwort der Gentechnik?

Die Gentechnik in der Nahrung scheint derzeit eher auf dem Rückzug. Verschiedene Handelsketten gaben auf Druck der Konsumenten bereits an, genveränderte Produkte aus den Regalen zu nehmen und keine neuen hinzuzufügen (wir berichteten).

Doch der Gentechnik-Experte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Dan Leskien, warnt, die Auseinandersetzung sei damit "noch lange nicht gewonnen". In einem Interview mit der Zeitschrift BUND-Magazin (Nr. 4/1999) erklärt er, die Gentechnik-Konzerne hätten bislang "vor allem Produkte entwickelt, die ohne jeden Vorteil für die Endverbraucher sind". Nun müssten sie ihre Strategie ändern. Leskien vermutet, dass die Konzerne in ein paar Jahren - denn solange dauert die Marktreife neuer Produkte - es mit einer neuen Welle von Gentechnik versuchen werden: Der - angebliche - Nutzwert für die Endverbraucher stünde dann im Vordergrund. "Gedacht ist etwa an die Erhöhung des Vitamin-Gehalts von Früchten und Gemüsen. Gen-Bananen sollen Impfstoffe produzieren."

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Soweit Dan Leskien. Seine Worte lassen vermuten, dass die Gentechnik-Industrie versuchen wird, auf den gerade anfahrenden Zug des "Functional Food" aufzuspringen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein neuer Trend der Nahrungsmittelhersteller: Alle möglichen Produkte werden mit angeblich gesundheitlich wichtigen Stoffen versetzt. Der Unterschied zwischen Nahrungsmittel und Arzneimittel verschwimmt. Man kauft dann kein Brot mehr, sondern z. B. ein "Gute-Laune-Brot", das Lycopin aus Tomaten enthält - ein Stoff, der die Stimmung heben soll. Oder man erwirbt ein Joghurt, das gegen Osteoporose - eine Knochenkrankheit - vorbeugen soll. Die Industrie, das wurde in der Fernsehsendung Zeichen der Zeit (4.11.1999) aufgezeigt, verspricht sich von solchen Produkten wesentlich höhere Renditen. Denn der Verbraucher, so ein Firmensprecher, sei bereit, mehr zu zahlen, wenn eine bestimmte Wirkung zugesichert wird. Problematisch sei dabei einerseits die juristische Seite - denn direkte Werbung mit angeblichen gesundheitlichen Wirkungen ist in Deutschland bislang verboten. Andererseits sind die möglichen Nebenwirkungen bestimmter Stoffe, die - anders als in der Natur, wo sie in einem ausgewogenen Verhältnis mit anderen Stoffen stehen - nun isoliert eingesetzt werden, noch unbekannt.

Dass die Gentechnik dort mit einsteigen will, wo es im Grunde nur um eine Steigerung der Rendite geht, passt ins Bild. Der wachsame Verbraucher durchschaut das Spiel.


 




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