Dr. Schneider: Ein solcher Tag könnte z. B. morgens um 7.00 Uhr mit
speziellen Körperübungen beginnen, welche die Zellen und Organe des Körpers wie auch
die Seele aktivieren und für den neuen Tag vorbereiten. Danach findet eine meditative
Betrachtung derjenigen Heilpflanzen statt, die im aktuellen Tagestee verwendet werden. Es
wird jeweils ein Dia einer Pflanze in Großformat gezeigt, und die Betrachter erfahren
dabei spezifische Eigenheiten der Pflanze, z. B. ihr Vorkommen, ihren Standort, ihre
Vorlieben, aber auch Besonderheiten in ihrem Aufbau und ihre Heil- und Inhaltsstoffe.
Manche Heilpflanzen blicken auf eine längere Geschichte in der Heilkunde zurück, deshalb
erfährt der Betrachter auch einiges über die Anwendungsgebiete in früheren Zeiten. Dann
wird die Heilwirkung dieser Pflanze besprochen und bei welchen Erkrankungen sie eingesetzt
wird. Das Bild der Pflanze mit dem, was zu ihr gehört, ist damit abgerundet, und der
Heilungsuchende kann nun in eine meditative Betrachtung geführt werden, bei der er dieses
Bild in sich erstehen lässt und sich vorstellt, wie die Pflanze in seinem Organismus
wirkt und die Selbstheilungskräfte unterstützt. Wer möchte, kann auch von der Art der
Heilwirkung der betreffenden Pflanze Rückschlüsse auf sein Lebens ziehen.
Das Weisse Pferd: Können Sie an Hand einer bestimmten Pflanze
diesen Vorgang näher beleuchten?

Dr. Schneider: Nehmen wir den Odermennig. Er kommt in ganz Europa vor und bevorzugt
Waldränder, sonnige Plätze und wächst gerne entlang von Holzzäunen. Er war bereits im
Altertum sehr geschätzt als Wundkraut und Heilpflanze gegen Schlangenbisse, später auch
als vorzügliches Lebermittel. Die wichtigsten Heil- und Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe,
Bitterstoffe, ätherische Öle und Kieselsäure. Odermennig hilft, Wunden zu heilen, ist
aber vor allem ein hochwirksames Mittel gegen Nieren-, Leber- und Milzerkrankungen.
Hervorgehoben wird seine Wirkung bei Gallensteinerkrankungen, Gelbsucht und
Harnsäureablagerungen. Bei Stauungen und Entzündungen an den Schleimhäuten, z. B. bei
einer Halsentzündung, wird er als Gurgelmittel eingesetzt. Der
Odermennig wird auch das
natürliche Kortison genannt.
Die meditative Betrachtung der Pflanze kann dann etwa so lauten:
Lassen wir das Bild der Pflanze in uns wirken, betrachten wir den
Odermennig zuerst mit unseren physischen Augen und nehmen dann dieses Bild mit nach innen.
Lassen wir den Odermennig in uns lebendig werden. Stellen wir uns vor, wie er sich im Wind
bewegt, wie seine leuchtend gelbe Farbe in der Sonne erstrahlt. Lassen wir uns berühren
von seiner Ausstrahlung. Wir haben gehört, Odermennig ist hilfreich bei Gallen- und
Nierensteinen, bei allen harten und krustigen Ablagerungen im Körper. Spüren wir, wie
der Odermennig in unserem Körper alte Verkrustungen erweicht, bejahen wir die Kraft und
die Wirkung der Pflanze in uns. Verkrustungen weichen auf. Bejahen wir die Kraft der
Pflanze in uns und erleben, wie der Odermennig alte Ablagerungen und schlechte Stoffe zur
Ausscheidung bringt. Dadurch werden Reizungen und Entzündungen gelindert.
Die Natur ist unser Freund und unser großes Vorbild. Sie möchte mit uns
in Verbindung treten und uns helfen und dienen. Versuchen wir nun, eine Botschaft des
Odermennig für unser Leben aufzunehmen: Vielleicht gibt es auch in unserem Leben
Verhärtungen, Verkrustungen, Ablagerungen, Situationen oder Verhaltensweisen, die schon
lange bestehen und noch nicht gelöst sind. Eventuell sind sie durch Reizungen und durch
Streitigkeiten mit unseren Mitmenschen entstanden, die, wie eine Entzündung, immer wieder
aufflammen können. Auch unsere Fehlhaltungen möchten erweicht und aufgelöst werden, und
wir nehmen uns vor, dass wir heute beginnen, diese verkrusteten Strukturen zu lockern und
zu lösen. Wir sehen und erkennen, was wir ab heute besser machen können, damit die
Selbstheilungskräfte unseren Körper zu stärken und zu heilen vermögen.
Solche Pflanzenbetrachtungen helfen dem Heilungssuchenden, eine
intensivere Kommunikation zu den Heilpflanzen, die er im Tagestee zu sich nimmt,
herzustellen. Dadurch kann sich die Wirkung des Tees im Körper um ein Vielfaches
verstärken. Der Patient wird aber auch während des Tages immer wieder an das erinnert,
was er sich zu lösen vorgenommen hat.
Das Weisse Pferd: Und wie verläuft nach diesem
erfahrungsreichen Morgen der weitere Tag?
Dr. Schneider: Nach der Pflanzenbetrachtung nimmt man in Ruhe das
Frühstück ein. Anschließend gibt es die Möglichkeit der Organansprechung. Diese
aktiviert die Selbstheilungskräfte, die der Patient dann aktiv den einzelnen Organen
zusendet. Später am Vormittag ist Zeit für medizinische oder physikalische Behandlungen.
Vor dem Mittagsmahl, das in Ruhe und bewusst eingenommen wird, gibt es wieder aktivierende
und zugleich harmonisierende Körperübungen.
Der Nachmittag bietet sich für Spaziergänge und Gruppengespräche über
bestimmte Themen an, die alle Lebensbereiche einschließen und für viele Teilnehmer zur
echten Lebenshilfe werden. Die Basis der Gespräche, sowohl in der Gruppe als auch
einzeln, ist die urchristliche Ethik der Bergpredigt und der Zehn Gebote. An manchen
Nachmittagen wird auch Mal- oder Musiktherapie angeboten. Vor dem Abendessen finden erneut
Körper und Seele aktivierende und harmonisierende Körperübungen statt. Der Abend klingt
dann z. B. mit Lesen oder Musik aus.
Das Weisse Pferd: Sie haben in Ihren Ausführungen über einen
Tagesablauf in der HG Naturklinik Michelrieth organbezogene Entspannungsübungen bzw. die
Organansprechung genannt. Können Sie diese Therapie näher erläutern?
Dr. Schneider: Lassen Sie mich dazu einige Vorbemerkungen machen.
Wir gehen davon aus, dass jede Erkrankung des Körpers ihren Ursprung in einer Disharmonie
des Nervensystems hat. Diese Disharmonie ist letztlich der Ausdruck eines Denkens,
Fühlens, Redens und Handels, das nicht im Einklang mit den kosmischen Gesetzmäßigkeiten
und den Harmoniegesetzen der Natur steht. Dazu zählt z. B. auch: Streit mit den
Mitmenschen, Unversöhnlichkeit, Neid und egoistisches Verhalten in den verschiedenen
Bereichen unseres Lebens. Dieses Verhalten wird im Unterbewusstsein des Menschen und über
dieses in jeder einzelnen Körperzelle gespeichert. Es geht aber auch in die Seele ein,
dem eigentlichen Lebensträger im Menschen. Diese Speicherungen vollziehen sich
fortlaufend und bleiben nicht ohne Folgen. Deshalb gilt es, sie zu erkennen und zu lösen
und von nun an ein positives Leben aufzubauen - gemäß der Naturgesetze und gemäß der
göttlichen Gesetze, wie sie z. B. in den Zehn Geboten und der Bergpredigt dargelegt sind.
Dadurch werden die Selbstheilungskräfte aktiviert, und der Körper kann sich kräftigen
oder gesund werden.